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Neues Bildstöckli erinnert an die Kolpingfamilie

Die Kolpingfamilie Uznach löst sich auf. Zum Andenken hat sie das vereinseigene Bildstöckli im Buchwald in Uznach erneuern lassen.

Linth-Zeitung
Donnerstag, 04. Oktober 2018, 04:30 Uhr Im Uzner Buchwald
Holzbildhauer Paul Widmer (rechts) und Markus Steger, Präsident der Kolpingfamilie, freuen sich über die gelungene Renovation.
ZVG

Der Katholische Gesellenverein Uznach wurde 1891 gegründet und 1973 als Kolpingfamilie weitergeführt. Nach jahrzehntelangem grossem Engagement treten auf Ende dieses Jahres alle Vorstandsmitglieder altershalber zurück. Leider hat der Verein mit dem Tod von Pastoralassistentin Annemarie Marty vor Kurzem auch seinen Präses verloren. Die Vereinsmitglieder sehen sich deshalb genötigt, den 127 Jahre alten Verein Ende Jahr mangels Vorstands-Nachwuchs aufzulösen.

1950 hat der Gesellenverein Uznach im Unteren Buchwald aus Anlass des in der Katholischen Kirche weltweit gefeierten «Heiligen Jahres» ein Bildstöckli mit Madonna und Kind aufgestellt. Das Gnadenbild erhält seither regelmässig Besuch aus der Bevölkerung, wie die Kolpingfamilie mitteilt.

Bildstöckli als Vermächtnis

Damit die Erinnerung an ihren Verein nach dessen Auflösung erhalten bleibt, hat die Kolpingfamilie beschlossen, das in die Jahre gekommene Bildstöckli vollständig erneuern und die Gips-Skulptur «Madonna mit Kind» durch ein Kunstwerk aus Eichenholz ersetzen zu lassen. Der in Uznach aufgewachsene Schreiner Armon Gerber aus Reichenburg war für die Renovation besorgt, während Bildhauer Paul Widmer aus Gommiswald die neue Madonna schnitzte.

Armon Gerber war für die Renovation besorgt, Paul Widmer schnitzte die neue Madonna.
 

Nach Auflösung der Kolpingfamilie wird die Katholische Kirchgemeinde Uznach und ab 2020 die fusionierte Katholische Kirchgemeinde Obersee Eigentümerin des Bildstöcklis und die Unterhaltspflicht übernehmen. Die Bank vor dem Bildstöckli wird weiterhin durch die Waldeigentümerin, die Ortsgemeinde Uznach, unterhalten.

Vereinspräsident Markus Steger konnte Ende September zur Einweihung des erneuerten Bildstöcklis eine grosse Besucherzahl begrüssen. Unter ihnen Pfarrer Michael Pfiffner, Abt Emmanuel Rutz von der nahegelegenen Abtei St. Otmarsberg, Delegationen des Ortsverwaltungsrates und des Katholischen Kirchenverwaltungsrates. Nachdem das neu erstellte Bildstöckli am 8. Oktober 1950 durch Dekan Jakob Stillhardt eingeweiht worden war, segnete Pfarrer Michael Pfiffner das vollständig erneuerte Kunstwerk erneut ein.

Historisches Vorbild

Alt Gemeindepräsident Ernst Dörig, Mitglied der Kolpingfamilie, schaute in die Zeit zurück, als das Bildstöckli erstellt worden war. Besonders interessant war, zu erfahren, dass ein Schüler des Bildhauers Albert Wider aus Widnau, der das grosse steinerne Friedhofkreuz in Uznach schuf, die erste Madonna-Skulptur aus dem Jahr 1950 angefertigt hatte. Inspiriert wurde der Schüler dabei von einer Madonna mit Kind, die im 15. Jahrhundert durch den berühmten Bildhauer Luca della Robbia aus Florenz geschaffen worden war. Auch Paul Widmer hat sich bei seiner neuesten Arbeit im Wesentlichen an das jahrhundertealte Vorbild gehalten.

Dank der erfolgten Erneuerungsarbeiten und vertraglicher Regelungen mit Kirch- und Ortsgemeinde besteht Gewähr, dass die Spaziergänger im unteren Buchwald und jene, die diesen Ort bewusst aufsuchen, auch in den kommenden Jahren besinnliche Minuten vor dem Bildstöckli verbringen können. In dieser Gewissheit genossen die Besucher der Einweihungsfeier den von der Kolpingfamilie offerierten Aperitif auf dem Vorplatz der Abtei St. Otmarsberg.

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