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Auf Trüffeljagd im Linthgebiet

Wer hätte das gedacht: Auch im Linthgebiet kann man Trüffel finden. Dazu braucht es aber die richtige Begleitung. Ein Trüffelhund und jemand, der sich auskennt, sind hilfreich. Dann kann die Suche losgehen.

Christine
Schibschid
Freitag, 05. Oktober 2018, 04:36 Uhr Geschmackvolle Knolle
Karl Hofmann und Hündin Hana suchen Trüffel

Fast 90 Prozent seiner Freizeit ist Karl Hofmann aus Kaltbrunn mit seinem Hund auf Trüffelsuche. Auch im Linthgebiet haben die beiden die Knollen schon entdeckt – etwa in Uznach, Benken, Kaltbrunn oder Eschenbach. Da er heute von einer Reporterin begleitet wird, peilt Hofmann aber lieber ein Waldstück bei Zürich an, das ihm besonders vielversprechend erscheint. Nahe an der Autobahn stoppt er das Auto. Der Hund im Kofferraum fängt nervös an zu jaulen.

Wer viel verlangt, muss erst geben

Hündin Hana ist ein Lagotto Romagnolo. Diese Rasse wird seit dem 19. Jahrhundert zur Trüffelsuche eingesetzt. Hofmann nennt seine Begleiterin liebevoll «Prinzessin». Bevor es losgeht, bekommt sie eine Stärkung, frisches Rindfleisch vom Metzger und etwas zu Trinken. Pures Wasser hat Hana nicht so gern. «Wir tun immer etwas Most, Futter oder Fruchtsaft hinein», sagt Hofmann. Er verlange viel von Hana, daher habe sie seine Wertschätzung verdient. Es sei wichtig, dass der Hund vor der Trüffelsuche viel Flüssigkeit zu sich nehme. «Sie wird gleich wie eine Sau schnüffeln, das trocknet aus.»

Über einen Kiesweg gelangen wir zu einem Waldstück. Wir bleiben auf dem Weg und klappern den Waldrand ab. Trüffel wachsen nicht im, sondern am Wald, erklärt Hofmann. Die nahe Autobahn ist gut zu hören. Hana läuft an der Leine. «Wenn sie den Kopf nach unten hält und schnuppert, müssen wir ihr Zeit geben», sagt ihr Besitzer. Wenn sie dann intensiv suche, lasse er sie laufen. Hofmann hat sich hier in der Umgebung schon «die Sohlen abgelaufen», wie er erzählt. Daher weiss der 57-Jährige, welche Stellen einen Abstecher wert sind. An der ersten gibt er schon nach wenigen Minuten auf. Hana hat nichts gewittert. «Das ist mein Alltag», sagt Hofmann, der neben dem Trüffelsuchen in Vollzeit als Projektmanager bei der Swisscom arbeitet. Wir steuern also die nächste Stelle an, die er für vielversprechend hält. «Eichen in Kombination mit Jungwuchs, etwa Waldmeister, sind ein gutes Zeichen», erklärt Hofmann. «Ich schaue, wo Trüffel sein können, dort lasse ich Hana dann suchen.»

Immer wieder läuft der Hund einen Kreis um uns herum und seine Leine verheddert sich zwischen unseren Beinen. Wir müssen darübersteigen, um uns zu entwirren. «Sie möchte, dass ihre Begleiter zusammenbleiben», erklärt Hofmann. Er holt ein Rehhorn aus der Hosentasche und lässt es über den Boden kreisen, um Hana zum Suchen zu motivieren. «Das habe ich immer dabei, um die Trüffel aus dem Boden zu holen.» Das Horn sei besser geeignet als ein Werkzeug aus Metall, damit könne er Hana nicht verletzten.

Die bleibt jedoch gleichgültig. Wir steuern daher eine weitere Stelle an. Unterwegs kommen wir an einigen Ziegen mit Glocken um den Hals vorbei. Hana läuft nun zwischen uns. «Vor Glocken hat sie Respekt», sagt Hofmann. Er ist inzwischen die dritte Saison mit Hana unterwegs. «Sie hat eine unglaubliche Energie und muss etwas tun.» Der Hund freut sich, dass er nun ein Bad in einem dreckigen Tümpel nehmen darf. Lagottos sind Wasserhunde. Sie wurden früher etwa bei der Entenjagd eingesetzt und eignen sich aufgrund der Eigenschaften ihres Fells gut für Arbeiten im und am Wasser.

Stress ist hilfreich

Auch die nächste Stelle, die wir abklappern, wirkt unspektakulär. Die Autobahn rauscht. Links des Weges liegt ein kleines Waldstück, rechts stehen ein paar Bäume, dahinter liegt eine Wiese. «Hier fahren ab und zu Traktoren entlang», sagt Hofmann. Die Vibrationen seien «Stress» für das Myzel des Trüffelpilzes und brächten es dazu, Sporen freizusetzen. Durch reife Sporen entstehe der Geschmack im Fruchtfleisch. «Am erfolgreichsten bin ich in der Nähe von Vitaparcours oder Kinderspielplätzen», so Hofmann.

Hana ist nun aufgeregt. Sie darf von der Leine, läuft los, schnuppert und fängt an zu graben. Hofmann eilt hinterher – wenn er nicht schnell genug zur Stelle ist, frisst der Hund den Trüffel auf. Kaum hat Hana den ersten Pilz ausgegraben, flitzt sie zur nächsten Stelle, steckt den Kopf regelrecht in den Boden und holt auch dort mit dem Maul einen Trüffel heraus. Hofmann nimmt ihn ihr schnell zwischen den Zähnen weg und freut sich wie ein Kind. Hana bekommt ein Stückchen Rindfleisch zur Belohnung. Sie scheint einverstanden mit dem Tausch.

Auch der Hund mag Trüffel

An insgesamt sieben Stellen buddelt Hana Knollen aus dem Boden. Es geht Schlag auf Schlag: Kaum ist ein Trüffel ausgegraben, flitzt sie zur nächsten Stelle und gräbt. Oft wird sie im steilen Hang neben dem Waldweg fündig. Hofmann springt ihr hinterher. Einmal ist er zu langsam: «Jetzt hat sie einen Trüffel gegessen.» Auf die Frage, ob Hana das nicht zwischendurch verdient habe, entgegnet er: «Ich habe eine klare Meinung dazu. Ein Lawinenhund isst die Verschütteten ja auch nicht auf.» Immerhin gebe Hana die grossen Knollen meistens her, da sie diese schlecht zerbeissen könne.

Hofmann und sein Hund sind ein paar Minuten völlig aus dem Häuschen und eilen von Stelle zu Stelle. Dann kehrt Ruhe ein. Hana hat offenbar alle Trüffel ausgegraben. Wir gehen zurück zum Auto. Im Gepäck: sieben Burgundertrüffel. Es handelt sich insgesamt  um etwa 80 Gramm, das Kilo kostet laut Hofmann rund 700 Franken.

Beim Auto gibt es zunächst etwas zu trinken für die «Prinzessin». Sie darf auch das restliche Rindfleisch fressen. Dann muss sie wieder in ihre Box im Kofferraum. Im lockigen Fell hängen Kletten und Blätter. «Ich werde sie abends eine Stunde kraulen und jede Klette und jeden Samen herausnehmen», sagt Hofmann.

Trüffel von der Plantage im Linthgebiet
Im Jahr 2014 erstellte das Team von Linth-Trüffel eine Trüffelplantage in Neuhaus. Die Idee hatte Karl Hofmann. Die Grundbesitzer Fabian und Herbert Lendi sowie Biologen der Uni Freiburg unterstützen ihn bei der Umsetzung. In den Boden wurde zunächst Kalkkies eingebracht. Dann wurden etwa 500 kleine Bäume wie Eichen und Haseln bestellt und gesetzt. Die Wurzeln dieser Pflanzen sind mit dem Trüffel-Myzel besetzt. «Es muss erst durch den Boden wachsen, bevor es Trüffel gibt», sagt Hofmann. Er denkt, dass die ersten Trüffel in etwa vier Jahren ausgegraben werden können. «Die Ungeduld ist natürlich riesig.» Sein Hund könne das Myzel schon riechen. Hofmann ist sich sicher: «Wir werden Trüffel haben.» Seinen Hund Hana hat er sich wegen seines Plantagenprojekts zugelegt. Im Jahr 2015 machte Hofmans Frau Monika in Kaltbrunn den ersten Trüffelfund mit Hana. Auch in Uznach, Benken und Eschenbach habe er schon Trüffel gefunden, sagt Hofmann.

Vortrag über Linth-Trüffel in Benken
Morgen Samstag, 6. Oktober, hält das Team von Linth-Trüffel einen öffentlichen Vortrag über seine Trüffelplantage im Linthgebiet. Die Veranstaltung beginnt um 17 Uhr im Gemeindehaus
in Benken. Interessierte erfahren dabei allerlei Wissenswertes über Trüffel, deren Zubereitung sowie auch deren Anbau. Anschliessend dürfen die leckeren «Knollenpilze» auch probiert werden. Organisator ist der Verein Bänggner Natur.

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