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Eine Brücke als Treffpunkt könnte die Stadtteile neu verbinden 

Eine Brücke als Treffpunkt könnte die Stadtteile neu verbinden 

Ein Stadtbogen, auf dem Fussgänger und Velofahrer die Rapperswiler Gleise queren: Eine Zukunftsvision des Architekturforums Obersee soll Stadt und Bevölkerung einen Denkanstoss geben. Ein Luftschloss?

Ramona
Nock
vor 3 Wochen in
News

Sie wünschen sich «eine attraktive und mutige Stadtentwicklung» – und zeigen gleich, wie eine solche aussehen könnte: Vorstandsmitglieder des Architekturforums Obersee (AFO), einer Vereinigung von rund 60 Architekten aus der Region, legen dem Stadtrat und der Bevölkerung eine Zukunftsvision für Rapperswil-Jona vor. In einer am Donnerstagabend verschickten Mitteilung präsentieren sie ihre Idee eines Stadtbogens: eine Brücke, die sich über die Bahngleise von Rapperswil zieht, gedacht für den Langsamverkehr. Hier könnten sich Fussgänger und Velofahrer treffen, begegnen und austauschen. Ein Blickfang zweifellos. Was steckt dahinter?

«Kein Verkehrsprojekt»

Die Vision «Stadtbogen» haben die Vorstandsmitglieder während der Lockdownzeit ins Leben gerufen, berichtet das Architektenkollektiv des AFO. Die Idee entstand, als physische Treffen und Öffentlichkeitsarbeit wegfielen. In dieser Zeit – und pünktlich zum 25-Jahr-Jubiläum des Forums – entwarf der Vorstand eine «städtebauliche Vision rund um die Vernetzung des Langsamverkehrs zwischen den Stadtteilen», wie es in der Mitteilung heisst. «Unsere Aufgabe ist es, den öffentlichen Raum erlebbar zu machen und zu fördern», heisst es seitens des AFO. Beim Stadtbogen handle es sich nicht um ein Verkehrsprojekt, auch wenn der Langsamverkehr davon profitieren würde. Das Augenmerk liege vielmehr auf der Stadtentwicklung. Den Stadtraum aufzuwerten, in dem sich die Bevölkerung bewegt, das hat sich das Forum auf die Fahne geschrieben. 

Getrennte Stadtquartiere

Im Zentrum stehe die Verbindung der Stadtquartiere über die Gleise, teilt das Forum mit. Das Bahntrassee, das sich vom See am Bahnhof Rapperswil bei der Firma Weidmann in Richtung Kempraten und Schmerikon verzweige, sei für das zusammenhängende Stadtgefüge eine grosse Hypothek. «Es wirkt wie eine Zäsur und trennt das Südquartier und den Oberseezugang von der Alt- und Neustadt Rapperswil», schreibt das AFO. Mit der zukünftigen Entwicklung der Freiflächen Lido und Knieparkplatz entstehe ein erhöhter Druck auf Langsamverkehrsverbindungen vom Bahnhof und der Altstadt hin zur Oberseestrasse. Die heutige Querung bei der Unterführung Bahnhof Rapperswil sei aus Sicht der Benutzer nicht zufriedenstellend. Das Velofahren in der Unterführung bilde ein Sicherheitsrisiko, während die bestehende Passerelle nur beschwerlich begehbar sei und keine Veloverbindung darstelle.

Kein reines Fantasiegebilde

Doch wie realistisch ist die brückenartige Konstruktion über der Gleisanlage? Könnte sie dereinst tatsächlich die Nord-Süd-Achse der Stadt stärken und via den angedachten Rampen und seitlichen Wendeltreppen von Velofahrern und Fussgängern genutzt werden? Einen mit Kletterpflanzen begrünten Treffpunkt darstellen, der zum Verweilen einlädt – «um die Aussicht auf Schloss, See und Berge zu geniessen», wie es die Architekten des AFO in ihrer Vision skizzieren? 

Das Ganze ist gemäss AFO als Denkanstoss für Stadt und Bevölkerung zu verstehen. Eine konkrete Machbarkeit wurde bislang nicht geprüft – doch ein reines Fantasiekonstrukt sei die Brücke nicht, lassen die Architekten durchblicken. Eine solche Vision in die Realität zu überführen, würde allerdings eine «riesengrosse Aufgabe» darstellen. Nicht zuletzt, weil Grundstücke der SBB tangiert sind. 

«Wir würden uns freuen, wenn unsere Vision als Idee aufgenommen würde und in den raumplanerischen Überlegungen der Stadt nicht vergessen ginge», teilt das AFO mit. Forderungen an den Stadtrat stelle man aber keine. Vielmehr sei der Wunsch, dass das Bild des s-förmigen Stadtbogens zwischen dem Bahnhof Rapperswil und dem Lido in den Köpfen der Bevölkerung hängen bleibe. 

«Stadt braucht Visionen»

Bauchef Christian Leutenegger spricht von einer «gelungenen Vision». Keinesfalls solle die Stadtbogen-Idee «in einer Schublade verstauben». «Wir müssen Visionen haben in unserer Stadt.» Das Bahnhofsareal Rapperswil sowie die Gleisquerung seien auch Thema im Agglomerationsprogramm fünfte Etappe. In diesem Sinne sei die AFO-Vision ein Steilpass für den Stadtrat. Irgendwann über eine solche Brücke flanieren zu können, sei eine schöne Vorstellung. 

 

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