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Messner: «Vielleicht hatte Steck etwas ganz anderes vor»

Der Tod von Bergsteiger Ueli Steck bewegt – nicht nur in der Schweiz. Radio Südostschweiz sprach mit Reinhold Messner über das Unglück. Der italienische Extrembergsteiger vermutet, dass Steck etwas Unglaubliches schaffen wollte.

Philipp
Wyss
02.05.17 - 19:46 Uhr
Ereignisse
Der Mount Everest, hinten der Mount Nuptse.
Der Mount Everest, hinten der Mount Nuptse.
KEYSTONE

Am Sonntag ist Ueli Steck in der Region des Mount Everest ums Leben gekommen. Der 40-jährige Berner Bergsteiger stürzte auf einer Erkundungstour am Nuptse 1000 Meter in die Tiefe.

Steck war am Mount Everest, um einen Rekord aufzustellen. Er wollte den höchsten Berg der Welt über die Route West Ridge/Hornbein Couloir und anschliessend den Lhotse innerhalb von zwei Tagen und ohne Sauerstoffflaschen bezwingen.

«Dachte nicht, dass Ueli Steck in den Bergen tödlich verunfallen könnte.»

Reinhold Messner, Extrembergsteiger

Reinhold Messner sprach auf Anfrage von Radio Südostschweiz von einem Schock, als er am Sonntag vom Tod von Ueli Steck erfuhr. «Ich habe nicht gedacht, dass Ueli Steck noch in den Bergen tödlich verunfallen könnte», so Messner. Vielmehr würden jüngere und unerfahrenere Alpinisten verunglücken «und ihr Leben nicht ins Tal retten».

Reinhold Messner.
Reinhold Messner.
ARCHIVBILD

«Alle, die den Alpinismus so bestimmt haben wie Ueli Steck in seiner Zeit, brauchen auch Glück. Auch ich hatte Glück», so Messner weiter.

«Teilweise dürfte Ueli Steck unter Druck gestanden haben.»

Reinhold Messner, Extrembergsteiger

Und dann äusserte Messner noch eine These: «Teilweise dürfte Ueli Steck unter Druck gestanden haben. Zuletzt habe ich ihn aber nicht mehr getroffen. Aber wir hatten schon sehr lange Diskussionen. Und wir hatten eine sehr ähnliche Vorstellung vom Bergsteigen.

«Diese Everest-Nuptse-Lhotse-Überschreibung hatte Ueli Steck aber nicht angekündigt. Sie ist sehr lang und sehr schwierig. Das ist seit 20 Jahren die Krönung aller grossen Projekte», so Messner. «Vielleicht war Ueli Steck sich gar nicht am Akklimatisieren am Everest, vielleicht hatte Ueli Steck sich zum Ziel gesetzt, eben diese unmögliche Tour zu schaffen. Das wurde schon versucht, aber ohne Chance.»

Ueli Stecks Leiche wird in die Klinik Kathmandu überführt.
Ueli Stecks Leiche wird in die Klinik Kathmandu überführt.
KEYSTONE

Laut Messner könnte es sein, dass Ueli Steck im richtigen Alter und mit sehr viel Training an das Unmögliche gedacht hat. «Aber das kann ich nicht bestätigen und Ueli Steck wird uns darauf keine Antwort mehr geben können», so Messner weiter.

«Der Nuptse ist der Beginn des grossen Hufeisens.»

Reinhold Messner, Extrembergsteiger

Ueli Steck hat die Everest-Lotse-Route angekündigt. Der Nuptse ist der Beginn des grossen Hufeisens, über den Lhotse auf den Everest.

Ueli Stecks Tod wird wieder die Diskussion anregen, ob das Ganze auch gut ist. Und diese Diskussion ist für den Bergsport gut. «Es sei uns unbenommen, unseren Sinn in eine so grosse Tour hineinzulegen.» Aber unseren Angehörigen gegenüber sei das, was Ueli Steck getan hat, nicht zu verantworten, so Messner.

Ueli Steck (1976–2017).
Ueli Steck (1976–2017).
KEYSTONE
Der 73-jährige Reinhold Messner ist einer der bekanntesten Bergsteiger der Welt. Er hat mit Peter Habeler 1978 als Erster den Gipfel des Mount Everest ohne Sauerstoffflaschen erreicht und stand als erster Mensch auf den Gipfeln aller 14 Achttausender. Ebenfalls als Erster hat er einen Achttausender im Alleingang bestiegen (Nanga Parbat) und war zwei Jahre später der erste Mensch, der den höchsten Gipfel der Welt ohne Sauerstoffflasche und im Alleingang erreichte. Zudem war er der Zweite, der 1986 die Seven Summits erreichte. Weiterhin durchquerte er die Antarktis, Grönland und die Wüste Gobi.

Philipp Wyss ist Wirtschaftsredaktor der gemeinsamen Redaktion der Zeitung «Südostschweiz» und der Internetseite «suedostschweiz.ch».

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