Messner: «Vielleicht hatte Steck etwas ganz anderes vor»
Der Tod von Bergsteiger Ueli Steck bewegt – nicht nur in der Schweiz. Radio Südostschweiz sprach mit Reinhold Messner über das Unglück. Der italienische Extrembergsteiger vermutet, dass Steck etwas Unglaubliches schaffen wollte.
Der Tod von Bergsteiger Ueli Steck bewegt – nicht nur in der Schweiz. Radio Südostschweiz sprach mit Reinhold Messner über das Unglück. Der italienische Extrembergsteiger vermutet, dass Steck etwas Unglaubliches schaffen wollte.
Am Sonntag ist Ueli Steck in der Region des Mount Everest ums Leben gekommen. Der 40-jährige Berner Bergsteiger stürzte auf einer Erkundungstour am Nuptse 1000 Meter in die Tiefe.
Steck war am Mount Everest, um einen Rekord aufzustellen. Er wollte den höchsten Berg der Welt über die Route West Ridge/Hornbein Couloir und anschliessend den Lhotse innerhalb von zwei Tagen und ohne Sauerstoffflaschen bezwingen.
«Dachte nicht, dass Ueli Steck in den Bergen tödlich verunfallen könnte.»
Reinhold Messner, Extrembergsteiger
Reinhold Messner sprach auf Anfrage von Radio Südostschweiz von einem Schock, als er am Sonntag vom Tod von Ueli Steck erfuhr. «Ich habe nicht gedacht, dass Ueli Steck noch in den Bergen tödlich verunfallen könnte», so Messner. Vielmehr würden jüngere und unerfahrenere Alpinisten verunglücken «und ihr Leben nicht ins Tal retten».
«Alle, die den Alpinismus so bestimmt haben wie Ueli Steck in seiner Zeit, brauchen auch Glück. Auch ich hatte Glück», so Messner weiter.
«Teilweise dürfte Ueli Steck unter Druck gestanden haben.»
Reinhold Messner, Extrembergsteiger
Und dann äusserte Messner noch eine These: «Teilweise dürfte Ueli Steck unter Druck gestanden haben. Zuletzt habe ich ihn aber nicht mehr getroffen. Aber wir hatten schon sehr lange Diskussionen. Und wir hatten eine sehr ähnliche Vorstellung vom Bergsteigen.
«Diese Everest-Nuptse-Lhotse-Überschreibung hatte Ueli Steck aber nicht angekündigt. Sie ist sehr lang und sehr schwierig. Das ist seit 20 Jahren die Krönung aller grossen Projekte», so Messner. «Vielleicht war Ueli Steck sich gar nicht am Akklimatisieren am Everest, vielleicht hatte Ueli Steck sich zum Ziel gesetzt, eben diese unmögliche Tour zu schaffen. Das wurde schon versucht, aber ohne Chance.»
Laut Messner könnte es sein, dass Ueli Steck im richtigen Alter und mit sehr viel Training an das Unmögliche gedacht hat. «Aber das kann ich nicht bestätigen und Ueli Steck wird uns darauf keine Antwort mehr geben können», so Messner weiter.
«Der Nuptse ist der Beginn des grossen Hufeisens.»
Reinhold Messner, Extrembergsteiger
Ueli Steck hat die Everest-Lotse-Route angekündigt. Der Nuptse ist der Beginn des grossen Hufeisens, über den Lhotse auf den Everest.
Ueli Stecks Tod wird wieder die Diskussion anregen, ob das Ganze auch gut ist. Und diese Diskussion ist für den Bergsport gut. «Es sei uns unbenommen, unseren Sinn in eine so grosse Tour hineinzulegen.» Aber unseren Angehörigen gegenüber sei das, was Ueli Steck getan hat, nicht zu verantworten, so Messner.
Philipp Wyss ist Wirtschaftsredaktor der gemeinsamen Redaktion der Zeitung «Südostschweiz» und der Internetseite «suedostschweiz.ch».
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