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Im Sernftal ist ein See versunken

Von Engi bis nach Matt hat sich nach der letzten Eiszeit ein See gebildet. Warum er wieder verschwunden ist.

Fridolin
Rast
15.12.19 - 04:30 Uhr
Leben & Freizeit
Nur noch eine Ahnung: Fast wie über einem See liegt ein Nebelhauch über dem Sernftal zwischen Engi Hinterdorf und Matt (links die Kirche).
Nur noch eine Ahnung: Fast wie über einem See liegt ein Nebelhauch über dem Sernftal zwischen Engi Hinterdorf und Matt (links die Kirche).
SASI SUBRAMANIAM

Wenn sich die Gletscher zurückziehen, dann lassen sie eine Moräne zurück, allenfalls auch einen Felsriegel, hinter dem der Gletscher das Tal tiefer ausgeschliffen hat. Und den Raum hinter dem Riegel nimmt nun ein See ein.

Was heute etwa im Griess oberhalb des Urnerbodens zu beobachten ist, das ist irgendwann auch in Engi passiert. Respektive etwa in dem Teil des Sernftals, wo Engi heute ist. Belege für diesen See hat eine Grundwasseruntersuchung im Sernftal zutage gefördert. Und über diese berichtet die kantonale Abteilung Umweltschutz und Energie im Dezember-Newsletter.

Tief unter dem Talboden

Schaut man sich den skizzierten Tal-Querschnitt an, so sieht man Hinweise auf einen See, dessen Grund etwa 40 Meter unter dem heutigen Niveau des Sernf gelegen haben muss. Aufgestaut wurde der See vom Felsriegel zwischen Schwanden und Engi, wie die Geologen Beat Rick und Lawrence Och im Bericht des geotechnischen Büros von Moos in Zürich erklären.

Den ersten Seegrund hat die Moräne des Sernfgletschers gebildet, wie der Glarner Geologe Mark Feldmann anhand des Talquerschnitts erklärt. Denn auf dieser Moräne hat der Ur-Sernf, dessen Ursprung am zurückgehenden Gletscher noch nahe lag, Bachschutt in den See hinein abgelagert. Und damit den See langsam aufgefüllt.

Später hat sich der Gletscher weiter zurückgezogen. Die Ablagerungen aus dieser Zeit bestehen zum Teil aus Seekreide, so Feldmann. Feinen Schwebestoffen, die aus Gletscherwasser die Gletschermilch machen.

Bergsturzmaterial, vom Gufelstock oder vom Gandstock her, scheint dann den See nochmals höher aufgestaut zu haben, so das Profil von Rick und Och. So hoch gestaut, dass der See vom heutigen Engi nach Süden bis gegen Matt reichte. Wie weit genau, ist unklar. Die Geologen haben in Bohrungen in Matt eine mächtige Moräne gefunden, und die Grenze zu den Seesedimenten ist nicht sichtbar.

Von den Bächen zugedeckt

Doch irgendwann war auch dieser aufgestaute See wieder gefüllt, mit sogenannten Verlandungssedimenten. Eine Mischung von Kies, Sand, Lehm, mitgerissenen Pflanzen und auch Holz, so Feldmann.

Noch später haben Gehängeschutt und Bachschutt, der in Engi vor allem vom Sernf und vom Mühlebach stammt, auch die entstandene Verlandungsebene unter sich begraben. So, dass man auch auf dem ebenen Boden im Hinterdorf den ehemaligen See nur noch erahnt.

Bestanden hat der See wohl irgendwann vor etwa 10 000 bis 11 000 Jahren. Als die letzte Eiszeit allmählich zu Ende ging, war das Sernftal noch länger vergletschert. Der Sernfgletscher vereinigte sich noch lange mit dem Linthgletscher. Und dieser stiess vor etwa 14 000 Jahren nochmals für wenige Hundert Jahre bis Netstal vor, wie Feldmann in seinem Buch «Ausflug in die Glarner Geologie» schreibt.

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Sehr interessant der Artikel vom See in meiner Heimat.(von Engi bis Matt)Ich habe schon einen Artikel geschrieben vom Gletscherschwund und den Sernifitfunde in der Linthebene und auch im Sernf. Habe auch Sernifit in meinem Garten welchen ich in meinem Heimatort Engi gesammelt habe. Ich habe auch die Frage gestellt, wieso es zur damaligen Zeit, also vor Millionen vor Jahren so einen Gletscherschwund gegeben habe.
Keine Antwort bis heute. Es gab ja damals noch keine Flugzeuge, Kehricht und Lastwagen. Kann mir jemand diesen Gletscherschwund von damals erklären ?

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