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Mobbing in der Jugend fördert glauben an Verschwörungstheorien

Wer als Jugendlicher das Vertrauen in die Welt verliert, wird später eher Verschwörungstheoretiker. Eine Zürcher Langzeitstudie zeigt, wie Mobbing den Weg dafür ebnen kann.

Agentur
sda
05.05.26 - 14:49 Uhr
Wirtschaft
Jugendliche, die gemobbt werden, glauben im Erwachsenenalter eher an Verschwörungstheorien. (Gestelltes Symbolbild)
Jugendliche, die gemobbt werden, glauben im Erwachsenenalter eher an Verschwörungstheorien. (Gestelltes Symbolbild)
KEYSTONE/ENNIO LEANZA

«Die Welt als gefährlichen Ort wahrzunehmen, voller bösartiger Pläne, in dem das 'Böse' mitunter mit Gewalt überwunden werden muss, ist kein Weltbild, mit dem man eines Morgens einfach aufwacht», erklärte Hanne Duindam, Professorin an der Universität Utrecht (NL), der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Als sich während der Corona-Pandemie Verschwörungstheorien rasant online verbreiteten, wollte die Forscherin wissen, woher dieses Weltbild kommt.

Antworten auf diese Fragen suchte sie in Daten aus Zürich: Das «Zürcher Projekt zur sozialen Entwicklung von der Kindheit ins Erwachsenenalter» (z-proso), begleitet seit 2004 rund 1500 junge Menschen aus der Stadt Zürich. Die Teilnehmenden wurden im Alter von sieben Jahren rekrutiert und seither in mehreren Wellen befragt, zuletzt im Alter von 24 Jahren. Die Studie ist an der Universität Zürich angesiedelt und wird massgeblich vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) finanziert.

Mobbing erschüttert Grundvertrauen

Mit diesen Daten konnte das Forschungsteam um Duindam zeigen, dass eine kleine Gruppe von Studienteilnehmenden, deren Vertrauen in der Jugend durch Mobbingerfahrungen, zunehmendes Misstrauen und stärkere emotionale Belastung stark erschüttert wurde, im Alter von 24 Jahren anfälliger für ausgeprägtes Verschwörungsdenken und gewalttätig-extremistische Einstellungen war. Diese Resultate wurden kürzlich in der Fachzeitschrift «Journal of Youth and Adolescence» veröffentlicht.

Beim Wiederaufstehen helfen

Die Resultate sind laut der Forscherin auch aus einer Anti-Stigmatisierungs-Perspektive bedeutsam: «Von aussen ist es leicht, bestimmte Überzeugungen als irrational oder 'verrückt' abzutun. Aber für Menschen, die durch bestimmte Erfahrungen und Gefühle geprägt wurden, können solche Überzeugungen innerhalb ihres eigenen Lebenslaufs durchaus Sinn ergeben», so Duindam. Diesen Kontext zu verstehen, sei entscheidend für wirksame Prävention und für eine gut funktionierende Gesellschaft.

Die Studie zeigte auch, dass sich eine kleine Gruppe von Jugendlichen mit früh erschüttertem Grundvertrauen im weiteren Verlauf deutlich erholte. «Neben der Frage, wer gefährdet ist, ist genauso aufschlussreich zu fragen: Was hilft beim 'Wiederaufstehen'?».

Das Forschungsteam empfiehlt Massnahmen, welche die Sicherheit und die psychische Gesundheit in Schulen und Familien fördern.

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