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Leonardo vollzieht Kauf des Helibauers Kopter in Mollis

«Kopter wird offiziell Teil von Leonardo Helicopters!» Mit diesem Titel begrüsst der Molliser Helibauer Kopter gerade seine Website-Besucher. Nun ist der Ende Januar angekündigte 180-Millionen-Deal vollzogen.

Fridolin
Rast
14.04.20 - 04:30 Uhr
Wirtschaft
An der Expo der Helicopter Association International stellt die Kopter Group AG ihr Modell SH09 aus.
An der Expo der Helicopter Association International stellt die Kopter Group AG ihr Modell SH09 aus.
PRESSEBILD

Der italienische Luftfahrtkonzern und Helibauer Leonardo zeigt sich «sehr erfreut zu bestätigen, dass nun der Helibauer Kopter vollständig Eigentum der italienischen Leonardo ist». Dies trotz der – wegen der Coronakrise – aktuell schwierigen Umstände und wie Ende Januar angekündigt.

Und: «Wir freuen uns, gemeinsam der Helikopter-Community bestmöglich zu dienen.» Leonardo hat den Vollzug des Kaufes per 8. April am gleichen Tag in Rom öffentlich gemacht. Innerhalb der Helikopter-Sparte von Leonardo werde Kopter als autonome Rechtspersönlichkeit und Kompetenzzentrum handeln und in Abstimmung mit Leonardo arbeiten, heisst es in der Medienmitteilung.

Zum Preis gibt es keine Neuigkeiten: Er bestehe aus einer Zahlung von 185 Millionen Dollar oder umgerechnet 180 Millionen Franken, ohne Übernahme von Schulden, plus einer vereinbarten Gewinnbeteiligung. Diese sei an gewisse Meilensteine geknüpft und beginne ab 2022. Gemeint sein dürften damit die Typen-Zertifizierungen der europäischen und amerikanischen Luftfahrtbehörden, ohne die eine Serienproduktion nicht möglich ist.

Standortfragen sind immer noch offen

Was das für die Standorte Mollis mit der bisher geplanten Serienproduktion und Wetzikon mit den Büros bedeutet, konnte Kopter-CEO Andreas Löwenstein noch nicht sagen. Man habe für Tausende Seiten Papier für den Vertragsabschluss «fast Tag und Nacht gearbeitet» und noch nicht über Fragen von operativer Natur wie die Standorte geredet. Er bekräftigt aber frühere Aussagen: «Wir wollen in der Schweiz bleiben und produzieren.»

«Bei Firmen, die noch keinen Umsatz erzielen, ist eine solche Transaktion nicht kartellrelevant.»

Christian Zehnder, Standortförderer beim Kanton Glarus, will sich «sehr dafür einsetzen, damit die Produktion wie geplant in Mollis aufgebaut wird». Er freue sich, die neuen Besitzer kennenzulernen, und werbe für die beiden Standorte Mollis und Wetzikon mit Unterstützung der Greater Zurich Area, zu der beide Orte gehören.

Keine kartellrechtlichen Hürden

Kartellrechtlich gibt es offenbar keine Hindernisse für den Kauf von Kopter durch Leonardo. «Wir haben die Frage eingehend geprüft», erklärt Löwenstein, mit dem Resultat: «Bei Firmen, die noch keinen Umsatz erzielen, ist eine solche Transaktion nicht kartellrelevant.» Obwohl man in etlichen Staaten aktiv ist, sei eine entsprechende Bewilligung in keiner der verschiedenen Rechtsordnungen gefordert.

Entwicklung läuft trotz Corona

Die Coronakrise habe sich bisher wenig auf die Arbeit ausgewirkt, erklärt Löwenstein. Kopter habe Glück gehabt, die Arbeit gehe praktisch normal weiter, bis auf die Flugversuche in Sizilien, die man habe einstellen müssen.

Kopter sei dank der Verbindungen zu Italien früh sensibilisiert gewesen und habe die Mitarbeiter aus der Testbasis in Pozzallo zurückholen können.

Bisher gebe es keine Zeitverluste, sagt Löwenstein darum, und die Coronakrise werde sich nur punktuell auswirken: «Ich bin optimistisch, dass wir die Entwicklungsziele innerhalb unseres Zeitplans erreichen.»

Es sei auch noch etwas früh, über Auswirkungen der Coronakrise auf den Heli-Markt zu spekulieren. «Wenn bald einmal ein Impfstoff oder eine Therapie verfügbar ist, könnten die Hindernisse relativ rasch verschwinden.» Je nach dem würden sich die ökonomischen Konsequenzen für die Kunden zeigen. Immerhin, so Löwenstein: «Bis heute wissen wir von keinen Kunden, die eine Bestellung stornieren möchten.»

Käuferin Leonardo wirbt in der Mitteilung, der Kauf von Kopter erlaube ihr, die weltweite Führungsposition im Helikoptersektor weiter zu stärken. Denn der von Grund auf neu entwickelte SH09 «kombiniert die neusten Technologien und Sicherheitsmerkmale.» Er biete exzellente Leistung zu erschwinglichen Preisen für verschiedene Anwendungen.

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