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In Liberias Hauptstadt rettet sauberes Wasser Leben

Verschmutztes Grundwasser, mangelnde Hygiene, Bakterien im Trinkwasser: Das sind einige der Probleme, mit denen die Menschen in Monrovia täglich zu kämpfen haben. Hier setzen die Projekte des Schmerkners Felix Walz und seiner Stiftung an.

Daniel
Graf
Samstag, 14. September 2019, 04:30 Uhr Schmerkner engagiert sich
Abfall, wohin das Auge reicht: So fliesst das Abwasser der Stadt ins Meer.
DANIEL GRAF

Der Schmerkner Felix Walz war Polizei-Grenadier, Privatpilot, hat als Einsatzleiter Razzien bei kriminellen Banden befehligt, war zuletzt Chef der Stabsabteilung der Flughafenpolizei Zürich mit rund 1500 Mitarbeitern. Er absolvierte eine Ausbildung bei amerikanischen Spezialeinheiten und nahm an Trainings und Konferenzen in Israel, England, Frankreich und China teil. 2013 wird er von der UNO als Polizeiberater nach Monrovia beordert.

Mit 60 beschliesst er, noch einmal etwas Neues zu wagen. Er wirkt in der Ausbildung des liberianischen Polizeikaders mit, arbeitet an UNO-Entwicklungshilfeprojekten – und er überprüft, ob die Gelder dort ankommen, wo sie vorgesehen sind. Mit einem russischen Militärhubschrauber macht er Überraschungsbesuche bei Polizeistationen im ganzen Land. Allzu oft wird er enttäuscht: «Geschönte Berichte, Korruption, unterschlagenes Geld. Mir wurde bald bewusst, dass diese Art der internationalen Entwicklungshilfe nicht zielführend ist», blickt er zurück.

Der Schmerkner Felix Walz engagiert sich in Liberia.

Sechs Jahre später. Den Hubschrauber hat Walz gegen einen rostigen blauen Nissan Primera eingetauscht, seine Uniform gegen Leinenhosen und ein blaues Hemd. Im Schritttempo kämpft er sich über den schlammigen, mit Schlaglöchern übersäten Weg durch die Slums von Monrovia, Liberias Hauptstadt. Sein Überraschungsbesuch erfolgt heute bei Hamn-son Gaye. Der 31-Jährige ist ein Mitarbeiter der ersten Stunde bei der von Walz 2016 ins Leben gerufene Bowier Trust Foundation Switzerland (BTFS), für die heute neun junge Frauen und Männer sowie ein Freiwilliger arbeiten (siehe Infokasten «Das BTFS-Team»).

Walz disktuiert mit dem 36-jährigen Hamn-son Gaye unter freiem Himmel.
DANIEL GRAF

Gaye lebt mit zehn Familienmitgliedern in einem einstöckigen Haus. Das Wellblechdach ist an vielen Stellen durchgerostet, in der Regenzeit bleibt kein Raum trocken. Die Reparatur würde 150 Dollar kosten, Geld, das Gaye nicht hat. Also sitzen Walz und er auf klapprigen Holzstühlen vor dem Haus.

Frustration, aber auch Stolz

Es ist Samstag, Walz‘ erster Tag in Monrovia nach Monaten in der Schweiz. Er löchert Gaye mit Fragen, will wissen, wie es dem Team und deren Familien geht, wie die Projekte vorankommen, welche Hürden zu überwinden sind, ob Gaye mit dem Lohn über die Runden kommt. Für viele Antworten muss Walz sich bis zum Meeting am Montagmorgen gedulden. Doch das Wichtigste erfährt er: Seinem Team geht es gut, alle erscheinen regelmässig zur Arbeit, die Projekte kommen voran – aber die Hürden sind zahlreich.

Dass die jungen Liberianer und Liberianerinnen bei BTFS heute grösstenteils selbstorganisiert arbeiten, ist keine Selbstverständlichkeit. «Liberia ist eines der ärmsten Länder der Welt, auf dem ‹Human Development Index› der Uno stand es 2017 auf Rang 181 von 189 untersuchten Ländern und Regionen», sagt Walz. Wer täglich ums Überleben kämpfe, bei dem stünden Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit nicht an erster Stelle. Das musste auch der Schmerkner erst lernen. Er blickt zurück auf den steinigen Weg, der hinter ihm und seinem Team liegt, spricht von der kaum vorhandenen Arbeitsmoral, von Mitarbeitern, von sexuellen Übergriffen. Von Versprechen vonseiten der Behörden, die nie eingehalten werden. Und auch von tief greifenden persönlichen Enttäuschungen. «Menschen, in die ich enorm viel Freizeit, Energie und auch Geld aus eigener Tasche investierte, in der Überzeugung, dass ihr Volk ihnen am Herzen liegt und sie sich für ein besseres Liberia einsetzen würden, hauten ab oder verprassten das Geld, sobald ich einmal nicht mehr hinschaute. Solche Erlebnisse schmerzen.»

«Die Polizei von Liberia könnte sich an meinem Team ein Beispiel nehmen.»

Felix Walz
Gründer des BTFS

Ein beispielhaftes Team

Frustration und Enttäuschung wechseln sich ab mit Stolz, Hoffnung und Zuversicht. Die düsteren Gedanken wischt der 66-Jährige stets mit einem herzhaften Lachen beiseite. Auf den Rückblick auf die schwierigen Zeiten folgt unausweichlich die Aussage, wie unglaublich stolz er auf sein Team sei – seine afrikanische Familie, wie er sie heute nennt.

Beim Meeting am Montagmorgen ist Walz' Team vollständig anwesend.
DANIEL GRAF

Montagmorgen, 10 Uhr: Das wöchentliche Meeting im BTFS-Büro steht an. Pastor Neuville von der «Immanuel Christ Academy» (ICA) ist gekommen, das Team ist vollzählig anwesend. Auch nach zwei Jahren sei das noch keine Selbstverständlichkeit, sagt Walz und lacht. Krankheiten der Kinder, Strassenabschnitte, die nach heftigen Regenfällen unter Wasser stehen, Nachbarn, die dringend Hilfe brauchen oder ein wütender Mob, der die Strassen blockiert – die Liste mit Gründen für Verspätungen ist lang. Der Raum wird von wuchtigen Ledersofas und einem Holztisch mit Plastikrosen eingenommen. An den Wänden hängen drei Flipcharts, darauf sind fein säuberlich To-Do-Listen und eine Agenda für das anstehende Meeting notiert. In einem silbernen Rahmen prangt gut sichtbar ein grosses Plakat mit der Vision, dem Auftrag und den Werten der Stiftung. Walz‘ strukturierte Denk- und Vorgehensweise ist hier deutlich erkennbar. «Die Polizei von Liberia könnte sich an meinem Team ein Beispiel nehmen», sagt er.

Felix Walz mit seinem Team von der Bowier Trust Foundation Switzerland (BTFS).
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Wie vor jedem Meeting wird zuerst gebetet. Nach der Vorstellung des Teams steht die Überprüfung der Stiftungsaktivitäten im August an. Einige Ziele wurden erreicht. Myrtle Bowier, die Namensgeberin der Stiftung, erstattet Bericht über ein kürzlich durchgeführtes «Wash Program». 38 junge Frauen aus den Slums nahmen am Workshop mit einer Krankenschwester teil (siehe «Nachgefragt» rechts).

Trinkwasser als wichtigstes Gut

Doch nicht alles klappt auf Anhieb. Auf dem Gelände der ICA steht das Pilotprojekt der BTFS: Ein Wassertrank mit eingebautem Filtersystem. Nach einem dreimonatigen Praktikum in der Schweiz kehrte der 23-jährige Layree A. Sannor, genannt Bob, mit einem Studenten der Hochschule für Technik Rapperswil (HSR) nach Monrovia zurück. Gemeinsam bauten sie die Anlage auf (Ausgabe vom 4. Mai). Heute profitieren rund 3000 Leute vom sauberen Wasser. Alle zwei Wochen überprüft Bob im Labor die Qualität und schickt die Resultate an die HSR, wo Michael Burkhardt, Leiter des Instituts für Umwelt- und Verfahrenstechnik, sie überprüft und Bob Rückmeldungen gibt. Bei einem Augenschein vor Ort stehen Dutzende grosse Kanister vor den Pumpen. Ein junger Mann füllt einen nach dem anderen mit dem «ICA-Wasser», andere tragen sie weg.

«In der Abmachung mit der ICA ist klar festgehalten, dass die Leute für eine Gallone sauberes Trinkwasser zehn Liberianische Dollar (LD) bezahlen müssen», führt Walz aus. Eine Gallone entspricht 3,8 Litern. Auf der Strasse werden täglich Tausende Plastiksäcke mit einem halben Liter Wasser für fünf LD verkauft. Bobs Analysen haben ergeben, dass das Wasser aus den Plastiksäcken gesundheitsgefährdende Bakterien enthält. «Die Idee ist, dass wir das saubere Trinkwasser sehr günstig verkaufen und mit dem Geld, das wir einnehmen, den Unterhalt der Filteranlage und Reparaturen bezahlen können.» Als Walz bei seinen Mitarbeitern nachfragt, sagen die, es werde schon Wasser verkauft. Wie viel, wann, zu welchen Preisen, an wen – und vor allem, wo das Geld bleibt –, weiss aber niemand so genau.

Solche Erkenntnisse können Walz längst nicht mehr schockieren: «Es ist grundsätzlich positiv, dass offenbar viele Leute bereits vom sauberen Trinkwasser wissen und dieses auch nutzen», lobt er sein Team. Die Kontrolle des Wasserverkaufs kommt neben vielen anderen Traktanden auf Walz‘ Liste.

Tödliches Grundwasser

Wie wichtig das saubere Wasser aus dem Filtersystem für die Bevölkerung ist, erklärt Bob bei einem Rundgang durch die Slums: «In der Trockenzeit liefern viele der Brunnen hier keinen Tropfen Wasser», erklärt der operative Leiter der BTFS. Ausserdem hätten seine Analysen ergeben, dass das Grundwasser, das mit Handpumpen gefördert wird, besorgniserregend viele Bakterien enthalte. «Für gesunde junge Menschen, mag das kein Problem sein. Doch für Babys oder ältere Menschen kann das vermeintlich saubere Grundwasser zur tödlichen Gefahr werden.»

Weshalb das Grundwasser von so schlechter Qualität ist, wird schnell offensichtlich: «Es gibt in weiten Teilen Monrovias keine funktionierende Entwässerung, geschweige denn eine Kanalisation», erklärt Bob. Abwassertanks existieren zwar vielerorts, Schmutzwasser und das Abwasser der Plumpsklos landen darin. «Doch in der Regenzeit werden diese Tanks regelmässig überflutet, ganze Viertel versinken dann knietief in dem Krankheitserregern verseuchten Wasser. Dieses gelangt so ungefiltert ins Grundwasser. Die Menschen trinken es, Insekten vermehren sich in den Tümpeln, und Krankheiten breiten sich aus.»

Die sanitären Bedingungen sind in Monrovia vielerorts prekär.
DANIEL GRAF

Die Hygienezustände sind generell prekär. Vielerorts liegt Abfall herum, grosse, schimmlige Tümpel versperren den Weg. Die Kinder, die dreckverschmiert in den engen, schmutzigen Gässchen zwischen den Lehm- und Wellblechhütten herumtollen, scheinen sich daran nicht zu stören. Kaum haben sie die Kamera erblickt, drängeln sie sich zusammen und werfen sich mit einem streunenden Hund in Pose.

Kinder werfen sich beim Anblick der Kamera mit einem streunenden Hund in Pose.
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Immer wieder bleibt Bob bei Brunnen stehen, die jetzt, in der Regenzeit, ausreichend Wasser führen. Er fragt die Menschen, ob sie das Wasser trinken und ob sie wüssten, dass bei der ICA sauberes Wasser zur Verfügung stehe. Oft erntet er verständnislose Blicke. Das Wasser aus den Brunnen sei doch auch sauber. «Es ist klar, wir trinken es jeden Tag», erklärt eine Frau. Als sie auf Bobs Nachfrage hinzufügt, dass ihr oft Durchfall und Bauchschmerzen sie plagten, erklärt er ihr den Zusammenhang. «Ich weiss, dass es bis zur ICA ein paar hundert Meter sind, aber bitte nehmt den Weg auf euch. Euch und euren Kindern zuliebe», bittet Bob die Frau.

 

Das BTFS-Team
Felix Walz ist die treibende Kraft hinter der Bowier Trust Foundation Switzerland. Er hat die Stiftung gegründet, die durch Spenden verschiedener Rotary-Clubs, finanzielle Beteiligungen von Privatpersonen und Sachspenden verschiedener Institutionen finanziert wird. Mit der operativen Leitung in Liberia ist Layree A. Sannor, genannt Bob, beauftragt. Er führt das Team, ist erster Ansprechpartner vor Ort und führt die Wasseranalysen durch. Unterstützt wird Bob von Maxwell «Max» Jones, dem Landesrepräsentanten und politischen Berater der Stiftung. Jones hat 23 Jahre in den USA gelebt und gearbeitet. Der 26-jährige Samuel G. Holt ist Bobs Stellvertreter und Leiter der Jugenddienste der Stiftung. Leitung und Koordination der verschiedenen Programme unterliegen Elijah Dunoh.
Myrtle Bowier ist die Leiterin des Frauen-Departements und die Namensgeberin der Stiftung. Gemeinsam mit ihrer Assistentin Wonda Alison kümmert sie sich um sämtliche Programme, welche die Bedürfnisse junger Frauen behandeln. Teilweise überschneiden sich die Angebote ihres Departements mit dem Fachbereich von Bernice Kromah, Leiterin des Bereichs Gesundheit und Hygiene.
Janet Bedell ist als Chefin der Arbeitsagenda des Teams für die Einhaltung von Terminen und Fristen verantwortlich, Hamnson Gaye amtet als Chef Logistik und Sekretariat, wobei er von Belinda Johnson unterstützt wird. Estella Sangar zu guter Letzt ist die gute Seele des Teams und als Hauswartin und Köchin für dessen Wohlergehen verantwortlich.» (dgr)

Nachgefragt

«Viele wurden nie darüber aufgeklärt, was Menstruation ist»

Die BTFS betreibt verschiedenste Aktivitäten in Liberia. So fand im August ein «Wash Program», ein Workshop für junge Frauen zur Körperhygiene, statt. Ein wichtiges Thema, wie Myrtle Bowier, die Namensgeberin der Stiftung und Leiterin der Abteilung «Frauen und Gesundheit», erklärt.

Myrtle Bowier klärt in Liberia Frauen über Körperhygiene auf.
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Myrtle Bowier, wie kam es zum «Wash Program»?
Myrtle Bowier: Mangelnde Sauberkeit und Körperhygiene sind ein grosses Problem in Liberia, speziell für junge Frauen. Viele wurden nie darüber aufgeklärt, was die Menstruation ist und weshalb sie zu bluten beginnen. Auch Verhütung ist vielen ein Fremdwort. Zusammen mit der weitverbreiteten Prostitution im Teenageralter führt das oft zu unerwünschten Schwangerschaften. Und Mädchen gehen nicht mehr in die Schule, weil sie aufgrund ihrer Menstruation verunsichert sind und sich schämen. Hier wollten wir mit unserem Programm ansetzen.

Wie lief der Workshop ab?
Die BTFS arbeitet mit der Carver Mission zusammen, einer christlichen Schule, die auch eine Klinik betreibt. Oretha Slogan, eine Pflegefachfrau der Carver-Mission, hat 38 Mädchen im Alter von 12 bis 18 Jahren über die Entwicklung des weiblichen Körpers in der Pubertät unterrichtet. Sie stellte den Mädchen auch Fragen, was zu einem Austausch über ihre jeweiligen Situationen führte. Einige trauten sich dabei, über ihre Periode und die damit verbundenen Unsicherheiten zu sprechen. Im zweiten Teil verteilte Slogan Damenbinden an die Mädchen und brachte ihnen bei, wie man sie benutzt und korrekt entsorgt. Auch hier konnten die jungen Frauen Fragen stellen, die ihre persönliche Situation betrafen.

Wie fällt das Fazit aus?
Nach dem Tagesprogramm haben wir zufällig fünf Mädchen zum Workshop befragt. Die wertvollste Rückmeldung erhielten wir von der 14-jährigen Blessing Saye, die mit ihrer Tante und zwei Schwestern zusammenlebt. Sie erzählte uns, dass sie in diesem Workshop zum ersten Mal in ihrem Leben etwas von Damenbinden gehört habe. Auf die Frage, was sie stattdessen benutzt habe, antwortete sie mit Tränen in den Augen, dass sie bisher alte Kleidungsstücke zerschnitten und als Ersatz für Binden oder Tampons verwendet habe. Saye ist in ihrem ganzen Leben nie zur Schule gegangen. Mädchen wie sie sind der Grund, weshalb solche Workshops wichtig sind und öfter durchgeführt werden sollten. So können wir den Mädchen helfen, eine bessere und selbstbestimmtere Zukunft zu haben. (dgr)

Kommentar

Eine Herausforderung

«Linth-Zeitung»-Autor Daniel Graf

von Daniel Graf

Alle Facetten eines Landes, in dem die Lebensbedingungen und die Kultur in einem so krassen Gegensatz zu dem stehen, was wir aus der Schweiz gewöhnt sind, in neun Tagen kennenzulernen, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Dank Felix Walz’ weitreichender Kontakte und der Akzeptanz, welche er in den Gebieten Monrovias, in welchen er tätig ist, geniesst, konnte ich in der kurzen Zeit trotzdem einen tief greifenden Eindruck in dieses von Armut, Korruption und den Nachwirkungen eines Bürgerkriegs gebeutelte Land gewinnen.
Dabei stellten sich mir mehrere Herausforderungen. Die Amtssprache ist Englisch. Das «Liberian English» ist aber ein mit unzähligen Lehnworten aus westafrikanischen Sprachen durchsetzter Slang und hat für ungeübte Ohren nur wenig mit dem Schulenglisch zu tun. Weil gerade auf der Strasse gerne alle auf einmal sprechen, war die Kommunikation nicht immer einfach.
Weiter herausfordernd war, mit der allumfassenden Armut umzugehen. Die Besuche in den Slums, der Anblick der unzähligen, teils unterernährten Kinder, von winzigen Schlafzimmern für eine ganze Familie, das Leben inmitten von Lärm, Abfall und Gestank und Dutzende Geschichten von Menschen, die jeden Tag ums Überleben kämpfen – all das stimmte mich nachdenklich und setzte mir zu. Insbesondere im Wissen darum, wofür wir unser Geld in der Schweiz ausgeben und was hier in Liberia mit geringen Mitteln erreicht werden könnte.
Erstaunt und positiv gestimmt haben mich der Optimismus und die Lebensfreude, die sich viele meist junge Liberianerinnen und Liberianer trotz allem nicht nehmen lassen. Allen Widrigkeiten zum Trotz wurde viel gelacht, die meisten Menschen waren zuvorkommend und hilfsbereit – etwa, als uns mitten im Verkehr ein Reifen platzte.
Einige Begegnungen haben mich ausserdem gelehrt, dass die Liberianer ein stolzes Volk sind. «Wir haben nur diese eine Heimat, und wir kämpfen jeden Tag für sie, ob mit oder ohne Hilfe», sagt etwa Dr. Yatta Wapoe, die Gesundheitschefin eines Bezirks in Liberia. Geschichten von Menschen wie ihr – Sie werden sie bald hier lesen können – stimmen mich trotz allem zuversichtlich für die Zukunft Liberias.

Inside Liberia
Während neun Tagen hat die «Linth-Zeitung» den 66-jährigen Schmerkner Felix Walz in Liberias Hauptstadt Monrovia begleitet. Nach jahrelanger Tätigkeit für die Uno und das Aussendepartement arbeitet er heute mit seiner Stiftung, der «Bowier Trust Foundation Switzerland», an sozialen Projekten in den Bereichen Bildung, Sicherheit und Gesundheit. Walz wohnt mit seiner Familie in Schmerikon und reist drei- bis viermal pro Jahr für mehrere Wochen in den westafrikanischen Staat.
In einer losen Folge berichtet die «Linth-Zeitung» über Eindrücke und Erlebnisse in einem der ärmsten Länder der Welt und stellt Personen vor, die sich allen Widerständen zum Trotz für die Entwicklung des Landes und die Zukunft der Menschen einsetzen. (dgr)

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Vielen herzlichen Dank für diesen überaus bereichernden und inspirierenden Artikel. Die Mischung aus Erfahrungsbericht, spannendem Interview mit einer Einzelperson und Kommentar des Journalisten ist wunderbar gelungen. Ich freue mich auf weitere interessante Beiträge, die einem ein so entferntes Land etwas näher bringen und einem auch wieder die Augen öffnen für die schrecklichen Umstände, die andernorts herrschen, leider jedoch offenbar nicht die Brisanz besitzen, dass darüber berichtet wird. Solche Dokumentationen lassen einem wieder vermehrt Dankbarkeit empfinden gegenüber dem eigenen Glück und Wohlstand. Danke!