Die Raumstation, in der keine Astronauten arbeiten
Im Co-Working-Ort Raumstation auf dem Möbeliareal in Glarus ist zwar niemand mit Astronautenanzug anzutreffen, dafür treffen hier unterschiedliche (Arbeits-)Welten aufeinander.
Im Co-Working-Ort Raumstation auf dem Möbeliareal in Glarus ist zwar niemand mit Astronautenanzug anzutreffen, dafür treffen hier unterschiedliche (Arbeits-)Welten aufeinander.
Tack, tack, tack! Ein nicht einzuordnendes Geräusch irritiert an diesem Nachmittag auf dem Möbeliareal in Glarus. Sind das etwa die Laute, die Ausserirdische von sich geben, wenn sie bedrohlich mit ihren Beisszangen klackern? Also vorsichtig weitergehen über das Areal, auf dem in türkisen Lettern auf mehreren Tafeln die «Raumstation» beworben wird.
Keine Aliens in der Station
Im zweiten Stock über dem Architekturbüro Aschmann Ruegge ist das seltsame Geräusch schon fast verstummt. Hier sitzt der Architekt Thomas Aschmann auf einem bequemen grauen Sofa und kann Licht ins Dunkel bringen: «Da wird gerade Stoff an Stühle in der Möbelfabrik nebenan getackert.» Behände kehrt er einen Stuhl um, der neben dem Sofa steht, um seine Worte zu illustrieren.
Sofa und Stuhl sind Teil der Raumstation, und die wiederum ist Co-Working-Ort. Hier kann sich einmieten, wer gerade einen Arbeitsplatz braucht – egal, ob für einen Tag oder für eine längere Zeit. Aschmann, der sich mit um die Vermietungen kümmert, kann nach einem Dreivierteljahr eine erste Bilanz ziehen: «Wir sind zwischen 60 und 70 Prozent ausgelastet. Manche Leute arbeiten hier nur tageweise und unregelmässig, andere sind temporär hier.» Die Visit Glarnerland AG hat hier sogar fix ihr Büro.
Viel Spielraum
Die relativ hohe Auslastung nach noch nicht einmal einem ganzen Jahr und ohne Werbung erstaunt nicht: Der helle, grosse Raum mit den hohen Decken und Sichtbeton ist stilvoll eingerichtet. Es gibt einzelne Arbeitsplätze, die teils mit Wänden und massiven Stellwänden, teils mit Vorhängen voneinander getrennt sind. Aber auch lange Tische und das bereits erwähnte Sofa stehen hier und laden zum Diskutieren ein.
Wem die Einrichtung so nicht gefällt, kann selbst Hand anlegen: «Die Möblierung seines Arbeitsplatzes kann man natürlich auch einfach umstellen, so wie es einem gefällt und zum Arbeiten am angenehmsten ist», so Aschmann. Bisher habe er gute Rückmeldungen von Raumbenutzerinnen und Benutzern bekommen. Die Atmosphäre sei angenehm und rege zu produktivem Arbeiten an. Die Lautstärke sei noch nie zum Problem geworden, selbst wenn sich einige der zehn Arbeitsplätze nur visuell, nicht aber akustisch abgrenzen lassen.
Es kommt zu neuen Begegnungen
Weil in der Raumstation Leute aus unterschiedlichen Berufen Büroplätze nutzen, kommt es auch zu neuen Begegnungen. «Dabei sind auch Synergien entstanden zwischen Leuten aus unterschiedlichen Arbeitswelten», erzählt Aschmann.
Da mit verschiedenen Jobs auch andere Bedürfnisse – etwa was die Arbeitszeit betrifft – bedient werden müssen, geht die Raumstation auf die Nutzer und Nutzerinnen des Co-Working-Ortes ein: «Ab einer Woche Platzmiete bekommt man einen Schlüssel und kann so theoretisch auch das ganze Wochenende durcharbeiten», erläutert Aschmann. Wer diesem Angebot tatsächlich nachkommen und trotzdem nicht riechen will, als ob er gerade nach von einer mehrwöchigen Allexpedition zurückkommt, hat die Möglichkeit, in der angrenzenden Nasszelle zu duschen und sich anschliessend in der Kochnische zu verpflegen.
Nach getaner Arbeit werden die Co-Working-Ort-Nutzenden durch einen Zettel an der Tür dann nur noch um eines gebeten: «Bitte beim Verlassen der Raumstation alle Fenster schliessen.» Und während man schmunzelnd die Treppe herunterläuft, leuchtet einem die grosse, runde Lampe im Gang entgegen – fast wie der Mond einem Astronauten.
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