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Bibliotheken werden mit zusätzlichen Gebühren konfrontiert

Spätestens ab 2021 sollen Bibliotheken eine neue Abgabe an die Urheberrechtsgesellschaft Pro Litteris zahlen. Werden die Kunden die Leidtragenden sein? Nicht alle Bibliotheken der Region können das ausschliessen.

Ramona
Nock
Dienstag, 26. Februar 2019, 13:49 Uhr Spätestens ab 2021
Schwieriges Kapitel: Eine Abgabe an Pro Litteris bedeutet künftig Mehrkosten für Bibliotheken.
Bild Archiv

Es ist eine Debatte, die schon länger brodelt im Bibliothekswesen: Und eine, in der das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. Der Zwist handelt davon, ob Autoren künftig an den Jahresbeiträgen der Bibliotheken mitverdienen sollen. Auf der einen Seite steht die Urheberrechtsgesellschaft Pro Litteris, auf der anderen die Bibliotheksverbände. Weil Pro Litteris kürzlich einen Teilsieg errungen hat, geraten Bibliotheken durch eine zusätzliche Abgabe an die Autoren in Bedrängnis (siehe Kasten).

Die Folgen bekommen auch Bibliotheken im Linthgebiet zu spüren. Sie sehen sich mit Mehrkosten konfrontiert, die sie für jedes gelöste Abo entrichten müssen. Spätestens ab 2021 soll die Regelung in Kraft sein.

Mehrere Tausend Franken

Wie viel die Mehrkosten betragen werden, dazu können noch nicht alle Verantwortlichen im Linthgebiet eine konkrete Zahl nennen. Eine erste Schätzung hat Rapperswil-Jona gemacht: Zwischen 5000 und 6000 Franken werde die Abgabe an Pro Litteris betragen, sagt der zuständige Stadtrat Thomas Rüegg. Die erwarteten Mehrkosten seien marginal, gemessen am Budget, mit dem die Stadt die Bibliothek jährlich finanziere, sagt Rüegg: Rund 1,5 Millionen Franken fliessen jährlich in die Stadtbibliothek. Aktuell hat sie 4500 aktive Benutzer und erwirtschaftet damit rund 130 000 Franken. «Mit Sicherheit denken wir nicht an eine Überwälzung der Gebühren an die Kunden», betont Rüegg. «Dies wäre unverhältnismässig, bezogen auf die Jahresgebühr von 55 Franken.» Für 2020 werde entsprechend etwas höher budgetiert.

Rund 40 000 Medien hat die Stadtbibliothek Rapperswil-Jona im Angebot, davon fällt ein Drittel in den Multimedia-Bereich (DVDs, CDs, Hörbücher). Hinzu kommt der digitale Bestand, der nochmals rund 30 000 Medien umfasst. Wichtig ist den Bibliotheksverantwortlichen das Bewusstsein, als Kunde etwas zu nutzen, das die Trägerschaft einer Bibliothek finanziere. Und dass mit den Gebühren nicht nur die Bücher, sondern die Bibliothek als kulturelle Institution unterstützt werde, als Ort der Begegnung, als Treffpunkt.

Seilziehen um Gelder

Dies betont auch Beatrice Lingg, Leiterin der Bibliothek Uznach. Mit rund 1700 aktiven Bibliotheksnutzern kommen jährlich etwa 40 000 Franken zusammen. Wie Gemeindepräsident Christian Holderegger sagt, möchte man die laufende Debatte im Auge behalten und notfalls im nächsten Jahr das Budget anpassen. Die Gemeinde zahlt aktuell jährlich 330 000 Franken an die Bibliothek.

Für die Bibliotheken sei das Seilziehen um Gelder schwierig, sagt Beatrice Lingg. Sie verstehe zwar die Sicht der Autoren, jedoch würden Bibliotheken ja Werbung für diese machen. «Und bei einer Anpassung des Urheberrechtsgesetzes würden die Bibliotheken in die Situation kommen, dass sie weitere Mittel nachfragen müssten.»

«Wir können leider nicht garantieren, dass das Jahresabo seinen jetzigen Preis behalten wird.»
Vreni Steiner, Leiterin Bibliothek Kaltbrunn

Nur dank zusätzlichen Angeboten wie Lesungen und Veranstaltungen in der Bibliothek seien die Ausleihzahlen in Uznach nicht rückläufig, sondern aktuell sogar zunehmend, sagt Lingg. «Eine Bibliothek muss mit dem Zeitgeist gehen, offen sein und sich als lebenswerten Ort präsentieren», fasst sie zusammen. Auch für Lingg ist klar: Leidtragende der Mehrkosten sollen auf keinen Fall die Kunden sein. «Die Bibliothek soll für jedermann zugänglich sein, unabhängig von sozialer Schicht oder vom Alter», sagt sie.

Höhere Preise als letzte Option

Nicht alle Bibliotheken der Region können ausschliessen, dass die Kunden wegen der Gebühren an Autoren künftig mehr für ihre Jahreskarte berappen müssen. «Wir können leider nicht garantieren, dass das Jahresabo seinen jetzigen Preis behalten wird»,bedauert Vreni Steiner, Leiterin der Bibliothek Kaltbrunn. Den Preis für das Jahresabo zu erhöhen, käme jedoch nur als letzte Option infrage, betont sie. Dreissig Franken kostet aktuell die Jahresmitgliedschaft für Erwachsene. Um wie viel der Preis ansteigen könnte, dazu wagt Steiner keine Prognose. Es sei aber nicht allein die Pro Litteris-Gebühr, die zu einer möglichen Preiserhöhung führen könnte. Die Bibliothek Kaltbrunn sehe sich in diversen Bereichen mit steigenden Kosten konfrontiert: etwa für die elektronische Datenverarbeitung, um nur ein Beispiel zu nennen.

Gemeindepräsident Markus Schwizer sagt, man werde das Budget für die Bibliothek nächstes Jahr allenfalls überdenken. Die Gemeinde unterstützt die Bibliothek im laufenden Jahr mit 50 000 Franken, hinzu kommt ein Beitrag der Schule Kaltbrunn.

Ohne Jahresgebühr keine Abgabe

Von den Abgaben an Pro Litteris befreit sind Bibliotheken, die ihre Medien kostenlos ausleihen und keine Jahresgebühren verlangen. Damit ist in der Region etwa die Bibliothek Weesen von der Debatte ausgenommen. Das Angebot sei für Einwohner der Gemeinden Amden und Weesen und alle Schulkinder der Gemeinde kostenlos, sagt Schulpräsident Andreas Mang. Die Bibliothek werde mit jährlich rund 34 000 Franken finanziert – die Kosten teilen sich die politischen Gemeinden Amden und Weesen, die Primar- und Oberstufenschule sowie die beiden Kirchgemeinden untereinander auf.

Streit um Gebühren an Autoren – letztes Wort könnte noch nicht gesprochen sein
Wer ein Buch in der Bibliothek ausleiht, zahlte bis anhin keine Gebühr, die dem Autor oder der Autorin zukommt. Dies, weil die Entrichtung der Jahresgebühr bislang als Leihgebühr und nicht als Miete ausgelegt war. Eine Definition, um die Bibliotheken und die Urheberrechtsgesellschaft Pro Litteris gestritten haben. Nun hat das eidgenössische Schiedsgericht zugunsten Pro Litteris entschieden. Bibliotheken müssen künftig auf Abokosten eine Gebühr entrichten. Wenn also jemand für 50 Franken ein Abo löst, muss die Bibliothek auf die Hälfte davon eine Vergütung von 9 Prozent an Pro Litteris leisten. Zur «Verleihgebühr» von Pro Litteris ist aber noch nicht das letzte Wort gesprochen. Der Dachverband der Bibliotheken prüft offenbar die Anfechtung des Urteils des Schiedsgerichtes vor Bundesgericht. Hoffnungen setzt der Verband auf die Unterstützung des Parlaments. Letzteres könnte in der Revision des Urheberrechts reagieren und das Urteil des eidgenössischen Schiedsgerichtes rückgängig machen. 

 

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