Zürcher wollen in Leuggelbach wieder für Leben sorgen
Zurlinden ist eine der ganz grossen Baugenossenschaften in Zürich. In Leuggelbach plant sie 27 Einfamilienhäuser. Gestern ist das Projekt vorgestellt worden.
Zurlinden ist eine der ganz grossen Baugenossenschaften in Zürich. In Leuggelbach plant sie 27 Einfamilienhäuser. Gestern ist das Projekt vorgestellt worden.
Ein schlimmeres Wetter hätten sich die Gemeinde Glarus Süd und die Baugenossenschaft Zurlinden nicht aussuchen können. Ausgerechnet Regen, Schneematsch und Kälte bildeten gestern den Rahmen für die Vorstellung eines Projekts, das Familien aus der Stadt für das Leben in Glarus Süd gewinnen will. Auf einem Teil des Geländes der ehemaligen Stoffdruckerei in Leuggelbach sollen Einfamilienhäuser entstehen. Heute rotten dort noch – wie das Wetter wenig einladend – alte Autos vor sich hin.
Das Projekt reife schon seit zwei Jahren, erklärte gestern Rolf Hefti, der Geschäftsführer der Genossenschaft. Wie man am Namen merkt, stammt er von Glarnern ab, und er besitzt in Leuggelbach ein Ferienhaus. Der Anlass für die Medienorientierung war jetzt die Unterzeichnung eines Baurechtsvertrags mit dem Bodenbesitzer. Die Autos sollen nun verschwinden.
Zweigeschossig in Holz
Visualisierungen der projektierten Häuser gibt es noch nicht, aber einen Plan des Geländes. In einer ersten Etappe sollen im Süden der Fabrik und bis zur Landstrasse hinauf 12 Häuser gebaut werden. Sie werden aus Holz sein und zwei Geschosse plus ein Dachgeschoss im Satteldach aufweisen. Die zweite Etappe nördlich der Fabrik umfasst weitere 15 Häuser. Hefti möchte schon im Frühling 2019 mit dem Bau anfangen. Für die je 51/2-Zimmer-Häuser wird ein Mietpreis von rund 1500 Franken pro Monat veranschlagt. Die Einwohnerzahl von Leuggelbach könnte sich fast verdoppeln.
«Ich glaube, dass es genügend Leute gibt, die wieder aus der Stadt hinaus aufs Land ziehen wollen», sagt Zurlinden-Geschäftsführer Rolf Hefti. Damit aber nicht noch mehr Pendler unterwegs sind, die vom Haus auf dem Land zur Arbeit in der Stadt fahren, will Hefti auch Arbeitsplätze schaffen. Die Baugenossenschaft Zurlinden bezeichnet sich selber als «die 2000-Watt-Genossenschaft» und hat sich der Energieeffizienz verschrieben. Im zentralen Teil der alten Leuggelbacher Fabrik entsteht also Raum für Gewerbe. Nebengebäude werden abgebrochen, aber der markante Hochkamin soll stehen bleiben.
Arbeiten von zu Hause aus
Ein erster Arbeitsplatz ist in Leuggelbach bereits entstanden. Der Präsident der Baugenossenschaft, Urs Frei, ist auch Inhaber der Firma Steko mit Sitz in St. Gallen. Sie stellt modulare Gebäudehüllen aus Holz her. «Wie grosse Lego-Klötze», sagt Frei. Ein Teil der Produktion wird nach Leuggelbach verlagert, die erste Maschine ist bereits da und mit ihr ein Arbeiter, fünf weitere sollen folgen. Heute wird in Estland produziert und in die ganze Welt geliefert. Auch die neuen Häuser auf dem Areal werden dann aus diesen Steko-Elementen gebaut.
Als zukünftige Mieter stellt sich Frei Menschen vor, die nicht jeden Tag ins Büro in die Stadt fahren müssen, sondern einen grossen Teil der Arbeit von zu Hause aus erledigen. Man werde das Projekt gezielt so bewerben und auch bei der Auswahl der Mieter auf dieses Kriterium achten, so Frei. Auf diese Art werden Pendlerfahrten vermieden, und es wird der Entwicklung zum Schlafdorf entgegengewirkt. Ebenfalls zur Belebung beitragen soll ein neues Lebensmittelgeschäft mit Café beim Fabrikweiher südlich des Bahnhofs. «In Leuggelbach fehlt ein Ort, wo man sich begegnen kann», sagt Geschäftsführer und Feriengast Rolf Hefti.
Umzonung vor die Gemeinde
Nach der Absicherung des Baurechts geht die Genossenschaft jetzt an die Detailplanung. Bevor im nächsten Jahr gebaut werden kann, muss aber noch umgezont werden. Ein Teil des Geländes ist in der Industriezone, ein anderer in der Landwirtschaftszone. Beide müssen der Wohn- und Arbeitszone zugeteilt werden. Gemeinderat Fridolin Luchsinger will mit diesem Geschäft im Herbst vor die Gemeindeversammlung von Glarus Süd gehen, wie er gestern erklärte.
Zurlinden-Präsident Urs Frei zeigt sich auf jeden Fall begeistert vom Standort. Glarus Süd biete «perfekte Rahmenbedingungen»: Bauland sei vorhanden, Industriebrachen würden sich für das Gewerbe anbieten, die Internetverbindungen seien dank Glasfaser sehr schnell. Und natürlich: «Die Lebensqualität, die Umwelt! Man kann an einem Ort arbeiten, wo andere Ferien machen.»
Daniel Fischli arbeitet als Redaktor bei den «Glarner Nachrichten». Er hat Philosophie und deutsche Sprache und Literatur studiert.
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Ich frage mich ?warum man…
Ich frage mich ?warum man mehrere Häuser baut im Glarner Hinterland,wo keine Arbeit vorhanden ist.Da in der übrigen Schweiz schon circa 65000 leere Wohnungen stehen.Der Kanton Glarus braucht Arbeitsplätze anstatt am Laufmeter Wohnungen die dann vielleicht wieder leer stehen werden, infolge der hohen Mietpreise.