Für seine Klienten geht er in den Spagat
Streitigkeiten sind eine unangenehme Sache. Noch schlimmer ist es, wenn sie vor Gericht ausgetragen werden. Der Anwalt und Mediator Philipp Langlotz will zeigen, dass sich Konflikte auch anders lösen lassen.
Streitigkeiten sind eine unangenehme Sache. Noch schlimmer ist es, wenn sie vor Gericht ausgetragen werden. Der Anwalt und Mediator Philipp Langlotz will zeigen, dass sich Konflikte auch anders lösen lassen.
von Olga Shostak
Gratis ist heutzutage kaum etwas. Und vor allem gerichtliche Auseinandersetzungen können sehr kostspielig sein. Der Anwalt und Mediator Philipp Langlotz will der Bevölkerung mit einem neuen Angebot die Möglichkeit bieten, sich über alternative Wege von Konfliktlösungen zu informieren.
Dazu zählen beispielsweise Familienrat, Coaching oder Organisationsentwicklung. Er will den Menschen zeigen, dass in vielen Fällen mehrere Lösungsansätze bestehen und dass der Gang vor Gericht nicht immer notwendig ist: «Ich mache das, weil mich Lösungen überzeugen, die durch eine offene Kommunikation entstehen. Wenn ich dazu beitragen kann, mache ich es gerne», sagt er.
Nicht vom Geldbeutel abhängig
Jeden letzten Mittwochnachmittag im Monat nimmt sich Langlotz zwei Stunden Zeit für kostenlose Auskünfte in seiner Kanzlei. Privatpersonen und Vertreter von Institutionen können ihm während 30 Minuten ihr Problem darlegen. Langlotz zeigt anschliessend auf, welcher Ansatz der Konfliktlösung für die jeweilige Person zielführend sein könnte: Die verschiedenen Ansätze sind vielfältig und reichen von der Mediation bis zur Sozialberatung.
Langlotz erklärt, weshalb seine Dienstleistung kostenlos ist: «Viele Menschen wissen oft nicht, wie sie eine Konfliktsituation angehen sollen und sind über Inputs dankbar. Mit diesem Angebot soll die Hemmschwelle gesenkt werden, um sich zu informieren.»
Es gehe darum, mit gezielten Fragen herauszufinden, worum es der Person gehe und was ihre Verantwortung im Konflikt sei. Und auch darum, einen nachhaltigen Weg, für eine Lösung zu finden sowie Chancen und Risiken der verschiedenen Optionen aufzuzeigen.
Dass er die Leute nach dem ersten Gespräch weitervermitteln müsse, sei nichts Besonderes. Das können Kollegen sein, die auf einem Gebiet spezialisiert seien, oder Ämter, sagt Langlotz.
Ein ergänzendes Angebot schaffen
Ob ein Bedürfnis nach der kostenlosen Auskunft und Mediation bestehe, weiss Langlotz noch nicht. Nach einem halben Jahr werde er entscheiden, ob er weitere Mediatoren ins Boot holen soll. Für den Bereich Recht gebe es bereits eine unentgeltliche Rechtsauskunft, welche einmal im Monat vom kantonalen Anwaltsverband angeboten werde.
Mit seinem Angebot möchte er ergänzend den Bereich der aussergerichtlichen Konfliktlösung abdecken.
«Für mich ist klar, dass es in vielen Fällen sinnvoll wäre, über einen alternativen Weg nachzudenken, bei welchem die zwischenmenschlichen Beziehungen im Vordergrund stehen.» Er sei als Anwalt immer wieder mit menschlichen Tragödien konfrontiert, vor allem bei Familien und in Unternehmen, erklärt Langlotz.
Vermitteln statt beraten
Zwischen seiner Arbeit als Anwalt und Mediator gibt es grosse Unterschiede. «Bei der Mediation bin ich lediglich ein Vermittler. Ich vertrete nicht die Interessen einer Person, sondern helfe allen Beteiligten, damit sie wieder vernünftig miteinander reden und selber nachhaltige Lösungen erarbeiten können.»
Jeder gelöste Konflikt stärke das Vertrauen der Menschen, um zukünftige Probleme gemeinsam anzugehen. Er erklärt an einem Beispiel: Wenn ein Arbeitgeber bei einem zerrütteten Verhältnis mit einem Angestellten auf einen Anwalt zukomme, stehe für den Anwalt in der Regel im Vordergrund, ob die rechtlichen Voraussetzungen für eine Kündigung gegeben seien. «Der Mediator richtet seinen Fokus hingegen auf die Klärung des Konflikts. Welche zentralen Anliegen der Beteiligten sind nicht erfüllt? Welche Ressourcen sind vorhanden?»
Manchmal führe der Weg auch über die Mediation zu einer Beendigung des Arbeitsverhältnisses. Es bleibe dann aber noch aufzuarbeiten, wie sich der Konflikt indirekt auf andere Mitarbeiter ausgewirkt habe. Oftmals sei es auch notwendig, organisatorische Massnahmen zu ergreifen, um von der ganzen Situation lernen zu können.
«In jeder erfolgreichen Mediation sagt mindestens ein Mal jemand, sie sei nicht zielführend.» Langlotz erlebe jedoch immer wieder, wie die Menschen ihre Ansichten schon nach kurzer Zeit hinterfragten und zu neuen Erkenntnissen kämen.
Gemäss ihm gibt es aber Fälle, die sich nicht für eine Mediation eignen: «Beispielsweise ist das Thema Obhut sehr heikel. Mit einem Elternteil zu diskutieren, der die Kinder als Teil von sich selbst sieht, ist schwierig.»
Doch sobald sich jemand für einen Lösungsversuch bereit erkläre, könnten Unerwartetes erreicht und Spannungen reduziert werden.
In zwei Welten tätig
Als Anwalt und Mediator muss Langlotz in seinem Alltag einen grossen Spagat zwischen den beiden Bereichen machen. Wichtig sei es für ihn daher, sich immer wieder zu vergewissern, welchen Hut er trage. Für Aussenstehende sei es oft irritierend, wenn er in seiner Anwaltsfunktion konsequent auftrete. Ihm sei bereits im Studium klar gewesen, dass er als Anwalt im Zweifel auch Ansichten von Klienten vertreten müsse, die er nicht teile.
«Als Inhaber meiner eigenen Kanzlei habe ich aber zu einem grossen Teil die Freiheit, Mandate nicht anzunehmen, wenn sie mit meinen Werten nicht vereinbar sind.» Langlotz habe sich vor Jahren in Bern auch als Mediator versucht, ohne gleichzeitig als Anwalt tätig zu sein. Die Rechnung sei jedoch nicht aufgegangen, da die Nachfrage zu klein gewesen sei.
Zu nachhaltigen Konfliktlösungen beizutragen, sei aber nach wie vor eine Leidenschaft von ihm. Deshalb freue er sich, wenn er Menschen mit seinem Angebot sinnvoll unterstützen und die Mediation stärker etablieren könne.
Kostenlose Auskünfte: Mittwoch, 31. Januar, 16 bis 18 Uhr. www.advokatur-langlotz.ch, Telefon 055 650 18 52
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