Immobilienverkauf mit Bieterverfahren
Kommuniziert der Verkäufer einer Liegenschaft seine Preisvorstellungen direkt und offen, kann es in Unkenntnis des genauen Marktwertes passieren, dass nicht der optimale Verkaufspreis erzielt wird. Beim Verkauf mittels des Bieterverfahrens kann ein Makler eine wichtige Rolle einnehmen.
Kommuniziert der Verkäufer einer Liegenschaft seine Preisvorstellungen direkt und offen, kann es in Unkenntnis des genauen Marktwertes passieren, dass nicht der optimale Verkaufspreis erzielt wird. Beim Verkauf mittels des Bieterverfahrens kann ein Makler eine wichtige Rolle einnehmen.
von Renato Faoro
Wer heute eine Immobilie verkaufen will, steht vor dem Problem, dass er sich nicht 100-prozentig im Klaren darüber ist, wie hoch der Marktwert seiner Immobilie ist. Setzt er einen zu hohen Preis an, so wird er keinen Käufer finden. Ist sein Angebotspreis zu gering, so ist die Immobilie meist rasch verkauft, allerdings nicht zum optimalen Preis.
Klassisches versus Bieterverfahren
Der klassische Verkauf von Immobilien durch Vermittlung von Maklern erfolgt in der Regel dadurch, dass mit Interessenten Einzelbesichtigungstermine vereinbart werden. Diese werden dann mit der Preisvorstellung des Verkäufers konfrontiert. Nach der Besichtigung zeigt sich, ob das Kaufinteresse bestehen bleibt oder nicht.
Das Bieterverfahren hingegen überlässt es dem Interessenten, ein Angebot zu unterbreiten. Um das Objekt vorzustellen und zu einem guten Verkaufsergebnis zu kommen, organisiert der Makler Besichtigungsveranstaltungen für alle Interessenten zum gleichen Zeitpunkt. Ähnlich wie bei einer Auktion werden am Ende Angebote entgegengenommen und notiert. Im Gegensatz zur Auktion, wo ein Notar das höchste Angebot und somit den Kaufvertrag beurkundet, ist die Annahme des besten Angebots durch den Makler/Verkäufer unverbindlich.
Ablauf des Verfahrens
Um eine Immobilie mittels Bieterverfahren zu verkaufen, gehen Makler in der Regel wie folgt vor: Eine zum Verkauf oder zur Vermietung stehende Immobilie wird zunächst beworben, wobei lediglich ein Mindestgebot ausgeschrieben wird. Hierbei muss ein Makler darauf achten, dass die Vorgehensweise «Bieterverfahren» ausdrücklich gekennzeichnet wird. Alle Interessenten erhalten auf Anfrage ein Exposé des Objektes sowie eine Einladung zu einem Besichtigungstermin.
Bis zu einem vorher avisierten Stichtag werden Angebote eingesammelt, die jedoch für Bieter oder Anbieter unverbindlich sind – eine Besonderheit, die eine klare Abgrenzung zu einer Auktion darstellt.
Anschliessend wird das aktuelle Höchstangebot allen Interessenten mit der Aufforderung,bei Interesse eine Nachbesserung vorzunehmen, mitgeteilt. Sobald der Auftraggeber ein Angebot akzeptiert, wird das Verfahren geschlossen.
Vor-/Nachteile des Bieterverfahrens
Die Vorteile des Bieterverfahrens müssen aus drei verschiedenen Perspektiven betrachtet werden. Dem Eigentümer (Verkäufer) ist eine schnelle Vermarktungsmethode garantiert. Es wird der zum Zeitpunkt des Bieterverfahrens maximale Marktpreis erzielt; es sind weniger Besichtigungen in der Immobilie zu ertragen, und es herrscht ein optimales Verhältnis zwischen Preis, Schnelligkeit und Bequemlichkeit.
Der Käufer einer Immobilie mindert dadurch die Angst vor der Entscheidung. Die sichtbare Konkurrenz durch andere Interessenten verschafft Sicherheit, sich für das richtige Objekt zu interessieren. Zudem hat man einen transparenten und angemessenen Preis bezahlt. Für den Makler ist ebenfalls die schnelle Vermarktung der grosse Vorteil. Da ein Eigentümer das Bieterverfahren nicht eigenständig durchführen sollte, hat der Makler eine wichtige Rolle zwischen Käufer- und Verkäuferinteressen.
Das Verfahren bietet aber auch Nachteile. Ein klarer Nachteil ist die Ungewissheit, ob genügend Interessenten dem Termin Folge leisten. Dies hat auch zur Folge, dass die Kosten der Vermarktung eher hoch sind. Fälschlicherweise steht das Bieterverfahren oftmals im Ruf, eine Vermarktungsmethode für Immobilien zu sein, bei denen konventionelle Methoden nicht zum gewünschten Erfolg geführt haben. Dies stimmt so aber nicht, denn das Bieterverfahren ist vielmehr eine elegante Methode, um eine Immobilie schnell und zum bestmöglichen Preis zu veräussern.
Fazit
Das Bieterverfahren bietet die Möglichkeit, eine Immobilie schnell und zum bestmöglichen Preis zu verkaufen. Es entstehen dabei keine weiteren Risiken für eine der Parteien, jedoch kann das Prozedere für Bietende einen gewissen unangenehmen Druck auslösen. Sollte das Bieterverfahren nicht zum gewünschten Ergebnis führen, kann es jederzeit wiederholt oder zur klassischen Vermarktung gewechselt werden. Professionelles Vorgehen und respektvoller Umgang mit allen involvierten Parteien ist gerade beim Bieterverfahren eine wichtige Voraussetzung.
Renato Faoro ist Immobilienmakler bei Remax und eidg. diplomierter Betriebswirtschafter HF.
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