Patrick Hofstetter: «Das wird eine Herkulesaufgabe»
Chinas Energie wird je länger desto erneuerbarer, in Paris kommt es zu einem Rekord-Abkommen, und mittendrin die Grossverbraucherin Schweiz: Patrick Hofstetter hat in Ziegelbrücke einen Einblick in die Klimaerwärmung gegeben.
Chinas Energie wird je länger desto erneuerbarer, in Paris kommt es zu einem Rekord-Abkommen, und mittendrin die Grossverbraucherin Schweiz: Patrick Hofstetter hat in Ziegelbrücke einen Einblick in die Klimaerwärmung gegeben.
Niemand bezahlt für das Beanspruchen der Atmosphäre. Das hat Patrick Hofstetter, Klimaexperte vom WWF Schweiz, an seinem Referat festgestellt, das er am Donnerstag an der Berufsschule in Ziegelbrücke hielt. Die Schweiz belaste die Umwelt stark und müsse daher globale Verantwortung übernehmen und als Vorbild agieren. Eine «Herkulesaufgabe», nennt der Experte den Kampf gegen die Klimaerwärmung – übersetzt: Die Schweiz soll für Treibhausgasemissionen von importierten Produkten, sprich «graue» Emissionen bezahlen, die CO2-Abgabe auf Treibstoffe ausdehnen und künftige Investitionen auf Klimatauglichkeit prüfen. Die bisher geplanten Massnahmen reichen bei weitem nicht, um das Klimaziel der Schweiz zu erreichen.
Eingeladen von der Energieallianz Linth, zeigt Doktor Patrick Hofstetter in seinem Vortrag auf, dass nicht alles nur «grau» ist: Die weltweiten CO2-Emissionen haben sich in den letzten zwei Jahren stabilisiert, vor allem dank China, das weg von Kohle- auf Solar- und Windenergie umsteigt.
Um die Höhe eines Kindergärtners
Diese Entwicklung zeigt sich auf der ganzen Welt. Die weniger «grüne» Nachricht: Die CO2-Konzentration in der Atmosphäre ist so hoch wie noch nie. Das durchschnittliche Klima in der Schweiz ist seit Messbeginn um 2 Grad Celsius angestiegen. Folglich schrumpfen die Gletscher, während anderswo der Meeresspiegel um die Höhe eines Kindergärtners anwächst.
«Die weltweiten CO2-Emissionen haben sich in den letzten zwei Jahren stabilisiert.»
Seit 1990 ist eigentlich klar, dass wir die Klimaerwärmung nicht weiter missachten dürfen, doch erst nach dem 11. Klimagipfel «Paris 2015» wurde diese Tatsache ernst genommen. Noch nie zuvor hatten alle Uno-Mitgliedstaaten ein Abkommen so schnell gutgeheissen. «Rekord-Abkommen» nennt es Hofstetter daher.
Trotzdem kann die Klimaerwärmung nicht mehr rückgängig gemacht werden. Bäume anzupflanzen, ist zu wenig effektiv, und um CO2-Gase aus der Atmosphäre zu entfernen, fehlen die nötige Technologie – und erst recht die Geldgeber.
Eine Woche Aufenthalt pro Flugstunde
Zu vielen komplexen Erklärungen stellt Hofstetter am Ende des Vortrags zehn einfache Lösungen für den Alltag vor: weniger Fleisch essen, mit Wärmepumpen heizen, nachhaltig investieren und klimafreundlich abstimmen gehören dazu. Die wirksamste von allen: Ferien in der Heimat machen. Schweizer steigen doppelt so häufig in ein Flugzeug wie die Nachbarn aus Europa. Als Klimaexperte ist auch Hofstetter öfters auf das Flugzeug angewiesen. Deshalb seine Vereinbarung mit sich selbst: Pro zurückgelegte Flugstunde eine Woche Aufenthalt im jeweiligen Land. Das habe nebst ökologischen auch kulturelle Vorteile, schmunzelt Hofstetter.
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