Die Armee baut sich um, das Glarnerland profitiert
Weiterentwicklung der Armee (Wea) heisst das Projekt, das in der Schweizer Armee fast keinen Stein auf dem anderen lässt. Unter anderem verschwinden viele Schiessplätze. Das Glarnerland kommt nicht nur glimpflich davon, sondern profitiert: In Wichlen sollen bald 40 Wochen im Jahr Truppen stationiert sein.
Weiterentwicklung der Armee (Wea) heisst das Projekt, das in der Schweizer Armee fast keinen Stein auf dem anderen lässt. Unter anderem verschwinden viele Schiessplätze. Das Glarnerland kommt nicht nur glimpflich davon, sondern profitiert: In Wichlen sollen bald 40 Wochen im Jahr Truppen stationiert sein.
Der 1. Januar 2018 markiert einen Wendepunkt: Ab diesem Datum sieht die Schweizer Armee völlig anders aus. Und zwar in allen möglichen Bereichen. Viele der Änderungen sind eine Rückbesinnung auf Althergebrachtes (siehe Infobox unten). Zum Beispiel wird die Mobilisierung wieder trainiert und künftige Kader müssen eine ganze Rekrutenschule (RS) absolvieren, bevor sie zum Vorgesetzten ausgebildet werden.
Andere Punkte sind den neuen Entwicklungen geschuldet: Die Armee wird auf 100 000 Mann verkleinert, das Budget pro Jahr beträgt 5 Milliarden Franken.
Weniger Personal heisst auch, dass es weniger Plätze braucht, auf denen es ausgebildet werden kann. In der Planungsphase der Wea gab es darum ein hartes Ringen um die Existenz von Schiessplätzen. Das Glarnerland ist bei diesem Ringen gut davongekommen: Wichlen gilt in Armeekreisen als Kleinod und ist auch für die Wea fix als wichtiger Platz eingeplant. Während an anderen Orten die Armee künftig also nicht mehr vor Ort sein wird, sieht es zuhinterst im Kleintal anders aus. Stabsadjutant Jan Zürcher ist Chef des Ausbildungsmoduls Wichlen. Er sagt: «Das Glarnerland kann der Wea gelassen entgegenblicken.»
Die Infanterie kommt dazu
Und nicht nur das. «Mit der Wea werden nicht weniger Truppen im Glarnerland stationiert werden. Im Gegenteil: Wir streben eine maximale Auslastung des Schiessplatzes und somit der Belegung generell an», sagt Jan Zürcher.
Bisher waren die Panzertruppen ein verlässlicher Wert als Gäste: Einen wesentlichen Teil der RS bestreiten sie an Standorten im Kanton Glarus. Dazu gehören nicht nur der Schiessplatz Wichlen, sondern auch die Unterkünfte. Basiert ein Verband auf dem Schiessplatz Wichlen, wird die Truppe in der Regel im Truppenlager Elm und in der Kaserne Matt untergebracht. Weil ein solcher Verband aber mehr Platz braucht, sind auch in Mitlödi, Glarus und Mollis Unterkünfte besetzt.
Mit der Wea gibt es nur noch zwei RS-Starts pro Jahr, bis anhin waren es drei. Kompensiert werden die wegfallenden Wochen mit anderen Truppen, die ebenfalls im Glarnerland üben wollen. «Neben den Panzer-Schulen kommen auch die Infanterie-Rekrutenschulen und diverse Bataillone der Panzertruppen und Infanterie ins Glarnerland», erklärt Jan Zürcher.
Investitionen als Ja zu werten
Im Jahr 2018 wird der Schiessplatz über 30 Wochen belegt sein. «Wir streben aber mittelfristig eine Belegung von bis zu 40 Wochen an», so Zürcher.
Damit die Einheiten kommen, brauche es aber auch Investitionen. «Der Platz wird gut unterhalten und auch technisch regelmässig auf den neusten Stand gebracht», sagt Zürcher. Und genau diese Investitionen seien als deutliches Ja der Armee zum Standort zu verstehen.
Das freue auch die Milizionäre, die kommen. Ihr Feedback zum Glarnerland als Standort sei meist hervorragend. Nicht nur der Schiessplatz, sondern auch die Unterkünfte müssen den Vergleich mit anderen Standorten nicht scheuen.
Das sind die Kernpunkte der Weiterentwicklung
Als Rahmenbedingungen für die Weiterentwicklung der Armee (Wea) nennt das VBS als Erstes den Erhalt des Milizprinzips und der Wehrpflicht. Der Sollbestand der neuen Armee beträgt noch 100 000 Personen. Finanziell stehen der Armee fünf Milliarden Franken pro Jahr zur Verfügung. Die Armee nennt vier Kernpunkte, die mit der Wea geändert werden:
Höhere Bereitschaft: Neu sollen Truppen wieder aus dem Stand aufgeboten werden können. Dazu werden einzelne Verbände als Milizformationen mit hoher Bereitschaft gekennzeichnet. Zudem wird das Mobilmachungssystem wieder für die gesamte Armee eingeführt.
Vollständige Ausrüstung: Die Armee wird kleiner, soll dafür aber vollständig ausgerüstet werden. Insbesondere geht es dabei um die Ausrüstung zur Unterstützung der zivilen Behörden. Für Milizformationen mit hoher Bereitschaft wird in den Logistikzentren reserviertes Material gelagert.
Regionale Verankerung: Aus der bisherigen Territorialregionen werden Territorialdivisionen. Diese bilden wie bisher das Bindeglied zwischen Armee und den Kantonen. Neu werden den Divisionen aber mehr Verbände unterstellt. Neu verfügt jede Territorialdivision über ein Stabsbatallion, vier Infanteriebataillone und je ein Genie- und Rettungsbataillon.
Effektivere Kaderausbildung: Zukünftige Kader absolvieren wieder eine ganze RS vor der Kaderschule. Der letzte Grad wird in einer ganzen RS abverdient. Die RS dauert nur noch 18 Wochen.
Sebastian Dürst ist Redaktionsleiter der «Glarner Nachrichten». Er ist in Glarus geboren und aufgewachsen. Nach Lehr- und Wanderjahren mit Stationen in Fribourg, Adelboden und Basel arbeitet er seit 2015 wieder in der Heimat. Er hat Religionswissenschaft und Geschichte studiert.
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