Ohne Bilett reisen
Wer in der Ostschweiz mit dem öffentlichen Verkehr reist, muss jetzt kein Billett mehr lösen – ein Smartphone reicht. Die neue Ticket-App «Fairtiq» gibt es ab heute im Tarifverbund Ostwind. Doch das Ticketsystem hat einen markanten Nachteil.
Wer in der Ostschweiz mit dem öffentlichen Verkehr reist, muss jetzt kein Billett mehr lösen – ein Smartphone reicht. Die neue Ticket-App «Fairtiq» gibt es ab heute im Tarifverbund Ostwind. Doch das Ticketsystem hat einen markanten Nachteil.
Einsteigen, App wischen und fahren, wohin und soweit man will. Bezahlen kann der Kunde die Fahrt via hinterlegter Kreditkarte oder Mobilfunkrechnung. So funktioniert kurz und knapp die neue Ticket-App «Fairtiq» im Tarifverbund Ostwind. «Mit ‘Fairtiq’ verkaufen wir ab heute, 1. Juni, die einfachste Fahrkarte der Schweiz», betonten die Ostwind-Anbieter gestern in St. Gallen vor den Medien. Mit der neuen Ticket-App zahlen die Kunden nur noch jene Strecke, die sie genutzt haben. «Sie können spontan reisen und bekommen immer den besten Preis», sagte Ernst Boos, Geschäftsführer der Regionalbahn Thurbo.
Was sehr kundenfreundlich tönt, hat allerdings einen grossen Haken: Kunden mit «Fairtiq»-Ticket, die das Gebiet des Tarifverbunds Ostwind ohne zusätzliches Billett verlassen, gelten vorläufig als Schwarzfahrer.
SBB noch in Testphase
Denn die SBB, als grösste Anbieterin im öffentlichen Verkehr, ist nicht an «Fairtiq» beteiligt. «Wir realisieren zusammen mit BLS und Postauto ein eigenes System zur automatischen Reiseerfassung», teilte Reto Schärli, Mediensprecher der SBB, auf Anfrage mit. Die BLS betreibt den Regionalverkehr in Bern und Luzern. Die Testphase sei vor zwei Wochen gestartet worden, so Schärli weiter.
Langfristig werde sich aus Kunden- und Marktsicht nur ein national umsetzbares Gesamtkonzept durchsetzen, glaubt Schärli. Die nötigen Arbeiten seien gemeinsam mit der ÖV-Branche aufgesetzt. Die Voraussetzungen für das System der Zukunft seien gemeinsame Standards, für die mit dem Swisspass die Grundlage geschaffen worden sei.
Ausweitung geplant
Die fünf Ostschweizer Bahn- und Busunternehmen (Thurbo, Appenzeller Bahnen, Bus Ostschweiz, VBSG und Regiobus sowie der Verkehrsbetrieb Liechtensteinmobil) wollten indes nicht auf die SBB warten. Sie haben deshalb bei der Firma «Fairtiq» eine Applikation für das gemeinsame Tarifgebiet Ostwind eingekauft. Wie viel die App gekostet hat, wollten die Verantwortlichen nicht kommunizieren.
In naher Zukunft soll die App auch funktionieren, wenn ein Kunde über das Ostwind-Tarifgebiet hinaus fährt. In einem nächsten Schritt wollen die Anbieter des Tarifverbunds verbundübergreifende Ticket-Käufe möglich machen. Als erstes wird dies bei der Rhätischen Bahn möglich, die Anfang Juli eine eigene Ticket-App einführen wird.
Die «Fairtiq»-App gibt es seit einem Jahr auch in den Regionen Bern, Luzern, Freiburg und im Engadin. Bisher seien 250 000 Billette über die App gekauft worden, sagte Gian-Mattia Schucan, Geschäftsführer von Fairtiq.
Im Tarifverbund Ostwind, dem flächenmässig grössten Tarifverbund, gebe es ein Potenzial von 6 Millionen Tickets pro Jahr. «Vorerst werden aber nur wenige Kunden das neue Ticket-System nutzen», so Schucan. Das Ticket sei vor allem für gelegentliche ÖV-Nutzer gedacht.
Daten werden gelöscht
Die App «Fairtiq» funktioniert über das Mobilfunk-Netz. Nutzer müssen die Ortungsfunktion eingestellt haben. Die Kosten werden nach der Fahrt aufgelistet und abgerechnet. Probleme mit dem Datenschutz soll es laut den Ostschweizer Bahn- und Busbetreibern nicht geben. «Die personenbezogenen Daten werden nur für die Abrechnung verwendet und nach einem Jahr gelöscht», sagte Schucan.
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