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Lena Häcki: «Ich glaube fest an unser Team»

Lena Häcki: «Ich glaube fest an unser Team»

Lena Häcki tritt in dieser Woche in ihrer zweiten Heimat Ruhpolding an. Die Biathletin erzählt vom Druck, die Resultate bestätigen zu müssen, den speziellen Gesetzen in der Staffel und Olympia.

Agentur
sda
14.01.22 - 10:00 Uhr
Wintersport
Mit der bisherigen Saison zufrieden, auch wenn es noch Luft nach oben gibt: Biathletin Lena Häcki
Mit der bisherigen Saison zufrieden, auch wenn es noch Luft nach oben gibt: Biathletin Lena Häcki
KEYSTONE/EPA/ANTONIO BAT

Eigentlich wäre im sonst beschaulichen Ruhpolding in dieser Woche die Hölle los. «Normalerweise ist es ein ruhiges Dörfchen», bestätigt Lena Häcki lachend. «Aber wenn hier Biathlon stattfindet, läuft ganz schön was.»

Die 26-jährige Engelbergerin muss es wissen. Die Gemeinde im bayrischen Chiemgau ist seit ein paar Jahren ihre zweite Heimat. Klar, dass sie es da besonders gut machen will. Der Auftakt in den zweitletzten Weltcup vor den Olympischen Spielen gelang am Dienstag mit einem 38. Rang im Sprint allerdings nur mässig.

Dafür gibt es jedoch eine Erklärung. Letzte Woche litt Häcki unter einer Erkältung. Sie musste das Training vorübergehend reduzieren und verpasste die ersten Rennen nach dem Jahreswechsel in Oberhof. Der Aufstieg der Schweizer Biathletinnen in die Weltspitze wurde zuletzt ziemlich gebremst. In der vorletzten Saison begeisterten sie vor allem in der Staffel mit erfrischenden Auftritten und drei Podestplätzen. Auch als Einzelläuferin stürmte Häcki in Le Grand-Bornand als Dritte erstmals aufs Treppchen.

Die eigenen Gesetze der Staffel

Die hohen Erwartungen werden in der Folge auch zur Belastung. In der letzten und in dieser Saison kam die Staffel nie über den 8. Platz hinaus. «Man sagt ja, dass Staffeln ihre eigenen Gesetze haben», sucht Häcki nach einer Erklärung. «In dem einen Winter haben alle zusammen unheimlich gut gearbeitet. Danach haben wir uns aber zu stark Druck gemacht.» Die Obwaldnerin glaubt aber fest daran, dass «wir diese Ziele, die wir schon einmal erreicht haben, wieder erreichen werden.»

In dieser Saison fand bisher nur Häcki einigermassen zur gewünschten Form. «Mit dem Dezember bin ich definitiv zufrieden», versichert sie. «Ich hatte einen schönen Aufwärtstrend und bereits einen Top-Ten-Platz. Das ist immer das Ziel.» Neunte und Vierzehnte war sie in Östersund, daneben verpasste sie weitere Spitzenränge zum Teil nur knapp. «Dass ich Oberhof auslassen musste, tat etwas weh, aber ich vertraue darauf, dass es gut kommt.»

Gute Erinnerungen an Olympia

Es bringe ja auch nicht viel, wenn man schon im Dezember topfit sei. Die Form soll in einem Monat in Peking da sein. Vor vier Jahren in Pyeongchang zeigten die Schweizer mit sieben Top-Ten-Plätzen (in elf Rennen), dass sie den punktgenauen Aufbau hinkriegen können. Häcki selber belegte in der Verfolgung den 8. Rang. «Man kann das nie exakt miteinander vergleichen», ist sich die Innerschweizerin bewusst. «Aber es gibt auf jeden Fall ein gutes Gefühl.»

Die Umstände in Zhangjiakou, gut 200 km nördlich von Peking, werden speziell sein. Stimmung wird so wenig aufkommen wie diese Woche in Ruhpolding - oder auch vor vier Jahren im Biathlon-Entwicklungsland Südkorea. Umso wichtiger wird die Einstellung der Sportler sein. «Wer am Offensten für die ungewissen Situationen ist und sich am schnellsten anpasst, wird meiner Meinung nach die besten Resultate haben», glaubt Häcki. «Wir werden sehr viel mehr Wartezeiten haben, Sachen, die nicht so ablaufen, wie man es gedacht hat. Wir müssen es nehmen, wie es ist.»

Sportler ohne Einfluss

Das gilt auch für die Tatsache, dass China als Austragungsland ebenso umstritten ist wie die Durchführung inmitten wieder rapide steigender Corona-Fallzahlen. Häcki weist auf die Konsequenzen einer Verschiebung hin. «Als Sportler haben wir genau auf diesen Moment hingearbeitet, seit vier Jahren.» Aus dem gleichen Grund ist ein Boykott für sie keine valable Option. «Die Situation in China ist sicher nicht gut, aber wir Sportler haben ja keinen Einfluss, ob und wo die Spiele stattfinden. Es gibt sicher zwei Seiten der Medaille, aber der Sport ist mein Job und mein Lebensinhalt.»

Mehr Stimmung versprechen dann die Olympischen Spiele in vier Jahren, wenn im Südtiroler Biathlon-Mekka Antholz gelaufen und geschossen wird. Dann will auch Lena Häcki nochmals dabei sein - am liebsten mit ihrem Verlobten, dem deutschen Biathleten Marco Gross, wegen dem Ruhpolding zu einer zweiten Heimat und Trainingsbasis geworden ist.

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