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«Dario ist heiss auf eine Medaille»

Reto Geissberger war erster Trainer von Dario Cologna. Heute ist der Unterengadiner Colognas erster Fan.

Johannes
Kaufmann
02.03.19 - 04:30 Uhr
Schneesport
«Dario ist heiss auf eine Medaille»
Reto Geissberger präsentiert sein Markenzeichen, die umfunktionierte Fischerrute.
OLIVIA ITEM

Noch vor der WM-Eröffnung ist Reto Geissberger nach Seefeld gereist. Ehrensache für den in Wernetshausen bei Hinwil im Zürcher Oberland wohnhaften 59-Jährigen, der einen weiteren Grund für seine frühzeitige Anreise nennt. Seit einem Jahr geniesse er seinen Ruhestand, erklärt der Grenzwächter ausser Dienst mit einem Lachen im Gesicht. Er wäre ohnehin im Tirol, das ist klar. Geissberger ist der mutmasslich grösste Anhänger von Dario Cologna. Dokumentiert wird dies durch die Ehrenmitgliedschaft im Dario-Cologna-Fanclub. Beim Herzensprojekt der Supporter-Vereinigung an der WM in Seefeld war der Unterengadiner sofort Feuer- und Flamme. Dank den Kontakten von Corsin Parolini ist die Vereinigung erstmals mit einem Fanzelt an einer Weltmeisterschaft präsent. Geissberger packt gerne mit an beim Unterhalt des kleinen, aber beliebten Treffpunkts vieler Langlauffans leicht abseits des Wettkampfgeschehens.

Freude am Langlauf vermittelt

Der frühere Hobby-Langläufer Geissberger ist mehr als nur ein leidenschaftlicher Cologna-Supporter. Er darf sich als erster Trainer eine kleine Scheibe am Werdegang des vierfachen Langlauf-Olympiasiegers aus dem Münstertaler abschneiden. «Dario», sinniert Geissberger, «hätte als polysportiver Athlet auch in einer anderer Sparte Erfolge gefeiert.» Es war mit ein Verdienst des damaligen Jugend- und Sportleiters im Münstertal, das sich der vor allem dem Fussball zugeneigten Cologna auf die schmalen Latten wagte. «Reto Geissberger brachte uns Knaben den Langlaufsport auf spielerische Art und Weise näher. Wir hatten viel Spass und merkten nicht, was für ein harter Sport dies ist», erinnerte sich Cologna einst an seine Ursprünge im Langlauf.

Geissberger erinnert sich derweil an enorm schnelle Fortschritte des talentierten Quereinsteigers, der mit 13 Jahren zum Langläufer wurde. Trotz technischer Mängel habe das Naturtalent den ersten Wettkampf auf Rang 5 beendet. Allzu hoch will der bescheidene Jugend-Trainer seinen Beitrag zum Cologna-Aufstieg indes nicht hängen. Nach einem Jahr gab Geissberger seine Tätigkeit als Nachwuchsförderer im Münstertal aus persönlichen Gründen auf. Als wichtigster Cologna-Förderer gilt der Norweger Odd Kare Sivertsen, unter dessen Fittichen Cologna während seiner Schulzeit im Hochalpinen Institut in Ftan die Basis für seine Karriere vermittelt bekam.

Seit 2011 ist Geissberger Dauergast an Weltmeisterschaften. Als Höhepunkt nennt er die Ausgabe 2013 in Val di Fiemme. Damals räumte Cologna im Zenit seiner Schaffenskraft Gold im Skiathlon und Silber über 50 Kilometer ab. Fast ebenso gerne erinnert sich Geissberger indes an die – für seinen Schützling medaillenlose und deprimierende – WM 2011 in Oslo zurück. «Die Stimmung im Wald am Holmenkollen war unbeschreiblich. Mit unseren Treicheln wurden wir von den Norwegern sehr herzlich behandelt», sagt Geissberger mit einem Leuchten in den Augen. Er ist nicht bloss Cologna-Fan, sondern auch Langlauf-Anhänger an und für sich. Weltmeisterschaften mutieren zur Kontaktbörse. «Hier trifft man bekannte Gesichter wieder und tauscht sich aus. Das ist toll.» Geissbergers «Fan-Verhalten» taugt auch als Fingerzeig an die Sport-Funktionäre. Der WM-Dauergast mied sowohl die Olympischen Spiele 2014 in Sotschi als auch diejenigen von Pyeongchang 2018. Zu hohe Kosten, zu wenig Sportsgeist, zu wenige Langlauf-Enthusiasten an der Loipe. Lieber nutzt er da seine neu gewonnene Freizeit und stellt sich als Helfer bei Sportveranstaltungen wie dem IBU Cup der Biathleten in Lantsch/Lenz zur Verfügung.

Die Fischerrute immer dabei

Das Markenzeichen des «Edelfans» ist dessen Fischerrute mit einer Bündner- und Schweizer Fahne. Oft ist er via TV am Streckenrand zu erkennen. Der Kontakt zu Cologna ist lose. «Er freut sich, wenn er mich an der Strecke oder im Zielgelände entdeckt», weiss Geissberger. Am Mittwoch, Stunden, vor dem Wettkampf über 15 Kilometer habe es eine spontane Begegnung auf der Loipe gegeben. «Dario hat dabei als Er1ster mich und nicht umgekehrt ich ihn erkannt», sagt Geissberger erfreut. Bleibt die Frage, was dem Olympiasieger in Seefeld noch zuzutrauen ist. Die Antwort überrascht nicht. Selbstverständlich geht Kenner Geissberger von einem tollen Finish am Sonntag über 50 Kilometer aus. Dario sei nach den harten Wettkämpfen im Tirol buchstäblich warmgelaufen. «Jetzt ist er heiss auf eine Medaille», sagt Geissberger bestimmt.

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