Zwei müssen es besser machen, zwei so gut wie bisher
Zweimal über den Erwartungen, zweimal unter den Erwartungen. Das ist das Fazit des bisherigen Saisonverlaufs der Mitglieder des Schweizer Quartetts für die Mixed-Staffel.
Zweimal über den Erwartungen, zweimal unter den Erwartungen. Das ist das Fazit des bisherigen Saisonverlaufs der Mitglieder des Schweizer Quartetts für die Mixed-Staffel.
Mit diesem Rennen wird am Mittwoch (14.30 Uhr) die Biathlon-WM in Lenzerheide eröffnet.
Ausgerechnet Amy Baserga und Niklas Hartweg, die im Sommertraining wegen Verletzungen Kompromisse eingehen mussten, überzeugen diesen Winter mit starken Leistungen. Lena Häcki-Gross und Sebastian Stalder hingegen, die noch im Herbst von einer idealen Vorbereitung schwärmten, liefern nicht wie gewünscht. «Das ist Spitzensport. Mit der Einschätzung liegt nie jemand zu 100 Prozent richtig, auch wir vom Staff nicht», kommentiert die Cheftrainerin Sandra Flunger die Leistungskurven ihrer vier Trumpfkarten.
Doch die Österreichern mag nicht mehr drei, sondern nur noch einen Monat zurückblicken. «Wenn wir die Resultate des Januars wiederholen können, dann können wir mit der Heim-WM zufrieden sein», definiert sie die Zielsetzung für die zwei wichtigsten Wettkampfwochen des Jahres. «Für mehr braucht es die Mithilfe der grossen Nationen. Wir zählen zu den Ländern, die anstehen, um in diesem Fall etwas Grosses zu schaffen.»
Kommt die Laufform doch noch?
Tatsächlich zeigten die Schweizer Sorgenkinder im vergangenen Monat eine Aufwärtstendenz. Lena Häcki-Gross erinnerte zumindest im Langlauf an bessere Zeiten. «Ich spüre, dass die Form immer besser wird. Das beruhigt», betont die Siegerin von zwei Weltcuprennen im vergangenen Winter. Die 29-Jährige hatte den Formaufbau bewusst etwas nach hinten verschoben. Mehr als Platz 21 im Zwischenklassement des Weltcups hätte sich die 29-Jährige aber doch erhofft.
Ratlos hingegen wirkt der Top-Schütze Sebastian Stalder. Der Zürcher Oberländer kommt nicht vom Fleck. «Ich weiss nicht, wieso es im Langlauf nicht klappt», sagt er. «Das wird dann wohl erst die grosse Analyse nach der Saison zeigen.» Vielleicht habe er nach einer leichten Corona-Erkrankung etwas zu früh wieder Wettkämpfe bestritten. Der 27-Jährige macht jedenfalls aus seiner Enttäuschung keinen Hehl. «Immerhin ist jetzt der Druck weg. Ich gehe mit null Erwartungen an den Start».
Im Hoch
Amy Baserga und Niklas Hartweg hingegen sind im Hoch. Die Nachwirkungen der Verletzungen liessen sich mit anderen Trainingsformen kompensieren und hinterlassen nun auf dem Wettkampf-Blatt kaum Spuren. Beide waren durch einen Trainingsunfall mit dem Velo zurückgeworfen worden: Bei der Schwyzerin wurde am Handgelenk operiert, beim Schwyzer an der Schulter.
Die Frau aus Einsiedeln wurde insbesondere beim Schiesstraining eingeschränkt. Gleichwohl fallen die Scheiben. Vor einem Monat im Einzel in Ruhpolding blieb sie mit 20 Treffern makellos und stand als Dritte erstmals in einem Individualwettkampf auf dem Weltcup-Podest. «Ich habe einen sehr guten Januar hinter mir», schwärmt sie und erwähnt ihre Konstanz mit fünf Top-14-Klassierungen in den vergangenen fünf Wettkämpfen. «Meine Ausgangslage ist nicht schlecht.»
Noch ein Spur euphorischer wirkt Hartweg: «Meine Form ist extrem gut. Ich hoffe, sie bleibt. Und wenn noch ein paar Scheiben mehr fallen, dann ist extrem viel möglich.» Der 24-Jährige will alle sieben Rennen laufen und hat auch das Gefühl, dass er überall die Chance auf einen Exploit hat. Im Scheibenstand ist er seit jeher treffsicher, «und von meiner Laufform bin ich positiv überrascht».
Patzt Frankreich, Norwegen oder Schweden?
Amy Baserga wird für die Schweiz eröffnen, Hartweg soll die tolle Vorarbeit als Schlussläufer in das bestmögliche Resultat ummünzen. Vor einem Jahr an der WM in Nove Mesto hatte der Schweiz nach einer Top-Leistung nur 1,2 Sekunden zu Bronze gefehlt. Die grossen drei (Frankreich, Norwegen, Schweden) liessen nicht mehr zu.
Am Mittwoch werden die Weltbesten am Start stehen - nicht wie im Weltcup, wo sich die Asse ab und an schonen. Doch genau in diesem Umstand sieht Amy Baserga eine Chance: «Wenn die Besten gegen die Besten laufen, gibt es im Schiessstand mehr Fehler, weil der Druck höher ist.»
Doch darauf hofft nicht nur die Schweiz, sondern auch Deutschland, Italien, Österreich oder andere mehr. Lena Häcki-Gross und Stalder müssen es besser machen als bisher in diesem Winter, Amy Baserga und Hartweg so gut wie bisher. Dann liegt nach den Plätzen 10 (2021), 8 (2022), 7 (2023) und 4 (2024) eine weitere Steigerung drin.