Endet das Warten auf die erste Schweizer WM-Medaille?
Die erste Schweizer Medaille an Biathlon-Weltmeisterschaften ist nach 67 Jahren überfällig. Der erlösende Exploit würde der Heim-WM in Lenzerheide die Krone aufsetzen.
Die erste Schweizer Medaille an Biathlon-Weltmeisterschaften ist nach 67 Jahren überfällig. Der erlösende Exploit würde der Heim-WM in Lenzerheide die Krone aufsetzen.
An Olympischen Spielen hat es schon einmal geklappt, im Weltcup mehr als zwei Dutzend Mal, und auch an Weltmeisterschaften wäre diese Scharte ausgewetzt, hätte im vergangenen Jahr in Nove Mesto in der Mixed-Staffel die Differenz von 1,2 Sekunden nicht gegen die Schweiz entschieden. Aber eben: Auf dem Resultatblatt gibt es keinen Konjunktiv.
Im Biathlon zählt primär die eigene Leistung: Treffsicher schiessen und schnell laufen. Und doch ist der Überraschungs-Faktor grösser als in den meisten anderen Sportarten. Das Klassement nimmt nach jedem Schiessen neue Konturen an. Und gerade bei schwierigen Bedingungen mit wechselnden Winden braucht es ab und an ein Quäntchen Glück, damit die Scheibe fällt. Die Fehler der Besten eröffnen dem erweiterten Kreis der Podestanwärterinnen und -anwärter oft die Möglichkeit zum Coup.
Aus dieser Perspektive betrachtet ist das Schweizer Team für die Heim-WM gut, aber nicht sehr gut aufgestellt. Zwölf Gelegenheiten bieten sich: Sprint, Verfolgung, Einzel, Massenstart sowie Mixed-Staffel, Single-Mixed und Frauen- und Männerstaffel. Für die Schweizer Asse mit Amy Baserga, Lena Häcki-Gross oder Niklas Hartweg liegen maximal sieben Rennen drin. Wer was laufen wird, ist noch nicht entschieden.
Baserga und Hartweg in der Leaderrolle
In der Schweizer Equipe hat der Wind im Vergleich zur vergangenen Saison gedreht. Vor einem Jahr war Lena Häcki-Gross nach einem Weltcupsieg und zwei weiteren Podestplätzen die klare Nummer 1 gewesen, und bei den Männern meldete Sebastian Stalder mit vier Top-Ten-Klassierungen bis zur WM Ambitionen an, um den Bann zu brechen. Ausgerechnet dieses Duo blieb diesen Winter bislang unter den Erwartungen.
Beim Langlauf kamen die beiden nicht richtig vom Fleck. Insbesondere die Obwaldnerin, die vor Jahresfrist in der Spur regelmässig Top-Ten-Zeiten aufstellte, enttäuschte. Mit Blick auf die WM war der Formaufbau bewusst etwas nach hinten geschoben worden, und zuletzt in Antholz sah es wieder vielversprechender aus. Nun wird sich weisen, ob dies ein Strohfeuer war oder ob die Wende doch noch geschafft wurde. Im Weltcup-Zwischenklassement ist Lena Häcki-Gross als 21. unter Wert klassiert.
Die Nummer 1 bei den Frauen gehört Amy Baserga. Mitte Januar stand die Frau aus Einsiedeln in Ruhpolding als Dritte auf dem Podest, danach überzeugte sie in Antholz mit einem 8. und einem 7. Rang. Die Equipe der Männer wird von Hartweg angeführt. Der Schwyzer lief zuletzt konstant in die Top Ten. Sowohl Baserga als auch Hartweg haben nach einer schwierigen Saisonvorbereitung und fehlenden Einheiten im Sommertraining den Tritt gefunden.
Für die beiden Gasparin-Schwestern Aita und Elisa findet die WM vor der Haustür statt. Sie könnten dem Schweizer Team mit einer starken Leistung in der Staffel zur Medaille verhelfen. Bei den Männern zeigt der bereits 28-jährige Berner Joscha Burkhalter seine bislang beste Saison. Jeremy Finello gleicht einer Wundertüte. Er ist der klar schlechteste Schütze im Schweizer Team, aber der beste Langläufer. Was liegt drin, sollte er wider Erwarten mal alle Scheiben treffen?
Zweite Woche hat mehr Medaillenpotenzial
In der Theorie sind die Chancen auf eine Schweizer Medaille in der zweiten Woche grösser. Zum einen steht dann die schiesslastige Disziplin Einzel an. Ein Fehlschuss wird mit einer Minute Zuschlag auf die Laufzeit kompensiert. Wer also 20 mal trifft, ist schon in einer sehr guten Ausgangslage. Zudem wird vor dem abschliessenden Wochenende mit Frauen- und Männer-Staffel und den beiden Massenstart-Rennen am Donnerstag noch die Single-Mixed-Staffel ausgetragen. Der eine Topläufer oder die andere Spitzenathletin dürfte sich schonen, was die Chancen des Schweizer Duos erhöht.