«Hätte nicht für möglich gehalten, dass das überhaupt möglich ist»
Am Mittwoch in Biel anlässlich des Medientags von Swiss Ice Hockey konnten sich endlich jene äussern, die letzte Woche zuerst und aus erster Hand von der Affäre Patrick Fischer erfuhren: Die Nationalspieler.
Dabei wurde offensichtlich: Die Nationalspieler diskutierten den «Fall Fischer» genauso kontrovers wie die Öffentlichkeit - «und es gibt genau so viele unterschiedliche Meinungen wie unter den Fans», wie es Sven Andrighetto zusammenfasste.
Wer wo genau steht, sagten die wenigsten. Gaëtan Haas machte da die Ausnahme. Der Center des EHC Biel meinte, dass er Vertrauen in die Schweizer Medien verloren habe. «Ich bin enttäuscht, dass die Schweizer Medien eine solche Story derart aufbauschten», so Haas.
NHL-Spieler waren in Diskussionen einbezogen
Einige Spieler erzählten, wie sie die letzte Woche in der Slowakei erlebt haben. Hochmotiviert und voller Freude seien sie letzte Woche am Dienstag in die Slowakei gereist, so Leonardo Genoni. «Als die Affäre ins Rollen kam, haben wir Spieler viel diskutiert miteinander und untereinander. Mich erstaunte die Dynamik der Affäre - das hätte ich so nicht erwartet.» Aber Genoni sagte zu Fischers Zertifikat-Schwindel auch: «Ich hätte es nicht für möglich gehalten, dass das überhaupt möglich ist (mit einem gefälschten Zertifikat nach China einzureisen).»
Die Diskussionen letzte Woche in Topolcany nahmen wie die Berichte in den Schweizer Medien kein Ende. «Was meint ihr? Wir reden auch miteinander. Auch bei uns hat jeder seine Meinung - und die soll er auch sagen», so Tristan Scherwey. Die Kommunikations-Drähte liefen heiss. Die NHL-Spieler wurden aus Übersee zugeschaltet. Sie brachten sich ein, wie es sich für Leader gehört. Womöglich gab es den Plan, ein gemeinsames Statement zu verfassen. Die Meinungsvielfalt liess das nicht zu. So kam es am Wochenende zum Protestschreiben, das von Captain Roman Josi verfasst worden ist.
«Wollen immer noch Weltmeister werden»
Auch am und rund um den Medientag tauchten wieder neue Informationen auf - dass Patrick Fischer bei seiner ersten Verurteilung vor mittlerweile sieben Jahren (Geschwindigkeitsübertretung) auf der Autobahn mit 164 km/h geblitzt worden ist. Und dass Fischer nach der Entlassung vom letzten Mittwoch noch bis Donnerstag im Hotel bei der Mannschaft geblieben ist.
Aber insgesamt hofft das gesamte Nationalteam, dass sich der Sturm mit den Länderspielen vom Donnerstag und Freitag gegen Ungarn endlich legen wird, denn «wir haben eine Heim-WM vorzubereiten» (Andrighetto). Dass der «Fall Fischer» den Erfolg an der Heim-WM beeinträchtigen könnte, glaubt keiner. «Wir sind das gleiche Team und der gleiche Trainer-Staff, einfach minus eine Person», sagt Gaëtan Haas. «Und wir haben alle immer noch das gleiche Ziel: Wir wollen in anderthalb Monaten in Zürich Weltmeister werden», so Leonardo Genoni.
«Hockey-Volk wieder einen»
Das Nationalteam fängt sich langsam wieder. «Ich war vor einer Woche nicht bereit dafür - und so ging es dem gesamten Team», sagte Jan Cadieux. Mittlerweile ist allen klar, dass es keine wundersame Rückkehr von Patrick Fischer mehr geben wird. «Die Entscheidung ist gefallen, Klarheit ist da, das hat uns der Präsident (Urs Kessler) am Montag klipp und klar mitgeteilt», so Tristan Scherwey.
«Was mich im Moment am meisten stört», so Scherwey weiter, «die Hockey-Schweiz ist gespalten. Auch in unserem Team gibt es Meinungsverschiedenheiten. Aber wir finden uns wieder. Wir haben alle dieses grosse Ziel vor Augen: die Heim-WM. Und mein Traum ist, an der WM die ganze Bevölkerung mit tollen Leistungen auch wieder zu vereinen.»