×

«Wir müssen öfter schiessen, härter und präziser»

Die Bilanz der SC Rapperswil-Jona Lakers nach dem ersten Fünftel der Qualifikation ist düster. Trainer Jeff Tomlinson hätte nicht damit gerechnet, zeigt sich aber überzeugt, dass bald bessere Zeiten kommen.

Silvano
Umberg
19.10.18 - 09:26 Uhr
Eishockey
Lakers-Trainer Jeff Tomlinson ist überzeugt, dass sein Team sich aus der Krise herausarbeiten kann.
Lakers-Trainer Jeff Tomlinson ist überzeugt, dass sein Team sich aus der Krise herausarbeiten kann.
SILVANO UMBERG

Der Aufsteiger isst in der National League bisher hartes Brot. Lediglich drei Punkte haben die Lakers in den ersten zehn Partien auf ihr Konto gebracht. Sechs weniger als der Tabellenvorletzte HC Davos, 13 weniger als der heutige Gegner Ambri-Piotta, der derzeit den letzten Play-off-Platz innehat. Der Hauptgrund für den schwachen Saisonstart ist die magere Torausbeute von neun Treffern. Headcoach Jeff Tomlinson ist jetzt so gefordert wie nie zuvor seit seinem Amtsantritt im Sommer 2015.

Jeff Tomlinson, macht Ihnen Ihr Job derzeit Freude?
Man mag es kaum glauben, aber ja. Zum Trainerjob gehören auch schlechtere Zeiten. Und diese bringen neue Herausforderungen.

«Es braucht wenig, um den Knoten zum Platzen zu bringen.»

 

Wie ist die Stimmung im Team?
Ebenfalls gut. Klar, die Jungs sind deprimiert ob der Niederlagen. Aber sie haben keine andere Wahl, als dies schnell abzuhaken, weiter zu marschieren und weiter zu lernen. Würden sie den Kopf hängen lassen, könnten sie keine Fortschritte machen.

Sind Sie momentan im Training speziell bemüht, für gute Stimmung zu sorgen?
Auf jeden Fall. Das ist die Aufgabe eines Trainers in schlechten Zeiten. Er muss die Spieler dann auch etwas anders behandeln. Klar, ab und zu muss man dazwischenhauen. Aber jetzt muss ich sie vor allem aufbauen.

Wie können Sie den Spielern im Training Freude bereiten?
Indem ich ihnen auch die positiven Seiten aufzeige. Und die gibt es. Wir haben nicht immer schlecht gespielt. Phasenweise waren wir sogar gut. Was fehlt, ist die letzte Aktion, die zum Tor führt. Oft ist der letzte Pass schlecht … oder die Annahme … oder wir schiessen daneben, einen Gegenspieler an oder dem Torhüter auf den Bauch.

Woran liegt das?
Es ist vor allem Ausdruck mangelnden Selbstvertrauens. Das Positive ist immerhin, dass wir zuletzt mehr Schüsse generiert haben, wenn auch meist harmlose. Gleichzeitig haben wir in der Defensive Fortschritte gemacht.

Zehn Spiele, drei Punkte – hätten Sie sich vor dem Saisonstart eine solch düstere Bilanz nach dem ersten Fünftel der Qualifikation vorstellen können?
Ich wusste, dass es in der National League für uns schwer werden wird. Aber ich hätte schon mit mehr Punkten gerechnet. Wir hätten auch mehr verdient, doch oft ist es nicht für uns gelaufen. Speziell zu Beginn in Langnau (die Lakers drehten einen 0:1-Rückstand in eine 2:1-Führung, verloren aber 2:5, die Red.) und gleich im Anschluss beim 1:2 gegen die ZSC Lions. Aber ich bin überzeugt: Es kommen bessere Zeiten. Wir sind top motiviert und marschieren weiter.

«Bezüglich Tempo sind wir noch nicht in der National League angekommen.»

Ist der Niveauunterschied zwischen der Swiss- und National League grösser als erwartet?
Ja, vor allem was das Tempo angeht. Es geht alles viel schneller. Der Spieler muss im Kopf stets einen Schritt voraus sein. Diesbezüglich sind wir noch nicht in der National League angekommen.

Was würden Sie rückblickend anders machen?
Puh. Im Nachhinein ist man ja immer schlauer. (lacht) Vielleicht haben wir den einen oder anderen Spieler etwas überschätzt, zu viel Produktivität erwartet – und ihn damit zu stark unter Druck gesetzt. Ich möchte keinen Namen nennen, aber es hat sich einfach gezeigt, dass speziell einige Stürmer noch nicht so weit sind, um sich in der National League durchzusetzen.

Im Schnitt gelingt Ihrem Team pro Partie weniger als ein Tor. Der letzte Einschuss liegt 130:39 Minuten zurück. Das muss Ihnen Kopfzerbrechen bereiten.
Klar, im Toreschiessen sind wir bisher sehr, sehr schlecht. Das hatte ich nicht erwartet. Ich dachte eher, die Verteidiger würden Mühe haben. Aber wie gesagt: Wir spielen oft ganz gut mit, doch es fehlt die letzte Aktion.

Sie waren selber Stürmer. Können Sie sich an eine ähnliche Situation erinnern?
Ja, ich hatte auch Phasen in meiner Karriere, in denen ich keine Tore schoss. Neu ist für mich, dass gar keiner im Team mehr trifft.

Wie kommt man aus einer solchen Situation wieder heraus?
Indem man es weiter probiert, aber auch neue Wege sucht. In diesem Bereich sind wir momentan im Training sehr aktiv. Wir müssen es den gegnerischen Torhütern und Verteidigern schwerer machen, die Schussbahn vorherzusehen. Zugleich müssen wir auch öfter schiessen. Die fehlenden Erfolgserlebnisse verleiten dazu, den Puck weiterzuspielen statt abzuschliessen. Das geht in der Swiss League, hier aber ist die Chance dann weg.

Inwiefern hat die Misere mit den Verletzungsproblemen zu tun?
Ich möchte das nicht als Ausrede nutzen, denn wir haben genug Qualität im Team. Aber es ist schon ein Nachteil in dieser Liga, wenn du nur mit zwei Ausländern spielst. Zudem haben wir uns von Matt Gilroy und Casey Wellmann speziell in der Offensive einiges erhofft. Ebenso von Andri Spiller, der ein echter Torjäger ist. Dieses Trio fehlt uns auch im Überzahlspiel, das bisher überhaupt nicht funktioniert (die Lakers liegen mit ei-ner Erfolgsquote von 8,33 Prozent am Schluss der National-League-Klubs, der aktuelle Durchschnitt liegt bei 14,29 Prozent; die Red.).

Gibt es Neuigkeiten von der Verletzungsfront?
Timo Helbling sollte am Dienstag wieder mittun können (der routinierte Verteidiger erlitt in der Partie gegen Bern am 28. September eine Hirner-schütterung, die Red.). Wellman und Gilroy kehren im besten Fall knapp vor der ersten Meisterschaftspause (5. bis 11. November, die Red.) zurück, Spiller erst danach.

Trotz der Verpflichtung des Tschechen Radek Smolenak stehen Ihnen also weiterhin nicht vier Ausländer zur Verfügung. Wie frustrierend ist es, wenn es eine rigorose Budgetvorgabe einzuhalten gilt?
Es ist schon frustrierend – für alle Beteiligten. Aber es ist absolut richtig, dass wir uns treu bleiben und nicht einfach die Budgetvorgaben über Bord werfen.

Fürchten Sie schon um Ihren Job? Gibt es Druck seitens des Verwaltungsrats?
Nein, den Druck mache ich mir selber. Ich bin ein sehr, sehr ehrgeiziger Mensch. Angst habe ich keine. Ich bin schon genug lange im Geschäft und habe auch in Deutschland schon schwierige Zeiten durchgemacht. Verängstigt zu sein, wäre auch kontraproduktiv, denn dann könnte ich keine positive Energie an die Spieler weitergeben. Allerdings komme ich aktuell zu wenig Schlaf – weil ich ständig nach Lösungen für unsere Probleme suche.

Mit dem Match in Ambri beginnt heute das zweite Fünftel der Qualifikation. Welche Erwartungen haben Sie an dieses Spiel und den nächsten Meisterschaftsabschnitt?
Ich erwartete, dass meine Spieler mit breiter Brust aufs Eis gehen, an den Erfolg glauben. Nur dann können wir die nötigen Tore schiessen und letztlich auch gewinnen. Und das ist es, was wir in diesen zweiten zehn Partien tun müssen: Endlich treffen und öfter punkten. Ich bin überzeugt: Es braucht wenig, um den Knoten zum Platzen zu bringen – und wenn dies einmal passiert ist, werden wir auch in der Lage sein, mehrere Siege aneinanderzureihen.«Bezüglich Tempo sind wir noch nicht in der National League angekommen.»

Kommentieren
Wir bitten um euer Verständnis, dass der Zugang zu den Kommentaren unseren Abonnenten vorbehalten ist. Registriere dich und erhalte Zugriff auf mehr Artikel oder erhalte unlimitierter Zugang zu allen Inhalten, indem du dich für eines unserer digitalen Abos entscheidest.
Könnte euch auch interessieren
Mehr zu Eishockey MEHR