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Emirate melden iranischen Drohnenangriff – Grossbrand

Erstmals seit Beginn der Waffenruhe haben sich die Spannungen am Persischen Golf wieder deutlich zugespitzt. Nach offiziellen Angaben aus den Vereinigten Arabischen Emiraten ist nach einem iranischen Drohnenangriff ein Grossbrand in einem Industriegebiet ausgebrochen. Betroffen sei die Hafenstadt Fudschaira. Der Zivilschutz sei dabei, die Lage unter Kontrolle zu bringen.

Agentur
sda
04.05.26 - 19:09 Uhr
Politik
ARCHIV - In den Emiraten ist nach einem iranischen Angriff ein Großbrand ausgebrochen. Foto: Fatima Shbair/AP/dpa/Symbolbild
ARCHIV - In den Emiraten ist nach einem iranischen Angriff ein Großbrand ausgebrochen. Foto: Fatima Shbair/AP/dpa/Symbolbild
Keystone/AP/Fatima Shbair

Ausserdem fing das Militär drei Raketen aus dem Iran ab. Eine weitere Rakete sei im Meer niedergegangen, hiess es in einer Erklärung des Verteidigungsministeriums. In mehreren Regionen des Golfstaats sei die Flugabwehr zu hören gewesen. Zuvor war die Bevölkerung aufgefordert worden, sich in Sicherheit zu bringen.

Von iranischer Seite gab es zunächst keine Bestätigung für Schüsse auf Ziele in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Das Land war schon zu Kriegsbeginn besonders von iranischen Angriffen betroffen, mit denen Teheran seinerseits auf Angriffe der USA und Israels reagiert hatte.

Berichte über Vorfälle häufen sich

Zuvor hatten sich die Spannungen in der vom Iran kontrollierten und von den USA blockierten Strasse von Hormus, durch die normalerweise ein wesentlicher Teil des weltweiten Ölhandels erfolgt, wieder verschärft:

* US-Präsident Donald Trump hatte am Sonntag den Start einer Initiative mit dem Titel «Projekt Freiheit» für Montag verkündet. Sie sollte darauf abzielen, die Meerenge wieder für die Schifffahrt freizumachen.

* US-Zerstörer seien durch die Strasse von Hormus in den Persischen Golf eingefahren, teilte das für Nahost zuständige Regionalkommando Centcom auf X mit. Zwei Handelsschiffe unter US-Flagge hätten das Seegebiet verlassen können. Unabhängige Bestätigungen gab es dafür zunächst nicht.

* Die iranische Militärführung hatte den USA bereits mit Gegenwehr gedroht. Die Revolutionsgarden feuerten nach eigenen Angaben mehrere Raketen als Warnung in Richtung von US-Kriegsschiffen ab, die sich im Meer vor der Südküste befunden haben sollen.

* Aus Teheran kamen auch Berichte, wonach zwei Raketen ein US-Kriegsschiff getroffen hätten. Die USA dementierten diese Angaben.

* Die Vereinigten Arabischen Emirate hatten zusätzlich einen iranischen Angriff mit zwei Drohnen auf einen Tanker des staatlichen Energiekonzerns ADNOC vermeldet. Verletzte habe es dabei nicht gegeben. Unklar war zunächst, wann genau sich der Angriff ereignet haben soll.

* Südkorea prüft nach Angaben der Nachrichtenagentur Yonhap Informationen, wonach ein Schiff einer südkoreanischen Reederei in der Strasse von Hormus angegriffen wurde. Auf dem unter panamaischer Flagge fahrenden Schiff, das in Gewässern nahe den Vereinigten Arabischen Emiraten in der Meerenge vor Anker lag, sei nach einer Explosion ein Brand ausgebrochen.

* Der Oman meldete einen Angriff auf ein Wohngebäude. Die staatliche Nachrichtenagentur Oman News Agency berichtete, dass der Angriff die Region um Buch getroffen habe. Dabei handelt es sich um einer vom übrigen Staatsgebiet getrennte Exklave an der Strasse von Hormus. Zunächst war nicht klar, von wem der Angriff ausging. Dabei seien ausländische Arbeiter verletzt worden.

Ölpreise steigen weiter

Für die Ölpreise brachte Trumps erneuter Vorstoss nicht die erhoffte Entlastung. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Juli kletterte im Verlauf des Nachmittags deutlich auf mehr als 114 US-Dollar. Händler bezweifelten, dass der US-Plan funktionieren wird. Die Gespräche zwischen Washington und Teheran zu einem Ende des Kriegs gelten als festgefahren. In der vergangenen Woche waren die Ölpreise auf den höchsten Stand seit dem Jahr 2022 gestiegen.

Vor dem Krieg hatten Tanker etwa ein Fünftel der weltweit gehandelten Menge an Öl- und Flüssiggas durch die Strasse von Hormus transportiert. Der Iran kontrolliert die Meerenge seit Kriegsbeginn und hat den Schiffsverkehr mit Drohungen und Angriffen praktisch zum Erliegen gebracht. Die USA wiederum haben ihrerseits eine Seeblockade gegen Schiffe verhängt, die iranische Häfen anlaufen oder verlassen.

Welche Absicht verfolgt Trump?

Trump sagte, Länder aus der ganzen Welt hätten die USA darum gebeten, ihnen dabei zu helfen, ihre Schiffe zu befreien, sagte er. Er liess jedoch viele Details zum geplanten Vorgehen offen. Nach einem Bericht des «Wall Street Journal» sieht die Initiative aktuell nicht vor, dass US-Kriegsschiffe Schiffe durch die Strasse von Hormus eskortieren.

Beobachter halten es für möglich, dass Trump mit dem «Projekt Freiheit» der Wiederaufnahme der Kämpfe den Boden bereiten will: Eine Reaktion des Irans zu provozieren, «könnte die überzeugendste Rechtfertigung für die Wiederaufnahme der Feindseligkeiten liefern», schrieb Hamidreza Azizi, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Deutschen Institut für Internationale Politik und Sicherheit, auf X.

Bisher kaum Fortschritte bei Verhandlungen

Die Öffnung der Meerenge ist neben dem iranischen Atomprogramm einer der Knackpunkte in den Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran zur Beilegung des Konflikts. Die unter Vermittlung Pakistans geführten Gespräche haben bisher keine Ergebnisse gebracht, zum Stand der Verhandlungen gab es immer wieder unterschiedliche Interpretationen. Am 8. April war eine Waffenruhe vereinbart worden, die nun zunehmend brüchig zu werden scheint.

Deutsche Marine bereitet Einsatz in der Meerenge vor

Im Vorgriff auf einen möglichen Einsatz in der Strasse von Hormus stationiert die deutsche Marine zwei Schiffe im Mittelmeer. Das Minenjagdboot «Fulda» stach von Kiel aus in See. Darüber hinaus wird das Versorgungsschiff «Mosel», das derzeit in der Ägäis unterwegs ist, für einen möglichen Einsatz vorbereitet.

Es geht nach Angaben des Bundesverteidigungsministeriums darum, die Schiffe für den Fall, dass es zu einem internationalen Marineeinsatz kommen sollte, näher am möglichen Einsatzort zu positionieren. Um schnell in der Krisenregion einsatzfähig zu sein, würden «in den kommenden Wochen voraussichtlich ergänzende Fähigkeiten verlegt», hiess es weiter.

Das Ministerium wies aber erneut darauf hin, dass eine nachhaltige Beendigung der Kampfhandlungen, eine völkerrechtliche Grundlage und ein Mandat des Bundestags Voraussetzungen für eine deutsche Beteiligung seien.

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