Gemeinden müssen mit ihren Investitionen haushalten
Blick auf die Gemeindefinanzen: Glarus Süd hat am meisten investiert, und für alle drei Gemeinden stellt sich die Frage, wie viel sie sich künftig leisten können. Für die erste Zeit haben sie ein Polster.
Blick auf die Gemeindefinanzen: Glarus Süd hat am meisten investiert, und für alle drei Gemeinden stellt sich die Frage, wie viel sie sich künftig leisten können. Für die erste Zeit haben sie ein Polster.
Im Rückblick auf 2016 sieht es günstig aus. Die Gemeinden sind in einer guten finanziellen Situation, auch wenn das Rating des Kantons gegenüber 2015 leichte Verschlechterungen ausmacht (siehe unten). Alle drei Gemeinden sind bei 13 oder mehr von 19 Kennziffern im grünen Bereich.
Alle drei Gemeinden miteinander haben in den sechs Jahren seit ihrem Entstehen netto 79 Millionen investiert. Am meisten mit je einem knappen Drittel in «Umweltschutz und Raumordnung» und mit 29 Prozent in «Verkehr und Nachrichtenübermittlung». Und sie haben diese Investitionen vollständig aus eigenen Mitteln finanzieren können. Unter dem Strich keine Kredite aufnehmen müssen, heisst das. Der sogenannte Selbstfinanzierungsgrad liegt bei 102 Prozent. Diese Zahlen meldet der Regierungsrat im Bulletin, er hat das Finanzrating der Gemeinden auf den neusten Stand gebracht (siehe unten).
Veränderlich bis ...
Da ist einmal der Blick von nahe auf die einzelnen Gemeinden:
● Glarus Süd hat am meisten investiert und am wenigsten aus eigenen Mitteln finanzieren können. Die Nettoinvestitionen liegen bei 34 Millionen, der Selbstfinanzierungsgrad bei 72 Prozent. Immerhin, doch wird diese Zahl unter 80 Prozent nicht mehr als gut gewertet, sie bedeutet laut den Richtlinien eine «problematische Neuverschuldung». Es fehlten der Gemeinde 9,4 Millionen, die mit Krediten gedeckt werden mussten.
Zum Vergleich: Ende 2016 hatte Glarus Süd ein Nettovermögen von 23 Millionen. Das höchste pro Einwohner, aber in Immobilien und Anlagen gebunden.
● Glarus war mit seinen Investitionen bisher sehr zurückhaltend. Oder es hat lange geplant und beginnt nun mit der Umsetzung, nachdem die Ortsplanung verabschiedet ist. 20 Millionen Nettoinvestition in sechs Jahren stehen 32 Millionen erwirtschafteten Mitteln gegenüber: Der Selbstfinanzierungsgrad beträgt damit bisher satte 162 Prozent. Das Eigenkapital stieg, es konnten 12,3 Millionen auf die Seite gelegt werden. Rückblickend alles im grünen Bereich, aber nicht für die weitere Zukunft, denn es stehen mehrere Jahre mit wesentlich höheren Investitionen an.
Zum Vergleich: Ende 2016 hatte Glarus 26 Millionen Nettovermögen.
● Glarus Nord hat knapp 25 Millionen investiert und dieses Geld ebenso fast vollständig selber aufbringen können. Der Selbstfinanzierungsgrad liegt bei 94 Prozent, die Neuverschuldung ist laut Rechnungsmodell «verantwortbar».
Zum Vergleich: Ende 2016 hatte Glarus Nord 25 Millionen Nettovermögen und über 100 Millionen Eigenkapital.
... stark bewölkt
Nun ändert sich das Bild allerdings deutlich. «Die Budgets sehen für die Jahre 2017 und 2018 eine starke Investitionstätigkeit bei tiefer Selbstfinanzierung vor», hält der Regierungsrat im Bulletin fest. Was zu entsprechenden Finanzierungslöchern führt, wenn nicht gleichzeitig die Einnahmen steigen. Die Gemeinden hätten Reserven, um dies eine Zeit lang zu verkraften.
Aber: Die Selbstfinanzierung muss mit dem Investitionsbedarf Schritt halten. Damit das so bleibt, «besteht die grosse Herausforderung, die Investitionsausgaben und die zur Verfügung stehenden Finanzmittel aufeinander abzustimmen».
Was das für eine Gemeinde bedeuten kann, lässt sich am Beispiel von Glarus illustrieren. Der Finanzplan, den der Gemeinderat zusammen mit dem Budget 2018 vorlegte, sieht von 2018 bis 2022 jedes Jahr Investitionen von netto 14 Millionen Franken vor.
Der Vergleich zeigt: Das ist künftig gut viermal so viel wie in den Jahren seit der Fusion. Die voraussichtliche Selbstfinanzierung für 2018 bis 2022 liegt noch bei 26 bis 27 Prozent. Einige Jahre lang wird das zulasten des Eigenkapitals funktionieren. Dann wird sich die Frage nach höheren Steuern oder nach Abstrichen an anderen Orten stellen.
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