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Axpo bremst den Rückbau aus Angst vor einem Felssturz

Das Wehr in der Linthschlucht ist entfernt. Nicht aber das Betonbollwerk in Flussrichtung links des Eingangs. Dieses will die Axpo vorerst stehen lassen. Als Grund dafür malt der Stromproduzent ein Horrorszenario an die Wand: Beim Abbruch könnte die Schluchtfelswand einstürzen.

Martin
Meier
20.10.17 - 04:30 Uhr
Politik

Die Ausgangslage: Mit dem Bau von «Linthal 2015» hat sich der Nordostschweizer Stromproduzent Axpo zu verschiedenen Renaturisierungsmassnahmen verpflichtet. Kernstück davon ist der Rückbau des Wehrs in der Linthschlucht. Das Wehr selber ist auch tatsächlich inzwischen wie geplant entfernt, der mächtige Betonbau in Flussrichtung links hingegen nicht – anders als vereinbart. Dessen Rückbau sei zu gefährlich, sagen die Verantwortlichen von Linth-Limmern. Sie befürchten, dass die darüberliegende Felswand einstürzen könnte.

Beim Rückbau der Linthfassung handle es sich tatsächlich um eine der zahlreichen Ausgleichsmassnahmen, die mit dem Kanton und den Umweltverbänden vereinbart wurden, bestätigt Antonio Sommavilla. Der Axpo-Sprecher macht allerdings die Präzisierung, dass der Rückbau der rechten Seite flussabwärts nicht Bestandteil der vereinbarten Rückbauarbeiten waren. «Mit den Behörden wurde vereinbart, nur die linke Seite, das linke Widerlager, zurückzubauen.»

Während der dortigen Felsräumungsarbeiten sei nun allerdings eine abgelöste Felsschuppe festgestellt worden, «worauf die begonnenen Arbeiten aus Gründen der Arbeitssicherheit eingestellt wurden», sagt Sommavilla weiter.

Arbeiten sind sistiert, eine Neubeurteilung erfolgt 2020

Zwar bestehe keine akute Gefährdung der Stabilität des Felsens, die Arbeiten hätten aber möglicherweise eine weitere Ablösung von Gesteinsmaterial begünstigt. In Rücksprache mit der baubegleitenden Arbeitsgruppe sei daher beschlossen worden, die Arbeiten am Fels für eine längere Zeit zu sistieren, um die Entwicklung des Felsens zu überwachen. In dieser Arbeitsgruppe seien nebst der Axpo und Linth-Limmern auch die Umweltverbände und die kantonalen Behörden vertreten.

Axpo-Sprecher Antonio Sommavilla versichert, dass im Jahr 2020 die Situation erneut beurteilt und das weitere Vorgehen definiert werden soll. «In diesem Sinne: Die Rückbauarbeiten sind aufgeschoben, aber nicht aufgehoben.»

Klar ist: Der Abbruch des Bollwerks wird Geld kosten. Viel Geld, speziell, wenn dafür noch die Felswand gestützt werden müsste. Und es ist längst bekannt, dass das grösste Pumpspeicherwerk der Schweiz bei den jüngsten Strompreisen kaum rentabel betrieben werden kann. Die Axpo hat aus diesem Grund in den letzten Jahren je mehrere Hundert Millionen abgeschrieben und Verluste in derselben Grössenordnung hinnehmen müssen. Den Partnerkanton Glarus hat der Stromkonzern zudem vor Gericht gezogen, um einen Teil der Kosten abzuwälzen.

Die Baukünstler meisterten schon schwierigere Aufgaben

Rein technisch gesehen wäre das Bollwerk für die Ingenieure sicher zum Verschwinden zu bringen. Die Baukünstler haben im Laufe des 2,1 Milliarden teuren Projekts «Linthal 2015» weitaus schwierigere Aufgaben gemeistert. Wir werden sehen, was in rund drei Jahren passiert.

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