ÖV Bilten: Dieser Bus ist auch ein Zug – und quasi geschenkt
Der Kanton Glarus hat eigentlich entschieden, Bilten künftig nur noch per Bus zu erschliessen und tagsüber im Halbstundentakt. Warum nun die Biltner sogar noch etwas mehr öffentlichen Verkehr bekommen.
Der Kanton Glarus hat eigentlich entschieden, Bilten künftig nur noch per Bus zu erschliessen und tagsüber im Halbstundentakt. Warum nun die Biltner sogar noch etwas mehr öffentlichen Verkehr bekommen.
Mit einer Petition im Juli haben über 70 Biltnerinnen und Biltner beim Bau- und Verkehrsdirektor Röbi Marti Druck gemacht. Grund ihres Ärgers: Nicht nur hat der Kanton Glarus als Besteller im öffentlichen Verkehr vom Zug auf den Bus umgestellt. Der Entwurf für den Fahrplan 2018 enthielt auch noch vor allem am Abend deutlich weniger Kurse.
«Die meisten Biltner sind künftig mit dem Bus gleich schnell am Bahnhof Ziegelbrücke.»
So müssten die Biltner ÖV-Benutzer ab Dezember tatsächlich fast mit den Hühnern ins Bett. Noch laut Fahrplanentwurf 2018, wie er gestern abrufbar war, fährt der letzte Bus von Bilten Post nach Ziegelbrücke um 21.14 Uhr und von Ziegelbrücke zurück um 21.34 Uhr.
Verbesserungen freuen Biltner
Wie kommt es, dass die Petitionäre nun doch zufrieden sind? Der Initiant und frühere Dorfarzt Ueli Nägeli sagt: «Der Kanton war nach Gesprächen bereit, den Stundentakt am Abend bis nach 23 Uhr zu verlängern.» Ausserdem wurden die Kurse am Morgen so angepasst, dass sie in Ziegelbrücke die 6-Uhr-Spinne erreichen, wie Nägeli erklärt. Das Dorf profitiere davon, denn: «Ausser den Anwohnern in Bahnhofsnähe sind die Biltner gleich schnell am Bahnhof Ziegelbrücke.» Und dort erreichen sie die Züge nach Zürich, Chur, Glarus und Rapperswil. Ausserdem fährt stündlich ein Bus von Ziegelbrücke via Bilten nach Pfäffikon und umgekehrt.
Dass vom Zug auf den Bus umgestellt wird, hat finanzielle Gründe, wie Markus Josi bestätigt. Der Bus sei klar günstiger. Der Fachstellenleiter ÖV beim Kanton erklärt, dass ein Halbstundentakt bis zum Abend vorgesehen war: «Für den Kanton ist eine bestimmte Anzahl Kurspaare finanzierbar. Nach der Anpassung hört der Halbstundentakt nun etwas früher auf, dafür läuft der Stundentakt länger.»
Ein bisschen S2 und S27 bleiben
Der Hintergrund für den Glarner Entscheid, auf Busse zu wechseln: Die Südostbahn (SOB) hatte sich bei Erträgen der S27 zwischen Ziegelbrücke und Siebnen-Wangen offenbar verkalkuliert. Laut Antwort des Regierungsrats auf die Petition der Biltner hätte die SOB ab 2018 von Bund und Kantonen 4,5 Millionen Franken verlangt, 45 Prozent mehr als im laufenden Jahr. Der Anteil des Kantons Glarus wäre von rund 305 000 auf 442 000 Franken gestiegen oder um mehr als einen Drittel.
Als Reaktion auf das schlechte Kosten-Nutzen-Verhältnis hat der federführende Kanton Schwyz ein Sanierungskonzept präsentiert und für die Dörfer zwischen Siebnen-Wangen und Ziegelbrücke nur noch werktags am Morgen und am Abend einige S27-Züge bestellen wollen. Diese Lösung steht nun auch im Fahrplanentwurf.
Sie ist gewissermassen ein Geschenk der anderen Kantone an Bilten oder den Kanton Glarus geworden. Denn der Kanton Glarus hat nicht mehr mitbestellt und sich auf den Bus festgelegt. Man habe dies allen Mitbestellern, also den anderen Kantonen und dem Bundesamt für Verkehr, mitgeteilt, so Josi. Finanziell heisst das, der Kanton Glarus muss auch nicht mehr mitbezahlen, er kann aber auch nicht mehr darüber mitbestimmen. Vorteile haben höchstens noch die wenigen Nutzer. Sie kommen aber laut Josi nicht alle aus Bilten selbst.
«Der Bus nach Bilten ist klar günstiger, das ist der Hauptgrund für die Umstellung.»
«Der Kanton Glarus setzt seine Mittel da ein, wo sie den Bewohnern den grössten Nutzen bringen.»
Bund wollte dabei bleiben
Der Kanton Glarus habe das Bundesamt für Verkehr (BAV) im Juni 2017 über seine Bus-Pläne informiert, heisst es beim BAV auf Anfrage. Weil das Bestellverfahren schon weit gediehen war, hat der Bund laut Mediensprecher Gregor Saladin vorgeschlagen, die Leistungen trotzdem zu bestellen. Darauf sind Zürich, St. Gallen und Schwyz eingestiegen. Der Kostenanteil von Glarus wird neu auf diese drei und den Bund verteilt.
Der Bund anderseits bestellt den Bus nach Bilten nicht mit, so Saladin. Was der Kanton Glarus nun laut Josi fix für das zweijährige Bestellverfahren, also für 2018 und 2019, getan hat. Erst später ist allenfalls wieder mit Änderungen zu rechnen.
Wir bitten um euer Verständnis, dass der Zugang zu den Kommentaren unseren Abonnenten vorbehalten ist. Registriere dich und erhalte Zugriff auf mehr Artikel oder erhalte unlimitierter Zugang zu allen Inhalten, indem du dich für eines unserer digitalen Abos entscheidest.
Bereits Abonnent? Dann schnell einloggen.