Was bedeutet euch der Lokaljournalismus? Wir haben uns umgehört
Zum «Tag des Lokaljournalismus» haben wir Menschen aus dem Linthgebiet befragt. Die einen lieben ihre Lokalzeitung, andere sehen Luft nach oben.
Zum «Tag des Lokaljournalismus» haben wir Menschen aus dem Linthgebiet befragt. Die einen lieben ihre Lokalzeitung, andere sehen Luft nach oben.
Am Dienstag, 5. Mai ist «Tag des Lokaljournalismus» – eine länderübergreifende Aktion von Medien aus Deutschland, Luxemburg, Österreich und der Schweiz. Ziel davon ist es, den Dialog zwischen Redaktionen und Publikum zu stärken. Dies ist auch unserer Zeitung ein Anliegen: Am 5. Mai sind wir im Café Gabriel in Kaltbrunn (9 bis 10.30 Uhr), im Einkaufszentrum Sonnenhof in Rapperswil-Jona (10.30 bis 12 Uhr) und im Linth-Park in Uznach (11 bis 12.30 Uhr) anzutreffen.
Und auch im Vorfeld haben wir uns schon umgehört – wir waren in Uznach, Schmerikon und Rapperswil-Jona unterwegs, um Menschen aus der Region nach ihrem Medienkonsum und ihrer Einstellung zum Lokaljournalismus zu befragen. So haben sie geantwortet:
Joana Schön (34), Rapperswil-Jona
Um auf dem Laufenden zu bleiben, konsumiere ich diverse News-Apps. Dabei versuche ich zu differenzieren, wer was erzählt – es gibt auch Medien, die ich bewusst nicht verfolge. Andere geniesse ich wiederum, weil sie nicht nur Meinung, sondern auch recherchierte Daten und Fakten bieten.
Die «Linth-Zeitung» finde ich super, mit ihr bin ich aufgewachsen. Ich finde aber, der Regionaljournalismus dürfte mehr Wertschätzung zeigen. Beispielsweise die Arbeit der Stadtpräsidentin Barbara Dillier sollte meiner Meinung nach mehr gewürdigt werden. Ab und zu würde ich mir aber auch eine etwas schärfere Zunge in den Medien wünschen, sofern dies durch Zahlen und Fakten gestützt ist.
Alexander Boeni (44), Eschenbach
Ich informiere mich über zwei Quellen: Tageszeitungen, darunter auch die «Linth-Zeitung», und «The Economist» für Wirtschaftsfragen. Zudem nutze ich KI, um mich über spezifische Fragen, die mich interessieren, zu erkundigen. Nicht zuletzt deshalb halte ich Journalismus für wichtig, da es recherchierte Inhalte braucht, damit der Einsatz von KI nützlich ist. Den Lokaljournalismus halte ich nach wie vor für wichtig, besonders wenn es um Themen wie etwa das Vereinsleben geht. Aus wirtschaftlicher Sicht finde ich aber, dass die regionalen KMUs und Start-ups eine grössere Rolle in der Berichterstattung spielen sollten.
Maria Ritter (68), Rapperswil-Jona
Die «Linth-Zeitung» hatten wir 40 Jahre lang abonniert, um sie den Kundinnen und Kunden unserer Zahnarztpraxis zur Verfügung zu stellen. Heute interessiert mich das regionale Geschehen weniger, ich informiere mich vor allem durch die «NZZ am Sonntag» über nationale und internationale Ereignisse. Dennoch finde ich es wichtig, dass über Themen aus der Region berichtet wird.
Sandro Greuter (42), Uznach
Aus meiner Sicht ist es schade, dass lokaler Journalismus immer weniger stattfindet. Ich bin noch Abonnent der «Linth-Zeitung», aber viel mehr zu lesen gibt es in der Region ja auch nicht mehr. Umso wichtiger finde ich es, dass lokale Medien Transparenz schaffen, was in den Gemeinden der Region so alles passiert. Zudem sehe ich als Aufgabe des Lokaljournalismus, eine regionale Identität zu schaffen. Die «Linth-Zeitung» sollte hier meiner Meinung nach die Stärken des Linthgebiets mehr hervorheben und sich vermehrt auf den regionalen Zusammenhalt fokussieren.
Janine Steffens (36), Rapperswil-Jona
Regionale News verfolge ich nicht aktiv. Ich informiere mich jeweils über meinen News-Feed auf dem Handy. Dort erhalte ich auch Nachrichten zu meiner Heimat in Österreich und zu Rapperswil-Jona. Zudem informieren mich meine Schwiegereltern über das regionale Geschehen. Dem Journalismus gegenüber bin ich eher skeptisch eingestellt – ich habe oft den Eindruck, die Inhalte werden dramatisiert und es wird Angstmacherei betrieben. Im Vergleich zu den Medien aus Deutschland schätze ich aber die Diskretion in der Schweiz.
Hans van Velsen (80), Schmerikon
Ich bin schon seit Jahrzehnten Abonnent der «Linth-Zeitung». Seit etwa einem Jahr bin ich auf das Online-Abo umgestiegen, weil mir das ganze Papier zu viel wurde. Leider hat es online für meinen Geschmack zu wenig Inhalte und zu viel Werbung. Da würde ich gerne mehr Nachrichten aus der Region lesen. Auch das Wechseln vom Monats- zum Jahresabo ist viel zu kompliziert, das habe ich schon mehrfach versucht.
Selina Trösch (25), Uetliburg
Über das Weltgeschehen informiere ich mich hauptsächlich über Social Media. Tageszeitungen lese ich höchst selten – die «Linth-Zeitung» blättere ich ab und zu durch. Ich halte es aber für wichtig, dass der Lokaljournalismus über regionale Veranstaltungen berichtet. Das finde ich spannend. Grosse Lücken in der Berichterstattung des Regionaljournalismus sehe ich keine.
Andreas Zurbrügg (64), Hittnau
Die regionalen Medien sind längst nicht mehr das, was sie einmal waren. Beispielsweise beim «Zürcher Oberländer», den ich abonniert habe, wurde früher tiefgehender Journalismus betrieben. Heute scheint mir die Berichterstattung eher oberflächlich. Zudem sehe ich heute viele Rechtschreib- und Stilfehler, was mich als zahlenden Kunden verärgert. Und auch der Umfang wurde drastisch reduziert – früher gab es regelmässig vier Bunde in der Zeitung, heute sind es eher zwei, die dann auch noch dünner sind.
Ich habe aber immer noch gern eine Zeitung in der Hand.
Priska Berger (58), Reichenburg
Um mich zu informieren, nutze ich regionale und nationale Medien im Internet. Am Lokaljournalismus schätze ich, dass er im Vergleich zu nationaler Berichterstattung oft positiver ist. Ich würde mir aber wünschen, dass Veranstaltungen und kulturelle Nachrichten im Allgemeinen häufiger darin vorkommen.
Hajo Zwanenburg (56), Rapperswil-Jona
Ich lese Zeitungen online und in gedruckter Form, darunter auch die «Linth-Zeitung». Dort vermisse ich zusehends den Tiefgang. Die regionale Berichterstattung interessiert mich sehr, wurde aber leider immer oberflächlicher. Zudem finde ich es schade, dass die Zeitung immer dünner wird – gerade, weil sie relativ teuer ist. Und auch mit dem Sportteil der Zeitung bin ich unzufrieden: Es gibt immer mehr Einsendungen statt selbst verfasste Artikel und gewisse Vereine, beispielsweise der TSV Jona Volley, finden kaum statt. Gerade bei den lokalen Vereinen halte ich mediale Aufmerksamkeit für sehr wichtig, um beispielsweise Sponsoren zu finden.
Heidi Winet (36), Uznach
Die ständig schlechten Schlagzeilen in den Medien mit Krieg und Totschlag blende ich bewusst aus. Ich habe keine Profile mehr auf Facebook und Instagram, und auch sonst konsumiere ich keine Nachrichten. Ich bin aber sehr an Sport interessiert, entsprechende Inhalte schaue ich mir auch im Fernsehen an. In den Nachrichten bräuchte es mehr positive Geschichten, damit ich mich wieder damit befasse.
Apolo Britez (18), Rapperswil-Jona
Ich informiere mich meistens über Social Media, eher auf nationaler und internationaler Ebene. Die «Linth-Zeitung» sehe ich aber manchmal auf Google, da schaue ich dann ab und zu rein. Ich denke, die «Linth-Zeitung» macht gute Arbeit, denn ich fühle mich über regionale Themen informiert. Besonders wichtig finde ich es, dass über Veranstaltungen in der Region berichtet wird.
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