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Das Bistum feiert seinen neuen Hirten

In der Kathedrale St. Gallen ist Beat Grögli in einem feierlichen Gottesdienst zum zwölften St. Galler Bischof geweiht worden. Er tritt die Nachfolge von Markus Büchel an. Rund 2000 Mitfeiernde waren vor Ort – unter ihnen auch Bundespräsidentin Karin Keller-Sutter.

Linth-Zeitung
07.07.25 - 13:24 Uhr
Linthgebiet

Der Weihegottesdienst am Samstagvormittag in der St. Galler Kathedrale folgte einem teils jahrhundertealten Ritual. Wegen des erwarteten grossen Interesses war die Zeremonie auch live in die benachbarte reformierte Kirche St. Laurenzen übertragen worden. Die Kathedrale und die Kirche St. Laurenzen seien bis auf die letzten Plätze belegt gewesen, schreibt das Bistum St. Gallen in einer Mitteilung. Rund um die Kathedrale, die St. Laurenzenkirche und das Regierungsgebäude ist in diesen Sommertagen viel los. «Doch bei allem Trubel: Die Kathedrale bleibt ein Ort der Stille, des Gebets», so begann Bischof Markus seine Predigt an der Bischofsweihe von Beat Grögli.

Seelsorge, die aus dem Herzen spricht

Zu Beginn der Messfeier verlas Felix Büchi, Sekretär des Domkapitels, das von Papst Leo unterzeichnete Ernennungsschreiben. In der anschliessenden Predigt würdigte Bischof Markus die Bischofsweihe von Beat in einer Zeit, in der Kirche für viele an Bedeutung verliert. Er betonte, dass diese Feier keine leere Inszenierung sei, sondern in der 2000-jährigen Tradition steht, den Auftrag Jesu weiterzugeben: das Evangelium zu verkünden, heisst es in der Mitteilung des Bistums.

Bischof Markus sagte, dass Jesus selbst nicht Macht, sondern Dienst und Hingabe vorgelebt hat – so wie es auch Bischof Beat tun soll: als Sämann des Evangeliums, offen für die Zeichen der Zeit, furchtlos gegenüber Herausforderungen und dem «Schwimmen gegen den Strom».

«Beat, mit deinem Wahlspruch hast du für dein Tun den Referenzpunkt richtig gesetzt. ‹In con-cordiam Christi› – alles in Herzensverbundenheit auf Christus hin auszurichten», sagte Bischof Markus. Auch der verstorbene Papst Franziskus habe betont, dass das Herz als Symbol für den ganzen Menschen wichtig bleibe: «Es geht um eine Seelsorge, die mit dem Herzen spricht, handelt und heilt.»

Salbung, Evangeliar und Insignien

Während der Allerheiligenlitanei baten die Gläubigen um Hilfe und Kraft für den künftigen Dienst des Bischofs.  Dieser legte sich auf den Boden vor dem Altar. Damit drückte der künftige Bischof seine Unzulänglichkeit und Ohnmacht aus. Danach legten die anwesenden Bischöfe und Äbte Beat Grögli schweigend die Hände auf. Anschliessend sprach Bischof Markus Büchel das Weihegebet.

Ausdruck der Unzulänglichkeit und der Ohnmacht: Der neue St. Galler Bischof Beat Grögli liegt vor dem Altar in der Kathedrale St. Gallen während der Allerheiligenlitanei.
Bild: Gian Ehrenzeller / Keystone

Das Haupt von Bischof Beat wurde mit Chrisam gesalbt. Das Chrisam-Öl habe seinen Namen von Christus, so das Bistum. Christus bedeute: der Gesalbte. Dann habe der Geweihte das Evangeliar entgegengenommen. Dies zeige, dass er für die Verkündigung des Wortes Gottes in seinem Bistum und in der Kirche verantwortlich sei. Bischof Markus übergab seinem Nachfolger den Ring mit den Worten: «Trag diesen Ring als Zeichen deiner Treue. Denn in unverbrüchlicher Treue sollst du die Braut Christi, die heilige Kirche, vor jedem Schaden bewahren.» Die Übergabe der Mitra begleiteten die Worte: «Die Mitra sei ein Zeichen deines Amtes. Der Glanz der Heiligkeit sei dein Schmuck. Und wenn dann der Hirt aller Hirten erscheint, wirst du den nie verwelkenden Kranz der Herrlichkeit empfangen.»

«Zeichen deines Amtes»: Der neue St. Galler Bischof Beat Grögli (rechts) erhält die Mitra von Bischof Markus Büchel.
Bild: Gian Ehrenzeller / Keystone
... und dann noch den Bischofsstab.
Bild: Gian Ehrenzeller / Keystone

Bischof Markus vertraute dem neuen Bischof nun das Bistum St. Gallen an – als Zeichen dafür steht der Bischofsstab: «Ich übergebe dir diesen Stab als Zeichen des Hirtenamtes. Trage Sorge für die ganze Herde Christi, denn der Heilige Geist hat dich zum Bischof bestellt, die Kirche Gottes zu leiten.» Bischof Beat nahm im Anschluss auf der Kathedra Platz. Damit begann er seinen Dienst als Bischof von St. Gallen. Die Gäste applaudierten – die Bischöfe bekundeten ihre Freude über ihren neuen Kollegen in der Bischofskonferenz mit einer Umarmung.

Die Bundespräsidentin wünschte Ausdauer und Geduld

Bundespräsidentin Karin Keller-Sutter, aus Wil wie Bischof Beat, brachte Glückwünsche des Bundesrats und freute sich, mitzufeiern, wie das Bistum weiter mitteilt. Sie habe Bischof Markus gedankt und den Wunsch geäussert, dass die Verbindung zu ihm bestehen bleiben möge. Die Bundespräsidentin habe betont, wie wichtig die Botschaft der Kirche auch heute sei. Bischof Beat wünschte sie für die Hirtenaufgabe Ausdauer und Geduld – und Menschen, die mittragen.

Bundespräsidentin Karin Keller-Sutter überbringt dem neuen St. Galler Bischof Beat Grögli die Grüsse des Gesamtbundesrats.
Bild: Gian Ehrenzeller / Keystone
Bundespräsidentin Karin Keller-Sutter, die wie der neue Bischof aus Wil stammt, besuchte die Feier mit ihrem Ehemann Morten Keller.
Bild: Gian Ehrenzeller / Keystone

Bischof Beat dankte seiner Familie, Freunden und allen Mitfeiernden. Sein Dank ging auch an alle, die für den Festgottesdienst und das anschliessende Begegnungsfest gearbeitet haben. Ein besonderer Dank sprach er Bischof Markus aus: «Lieber Markus, danke für dein langes fruchtbares Wirken, deine Seelsorge, dein Vertrauen, deine Menschlichkeit und deinen Glauben.»

Die Festgemeinde habe an einer abwechslungsreichen Feier teilnehmen dürfen, die in einigen Teilen mehrsprachig gewesen sei, heisst es in der Mitteilung des Bistums. Mit dem Segen schloss Bischof Beat die rund zweistündige Eucharistiefeier, die immer wieder durch Applaus unterbrochen worden war.

Viel Prominenz aus Kirche, Politik und Wirtschaft

Bei der Weihe von Bischof Beat Grögli in der St. Galler Kathedrale feierten am Samstag zahlreiche Persönlichkeiten aus Kirche, Politik und Wirtschaft mit. Es waren dies unter anderen der apostolische Nuntius, Martin Krebs, Luis Manuel Alí Herrera, Sekretär der Päpstlichen Kommission für den Schutz von Minderjährigen und Weihbischof von Bogotá, alle Schweizer Bischöfe sowie weitere Bischöfe aus dem Ausland, Äbte, eine Äbtissin und zwei Generaloberinnen. An der Weihe teil nahmen auch Bundespräsidentin Karin Keller-Sutter, Nationalrätin Barbara Gysi, die Nationalräte Roland Rino Büchel, Nicolo Paganini, Mike Egger, Thomas Rechsteiner, Michael Götte und Walter Gartmann sowie Ständerätin Esther Friedli und Ständerat Benedikt Würth. Die St. Galler Regierung mit Präsident Beat Tinner war ebenso vertreten wie die Frau Landammann des Kantons Appenzell Innerrhoden, Angela Koller, die Frau Statthalter des Kantons Appenzell Innerrhoden, Monika Rüegg Bless, sowie die Ausserrhoder Regierungsrätin Katrin Alder. Zudem waren an der Feier die Präsidentin des St. Galler Stadtrats, Maria Pappa, sowie einige Mitglieder des Stadtrats dabei. Auch Vertreter der staatskirchenrechtlichen Seite waren geladen. So der Präsident der römisch-katholischen Zentralkonferenz, Roland Loos, der Präsident des Administrationsrats des katholischen Konfessionsteils, Armin Bossart, und weitere Mitglieder des Administrationsrates, der Präsident des Katholischen Kollegiums, Bernhard Krempl, der Präsident des Vereins katholischer Kirchgemeinden des Kantons Appenzell Innerrhoden, Walter Wetter, sowie der Präsident des Verbands römisch-katholischer Kirchgemeinden des Kantons Appenzell Ausserrhoden, Clemens Wick.

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