Vom Boden bis zu den Fenstern: Wie Putz-Profis für Sauberkeit sorgen
Patric Schlegel gibt einen spannenden Einblick in die Kunst der perfekten Sauberkeit. Der Chef von Jumbo-Reinigungen Bonaduz verrät, welche Techniken unverzichtbar sind und wie die Nachhaltigkeit seine Arbeit beeinflusst.
Patric Schlegel gibt einen spannenden Einblick in die Kunst der perfekten Sauberkeit. Der Chef von Jumbo-Reinigungen Bonaduz verrät, welche Techniken unverzichtbar sind und wie die Nachhaltigkeit seine Arbeit beeinflusst.
Von Lara Buchli
Chemie, Temperatur, Mechanik und Zeit (Sinnerscher Kreis). Laut Patric Schlegel sind das die wichtigsten Punkte beim Reinigen. Der Gebäudereinigungsfachmann leitet den Betrieb Jumbo-Reinigungen und weiss, was es heisst, sauber zu machen. Im Firmensitz in Bonaduz berichtet er von seinem Handwerk und verrät unter anderem, worauf man beim Reinigen im Privathaushalt achten sollte.
«Wenn ich in ein Gebäude spaziere, dann sehe ich Dinge, die andere wohl nicht gleich bemerken. Staub hier, Schmutz da. Das ist berufsbedingt bei mir», beginnt Patric Schlegel und zuckt mit den Schultern. Er sei darauf sensibilisiert, genau hinzuschauen und Dreck an Orten zu sehen, an denen andere ihn nicht einmal vermuten. So ist es bei vielen Leuten. Für jemanden mag ein Staubkorn unheimlich schmutzig und störend sein. Für jemanden anderes hingegen macht es nicht viel aus.
Zufriedene Kundschaft und ein klares Ergebnis
Das Schönste an seinem Beruf sei das Ergebnis. «Mein Team und ich erleben tagtäglich sogenannte «Vorher-nachher»-Momente.» Und diese gefallen dem Geschäftsführer besonders gut. Verglichen mit anderen Berufen, sehe er ziemlich klar einen Unterschied, nachdem er einen Auftrag abgeschlossen habe. Natürlich sei ihm auch eine zufriedene Kundschaft extrem wichtig, betont er. Das Endergebnis müsse schliesslich nicht nur ihm passen. Er grinst.
Am liebsten habe er Aufträge, die nicht tagtäglich seien. Unter anderem gehören Bodenreinigungen und Schutzbehandlungen dazu. «Weil sie nicht zu den 08/15-Aufträgen gehören», fügt er an. Aber auch Wintergärten, Fassaden und Glasdächer seien speziell, denn nicht jede Firma könne solche Aufträge übernehmen.
Die Dauer einer Reinigung variiert je nach Auftrag. Bei Aboverträgen kann sich eine Reinigung bis zu mehreren Jahren hinziehen. Bei einmaligen Aufgeboten oder Spezialaufträgen sind es meistens ein paar Stunden oder Wochen.
«Nein sagen» tut man nicht gerne, meint Patric Schlegel. Es gebe Ausnahmen, wenn die Sicherheit seines Teams auf dem Spiel stehe oder die Arbeit mit einem grossen Mehraufwand verbunden sei. Dann müsse er den Auftrag je nachdem absagen. «Aktuell steht eine neue Schulung für mein Team an, in der meine Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen lernen, auch mal Stop zu sagen, wenn ein Aufgebot nicht den Sicherheitsvorkehrungen entspricht», erzählt Patric Schlegel.
Erinnerungen
«Es gibt schon einige Fälle, die aussergewöhnlich waren», blickt der Chef zurück. Sei es ein nicht so schöner Fall oder aber auch einfach nur seltsam – die Erinnerungen seien sehr unterschiedlich. «Ich habe eine hohe Hemmschwelle», meint er, «aber bei ein, zwei Fällen war es schon sehr unangenehm. Vor allem der Geruch von Verwesung ist schlimm.» Er schüttelt sich leicht bei der Erinnerung daran. Auch vom Strom genommene Kühlschränke, deren Inhalte wieder zu «leben» angefangen haben, seien kein Leichtes für schwache Mägen. Es gebe immer wieder Anfragen, die nicht alltäglich seien.
Spezielle Systeme und Techniken
Je nach Hygienestandards wird nach dem Farbsystem gereinigt. Blaue Lappen für Oberflächen, wie zum Beispiel von Tischen, Stühlen, Regalen und Lampen. Grün wird für das Reinigen der gesamten Arbeitsflächen in der Küche genutzt. Gelb wird bei Sanitärobjekten wie Waschbecken und Duschen verwendet. Und Rot beim WC-Reinigen und allem drum herum. Dieses Farbsystem sei dafür da, dass man nach dem WC-Reinigen nicht mit demselben Lappen auch noch den Schreibtisch putze, fügt Patric Schlegel hinzu. «Für das Reinigen der Spitäler sind wir nicht zuständig – jedoch werden wir regelmässig von Hausarzt- und Zahnarztpraxen angefragt, um dort sauber zu machen. Bei gewissen sogar täglich.» Der Geschäftsführer lächelt zufrieden.
Andere Wahrnehmung
Die Corona-Pandemie sei eine sehr ungewisse Zeit gewesen für das Reinigungsgeschäft. «Viele haben gedacht, dass bei uns die Bude gestürmt werden würde, weil so viele Aufträge reinkommen würden, aber das war etwas anders», berichtet Patric Schlegel. Es gebe nämlich einen Unterschied zwischen der gewöhnlichen Reinigung und dem Desinfizieren. «Das benötigt je nach Verschmutzungsgrad einen separaten oder zusätzlichen Arbeitsschritt», stellt er klar.
«So, wie ich das sehe, hat sich die allgemeine Wahrnehmung der Hygiene in den letzten Jahren stark verändert.» Vor allem in Bezug auf Desinfektion – seien es die Hände oder eine Arbeitsoberfläche. Nach oder während der Pandemie vor allem. «Mir ist aufgefallen, dass wir während der Corona-Pandemie viel öfters Desinfektionsspender auffüllen mussten als zum Beispiel heute.» Zwar seien der Gebrauch und die Nachfrage nach Desinfektionsmittel zurückgegangen, nachdem die Corona-Pandemie ihren Höhepunkt erreicht hatte, aber die Leute würden sich heute intensiver mit dem Thema beschäftigen. Auch die Technologie sei nicht stehen geblieben. Heute gebe es viele akkubetriebene Gerätschaften. Diese wiederum unterscheiden sich in ihrer Grösse und in ihrem Gewicht.
Ebenfalls ein grosses Thema seien Arbeiten auf Leitern. Bei der Arbeit in der Höhe gebe es immer strengere Vorschriften. Man dürfe zum Beispiel auf einer Leiter nur noch bis zu zwei Metern Höhe arbeiten, ausser es seien Kurzeinsätze. Ausserdem werde heute beim industriellen Reinigen oft mit entmineralisiertem Wasser gearbeitet. Der Vorteil hierbei sei, dass man nach dem Reinigen nicht noch nachtrocknen müsse. Man könne es einfach runterwaschen, da das Wasser keine Fremdstoffe enthalten und keine Kalkablagerungen hinterlassen würde. «Die Bushäuschen, die man überall in Chur sehen kann, werden übrigens auch mit dieser Methode geputzt», verrät der Gebäudereinigungsfachmann.
Privat und Industrie
Grundsätzlich nehme die Reinigungsfirma Jumbo zwei verschiedene Arten von Aufträgen an. Zum einen die Unterhaltsreinigungen (regelmässige Einsätze) und zum anderen die Spezialreinigungen. Zu letzterem gehören unter anderem Wintergärten, Fassaden und Glasdächer. Die beiden Arten würden sich stark voneinander unterscheiden, sagt Patric Schlegel. Bei den Unterhaltsreinigungen handelt es sich um die «normalen» Fälle, bei denen sich die Handgriffe stetig wiederholen. Bei den Spezialreinigungen gebe es wiederum andere Abläufe. Es werden zum Beispiel immer wieder Schulungen zum Thema «Persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz» gemacht, an denen das Personal lernt, wie man umzugehen hat, wenn man von irgendwo runter gesichert wird.»
Nachhaltigkeit spielt auch bei Reinigungsfirmen eine wichtige Rolle. «Man spürt den Wandel von Chemikalien zu natürlichen Putzmitteln je länger, je mehr», meint der Geschäftsführer dazu. Es werde im Übrigen auch immer mehr vorausgesetzt, dass zertifizierte Produkte mit einem Ökolabel bei der Reinigung benutzt werden. «Es gibt auch immer mehr Privatpersonen, die Wert auf natürliche Produkte legen», schliesst er. Bevor sich der Chef verabschiedet, gibt er noch ein paar Putztipps mit auf den Weg, auf die er als Profi schwört (siehe www.buendnerwoche.ch).
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