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Gian und Giachen: Wie zwei kultige Steinböcke Graubünden mit Humor und Charme repräsentieren

Mit Witz werben Gian und Giachen. Hier erfahrt ihr, was eigentlich hinter den beiden kultigen Bündner Steinböcken steckt. Sicher ist: Seit über 15 Jahren sorgen sie für Lacher.

Bündner Woche
21.11.24 - 11:00 Uhr
Leben & Freizeit

von Susanne Turra

«Luag, jetz luagends wider.» «Sie henn halt no nia Sunna gseh.» «Hey Bleichländer, nit truurig sii.»

Wehe, wenn sie losgelassen. Gian und  Giachen. Dann nehmen sie die Unterländer Gäste ganz schön aufs Korn. Und dabei setzen sie sich auch gleich gegenseitig Hörner auf. Hoch oben auf dem Berg  beobachten sie das emsige Treiben der Menschen da unten. Mit Argusaugen. Und offenen Ohren. Und dann wird kommentiert. Mit spitzer Zunge. Und das nicht zu knapp. Gian und Giachen. Steinböcke. Waschechte Bündner. Botschafter. Beobachter vom Berg. Werber mit Charme und Witz.

Es ist Mittwoch, gegen Abend, in Chur. «Eigentlich sind Gian und Giachen ja gar keine Steinböcke», betont Gieri Spescha, Geschäftsleiter Marke Graubünden, im Gespräch. «Sie sind einfach zwei Bündner, die über die Unterländer Gäste frotzeln.» Dennoch. Sie kommen als Steinböcke daher. Genau das ist der Punkt. Und gleichzeitig die Kunst. Gian und Giachen sind charmant, lustig, nie übertrieben, nie negativ. Und sie haben einen umwerfenden Dialekt. Vor allem aber sind sie Tiere. Ohne Clown-Nase. Nicht vermenschlicht. Echt. «Sie bleiben im Wesen ein Tier», bestätigt Marc Held, Leiter Campaigns Graubünden Ferien. «Und als Tier nimmt man ihnen den Witz ab.» Tiere und Kinder gehen immer in der Werbung. Da ist dieser Jöö-Effekt. Der Sympathiebonus. Und der Bündnerbonus. Lustigerweise werden die Geschichten von Gian und Giachen in einer Zürcher Agentur geschrieben. Hinter dieser Brille können die kreativen Köpfe natürlich bestens einschätzen, was und wie viel davon es verträgt. 

«Patgific. Das isch Graubünda»

Zurück auf den Berg. 

«Patgific.» «Patgific.» «A kli Sunna am Grind.» «Am Füttla kli Wind.» «Das isch miis Wintertraumland.» «Das isch Graubünda.»

Und wieder in der Stadt. «Die Tourismuswerbung in Graubünden hat schon immer mit einem (selbst-)ironischen Ton gespielt», so Gieri Spescha. «Schon Ende der Neunzigerjahre wurden Geschichten mit einem Augenzwinkern erzählt.» Sich selber nicht zu ernst und nicht zu wichtig nehmen. Das verkörpern auch Gian und Giachen. Werbung muss unterhalten. Trotzdem. «Mit Humor zu arbeiten, ist eine Herausforderung», gibt Marc Held zu verstehen. «Humor ist vielseitig. Und er wird unterschiedlich aufgenommen.» Da gilt es, die Balance zu halten. Und so wird damals auch gleich ein Leitfaden für Gian und Giachen entwickelt. Was machen sie? Und was machen sie nicht? Auftrag und Funktion sind damit klar definiert. Die Steinböcke sind Beobachter. Und Zuhörer. Was sie von Menschen aufschnappen, versuchen sie zu verstehen und zu adaptieren. Sie sind aber kein Newskanal. Dafür wäre nur schon die Produktion dieser Spots viel zu aufwendig. Ein Spot braucht zwei bis drei Monate, bis er fertig ist. «Es gibt zu jedem Spot ein Skript», erklärt Marc Held. Die Macher von Graubünden Ferien und der Marke Graubünden geben das Thema vor. Die gewünschte Botschaft. Und dann kommt die Agentur in Zürich zum Zug. Dort wird die Geschichte geschrieben. Und den Steinböcken sozusagen in die Mäuler gelegt. Später wird das Skript im Tonstudio aufgenommen. Und Gian und Giachen werden computeranimiert visualisiert.

Gieri Spescha: «Die Tourismuswerbung in Graubünden hat schon immer mit einem (selbst-)ironischen Ton 
gespielt.»
Gieri Spescha: «Die Tourismuswerbung in Graubünden hat schon immer mit einem (selbst-)ironischen Ton gespielt.»
Marc Held: «Die Zielgruppe ist mit Gian und Giachen 
gewachsen.»
Marc Held: «Die Zielgruppe ist mit Gian und Giachen gewachsen.»

Zurück auf den Berg. 

«Luag. Dött kömmends entlich wieder uffa noch Graubünda.» «Baika, haika, Rucksack schlaika.» «Was macht ma nit alles für z Publikum.»  

Und wieder in der Stadt. «Gian und Giachen sind eine geschützte Marke», betont Gieri Spescha. Seit 2007 gibt es diese Werbung. Und sie ist zur Erfolgsgeschichte geworden. Nicht zuletzt auch wegen der legendären und authentischen Stimmen des Bündner Comedian Claudio Zuccolini als Gian und des Churer Musikers Sergio Greco als Giachen. Übrigens ist Giachen der weit weniger schlaue, ruhige und gemütliche Steinbock. Gian ist da schon sehr viel aktiver, belehrend, fordernd und frech. Rund 20 Spots sind bisher aufgenommen worden. Auf Youtube gibt es eine Playlist davon. «Der ganze Medienkonsum hat sich in dieser Zeit massiv gewandelt», gibt Gieri Spescha zu verstehen. «Die Zielgruppe ist mit Gian und Giachen gewachsen», ergänzt Marc Held. «Die junge Generation kennt die beiden Steinböcke vielleicht noch über das Elternhaus oder gar nicht.» Künftig sollen die Kultsteinböcke deshalb auch vermehrt Einzug in die digitale Welt haben. In die Kinderstube sind Gian und Giachen ja schon vor gut zehn Jahren eingezogen. Mit einem Kinderbuch. Mittlerweile gibt es schon vier davon. Eine Erfolgsgeschichte, auch hier. So oder so. Gian und Giachen sind Kult. Sie werden geliebt, gehegt, gepflegt, geschützt und weiterentwickelt. Sie haben einen Wert. 

Und wie hat es angefangen? Der Blick auf den Berg verrät es. 

«Kämpfa, kämpfa, khumm!». «Karbon statt Kondition.» 

Zu gerne nehmen die beiden Steinböcke die Bikenden aufs Korn. Ein ikonischer Spot. Und Wegbereiter für alles, was folgt.

Alle Spots von Gian und Giachen findet ihr hier.

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GRF behauptet selbstgefällig, "Gian und Giachen" und die weiteren GRF-"Strategien" wie "Fotografierverbot Bergün" oder das "Dorftelefon Tschlin" oder die Aktion 2015 "Vrin wirbt im Hauptbahnhof Zürich um gestresste Städter" oder "Stadtpolizei ZH interveniert, Es droht eine Anzeige: Arosa-Bänkli in Zürich müssen wieder weg (20min.ch)" usw. seien maximal erfolgreich.
Ich behaupte (via meine Kommentare, Leserbriefe und Websites) seit jeher das Gegenteil.

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