Gründungsmitglied wenige Tage vor der Schlagerparade: «Schlager ist ein Gefühl»
Ende September wird die traditionelle Schlagerparade in Chur nochmals so richtig gefeiert. Doch wegen des Neubaus der Stadthalle ist unklar, wie der Anlass nächstes Jahr über die Bühne gehen wird.
Ende September wird die traditionelle Schlagerparade in Chur nochmals so richtig gefeiert. Doch wegen des Neubaus der Stadthalle ist unklar, wie der Anlass nächstes Jahr über die Bühne gehen wird.
Von Andri Dürst
Zum Termin in Chur kommen die beiden Gesprächspartner getrennt – denn sie haben sich zuvor noch nie persönlich getroffen. Dabei haben sie viel gemeinsam. Sowohl Marc Raguth Tscharner als auch Andy Stöckli arbeiten im weitesten Sinne in der Medien- und Kommunikationsbranche. Ersterer in einer Agentur, Letzterer in einer Druckerei. Deswegen sind die beiden aber nicht mit der «Büwo» verabredet, sondern wegen ihrer gemeinsamen Leidenschaft: der Schlagerparade Chur. Marc Raguth Tscharner ist Mitglied des aktuellen OK, während Andy Stöckli den Anlass 1997 zusammen mit zwei Mitstreitern auf die Beine stellte. Er blickt zurück: «Wir waren drei Wirte: Tom Leibundgut von Toms Beer Box, Tschämp Patigler von der Cava Grischa und ich von der American Sportsbar. Wir wollten etwas Leben in die Stadt bringen», umreisst das Gründungsmitglied das damalige Ziel. «Tom veranstaltete bereits einige Schlagerabende in seiner Bar. Ich entdeckte dann, dass es in Hamburg einen Anlass namens Schlagermove gibt. Das inspirierte uns, 1997 die erste Schlagerparade zu organisieren.»
Das Hossamobil steckte fest
In nur fünf Wochen habe man den Anlass aus dem Boden gestampft. Die Parade bestand damals nur aus einigen Oldtimern und Vespas sowie zwei Hossamobilen, auf denen damals noch Bands spielten – «Schlagerrahm» und «Roberto und die Blancos» hiessen die Formationen. «Der Begriff ‹Hossamobil› wurde übrigens von uns kreiert. Das ‹Hossa› stammt aus dem Lied ‹Fiesta Mexicana› von Rex Gildo und wurde an unserer Parade zum geflügelten Wort.» Die Erwartungen seitens OK waren nicht allzu gross. Umso mehr staunte man, als sich rund 3500 Menschen in die Poststrasse quetschten. «Das erste Hossamobil konnte gerade noch durch fahren, aber das zweite steckte lange beim Martinsplatz fest. Die Band auf dem Wagen spielte einfach fleissig weiter. Und so entstand dann die Idee, im darauf folgenden Jahr dort eine Bühne einzurichten», blickt Andy Stöckli zurück. Aufgrund der sehr guten Resonanz sei schnell klar gewesen, den Anlass erneut durchzuführen.
Immer grösser
Seither wird Chur jeweils am letzten Samstag im Monat zur Schlagerhauptstadt der Schweiz, wenn nicht gar des deutschsprachigen Raums. Der immer grösser gewordene Anlass füllt seither den Wirten nicht nur die Nachtlokale, sondern beschert den Hotelières weit herum gute Logierzahlen. Lange Jahre war der Eintritt an die Schlagerparade sogar gratis – finanziert wurde der Event mit Sponsorings, durch den Verkauf von Programmheften sowie mittels einer Festwirtschaft. Dass dieses Konzept aufging, habe man in erster Linie dem Wetter zu verdanken, meint Andy Stöckli. «Wir hatten in den allermeisten Fällen Glück mit dem Wetter. Die Zeitungen titelten mehrmals, dass Petrus Schlagerfan sei. Hätten wir zwei, drei Ausgaben mit schlechtem Wetter nacheinander gehabt, hätte uns das das Genick gebrochen.»
Ganz so abhängig ist man heute nicht mehr. Nachdem die Schlagerparade nach den Rücktritten der Gründungsmitglieder eine Zeit lang vom Team des Openairs St. Gallen organisiert worden war, übernahm 2017 eine neue Gruppe die Organisation. «In jenem Jahr wurde die Schlagerparade ein letztes Mal als reine Freiluft-Veranstaltung durchgeführt. 2018 wurde dann erstmals die Stadthalle miteinbezogen und der Anlass auf zwei Tage ausgedehnt», erzählt Marc Raguth Tscharner. Auch wenn vonseiten der Gastronomiebetreibenden aus der Altstadt Kritik aufkam, bewährte sich aus Sicht des OK-Mitglieds das neue Konzept. «Wir schauen, dass wir zunehmend auch jüngere Showacts ins Programm nehmen, wie beispielsweise Vincent Gross, der dieses Jahr am Freitag auftritt.» Denn die älteren Stars würden zunehmend älter – wie lange sie noch Auftritte bestreiten können, sei unklar. «Dafür haben wir am Samstagabend dann tolle Coverbands im Programm, die mit den Klassikern das Publikum begeistern werden.»
Wohin geht es in Zukunft?
Doch heuer könnte die letzte Schlagerparade in diesem Rahmen stattfinden. «Bekanntlich soll die alte Stadthalle abgerissen werden. Die Neue wird auf der Oberen Au zu stehen kommen – und somit sehr weit weg sein vom bisherigen Gelände», so der Blick in die Zukunft. Klar sei, dass es auch 2026 eine Schlagerparade geben wird. «Wie die Pläne genau aussehen, das ist noch nicht spruchreif», meint Marc Raguth Tscharner dazu. Ein wichtiger Punkt sei nach wie vor die Finanzierbarkeit. Aus Sicht des Organisators müsste auch die öffentliche Hand Interesse an einer Durchführung haben. «Rund 30'000 bis 35'000 Leute feiern jeweils mit. Entsprechend gut sind die Hotels weit über die Stadtgrenzen hinaus ausgelastet. Viele treue Fans buchen ihr Hotelzimmer bereits ein Jahr im Voraus.»
Ausgelassen und friedlich
Die Fans sind nicht nur treu, sondern auch im Allgemeinen sehr friedlich, wie Marc Raguth Tscharner betont. «Die Schlagerparade ist ein ausgelassenes, aber dennoch friedliches Fest. Das hat wohl damit zu tun, dass viele Fans in eine Rolle schlüpfen, viele kommen ja verkleidet an die Parade.» Die Fröhlichkeit der Menschen zu sehen, das sei sein Ansporn, beim Anlass mitzuwirken.
Andy Stöckli vergleicht die Schlagerparade mit der Fasnacht. «Es ist einfach ein gutes Fest, und man freut sich sehr, wenn es endlich stattfindet.» Gespielt wird an der Schlagerparade übrigens in erster Linie «alter» Schlager. Welches sind denn für die beiden Herren die Lieder, die niemals fehlen dürfen? Andy Stöckli überlegt kurz und meint dann «Für mich ist es ‹Ohne dich› von Münchener Freiheit. Ich kenne zwar kaum andere Lieder dieser Band, aber genau dieser Song ist sehr einprägsam und darf nicht fehlen.» Für Marc Raguth Tscharner ist es ebenfalls klar, welcher Hit nicht fehlen darf: nämlich das vorhin erwähnte ‹Fiesta Mexicana› von Rex Gildo. Denn spätestens dann heisst es offiziell «Hossa» und die Churer Schlagerparade wird einmal mehr in vollem Gange sein.
Schlagerparade Chur 2025
Am Freitagabend, 26. September, geht es los mit der diesjährigen Schlagerparade. In der Stadthalle Chur steigt ab 18 Uhr die Party. Gleich drei Hauptakts werden für Stimmung sorgen: Ross Antony, Vincent Gross und die Esteriore Brothers. Als Ausklang gibt es eine «Ciao Amore Party» mit DJ Tommy.
Am Samstag, 27. September, geht es bereits um 10 Uhr los, wenn auf dem Alexanderplatz die Einschunkelparty mit No Name Divas losgeht. Um 14 Uhr startet dort dann die grosse Parade, die via Grabenstrasse, Malteser und Welschdörfli zum Stadthallen-Areal führt. Während DJ Mäsa und Rex David draussen für Stimmung sorgen, stehen in der Halle die Konzerte von «Hossa Nova», «Die barmherzigen Plateausohlen» und «Schlagrahm» auf dem Programm. Abgerundet wird der Abend von einer Schlagerparty mit DJ Tommy und DJ Chris.
www.schlagerparade.ch
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