×

Osterfest mit Aussicht: Warum Eierputschfans nach Putz pilgern

Seit einigen Jahren findet auf Burg Castels im Prättigau am Ostermontag ein einzigartiger Wettbewerb statt. Was ist das Geheminis hinter dem Anlass?

Bündner Woche
20.04.25 - 04:30 Uhr
Leben & Freizeit
Traditionell: Seit Jahren werden in der Burg Castels Feste wie Geburtstage, Hochzeiten und das Osterfest durchgeführt.
Traditionell: Seit Jahren werden in der Burg Castels Feste wie Geburtstage, Hochzeiten und das Osterfest durchgeführt.
Archiv

Von Lara Buchli

«Sehr familiär und traditionell.» So beschreibt Armin Pleisch das jährliche Spektakel in Putz. Er ist Präsident der Gastroputz Genossenschaft und ist selbst mit dieser Tradition aufgewachsen. «Stellen Sie sich das Osterfest so vor: Man ist in einer Burgruine hoch oben über dem Prättigau und geniesst den Ostermontag gemeinsam mit der Familie und den engsten Freunden und Freundinnen. Die Aussicht dabei ist atemberaubend», berichtet Armin Pleisch verträumt.

Bereit zum Eierputschen: Die Teilnehmenden stehen sich in je zwei Reihen gegenüber.
Bereit zum Eierputschen: Die Teilnehmenden stehen sich in je zwei Reihen gegenüber.
Armin Pleisch

Spitz auf Spitz und «Füdli» auf «Füdli»

Die Regeln sind klar: Am Ostermontag kann man sich vor Ort ein Ei auswählen, welches den offiziellen «Kampfei»-Richtlinien entspricht. So ein Ei kann man auf dem Festareal bei einer mobilen Verkaufsstelle erstehen. Übrigens sind alle Eier unterschiedlich und ganz besonders. Denn die Frauen der Genossenschaft Gastroputz haben diese von Hand und mit Liebe gefärbt. Anschliessend werden die Eier noch geprüft. Erst, wenn alles gut ist, werden sie zugelassen. Denn am Wettbewerb sind nur die offiziellen und gekennzeichneten Eier gestattet. Wieso das so ist? Dazu später mehr. Doch wie kam dieses Fest überhaupt zustande? Der Präsident erklärt, dass sich in den 60er-Jahren ein paar Leute zu einer Fraktionsgenossenschaft zusammengetan haben. Circa 20 Jahre später – 1983 – ging ihnen dann langsam das Geld aus. Sie mussten sich überlegen, wie sie das Finanzloch stopfen konnten. In ihrer Not erschufen sie etwas, was Jahrzehnte später tief in der Gesellschaft verankert sein wird. Das Putzer Osterfest. Angefangen mit einem simplen «Eierputschen», kam immer mehr hinzu, bis schliesslich ein kleiner Event daraus entstanden ist. Die Gäste werden von der Gastroputz Genossenschaft umsorgt und können am Essensstand klassische Leckereien schnabulieren. Wurst mit Brot, diverse Kuchen und andere Süssigkeiten. «Das gibt es schon, seit ich mich erinnern kann», blickt Armin Pleisch zurück.

Feststimmung: Schönes Wetter lässt die Herzen der Burgreundinnen und -freunden stets höher schlagen.
Feststimmung: Schönes Wetter lässt die Herzen der Burgreundinnen und -freunden stets höher schlagen.
Armin Pleisch

Den kleineren Gästen werden unterschiedliche Spiele angeboten und ausserdem können sie auf Ponys sowie Eseln reiten. Und während all dem wird der Anlass von einer Musikgesellschaft umrahmt. «Oder von jemandem, der oder die ‹Örgali› spielen kann», fügt Armin Pleisch hinzu.

«Eierputschen»

Das Ganze findet am Nachmittag statt. Jedoch nur bei gutem Wetter. Denn wenn es regne und das Wetter lausig sei, sei es einfach weniger schön, lautet Armin Pleischs Meinung dazu.

Sobald alle ihr Ei parat haben, stellt man sich in zwei Reihen gegenüber. Das Wettkampfkomitee behält dabei alle Teilnehmenden im Auge und achtet darauf, dass niemand schummelt. Jetzt wird «geputscht». Die Eier, die nach der ersten Runde noch ganz sind, kommen automatisch in die zweite Runde. Alle angebrochenen Eier kommen in eine Hoffnungsrunde. Aus der Hoffnungsrunde heraus wird dann der dritte Platz belegt. Und die restlichen, kaputten Eier sind ausgeschieden. Das Ganze wird so lange wiederholt, bis nur noch zwei Leute – respektive zwei Eier – übrig sind. Jetzt kämpfen noch die beiden letzten Dickschädel gegeneinander oder aufeinander und es wird entschieden, wer auf den ersten beiden Rängen landet. Und keine Angst! Die Eier werden anschliessend alle gegessen. Nicht nur, um der Lebensmittelverschwendung entgegenzuwirken, sondern auch, um sicherzugehen, dass niemand sein Ei mit Gips ausgestopft hat. «Gipsdoping», wie Armin Pleisch es nennt. Die Eier werden deshalb gegessen, weil früher oft geschummelt wurde und jeder sein ganz persönliches und speziell präpariertes Ei mitgenommen habe. So auch der Präsident der Genossenschaft. Ein spitzbübisches Grinsen breitet sich auf seinem Gesicht aus, während er erzählt. «Einmal habe ich ein Ei in einen Ameisenhaufen gelegt, weil ich dachte, dass die Säure mein Ei stabiler machen würde. Im Nachhinein war die Kombination von Kalk und Säure wohl nicht so schlau.» Er lacht. Das Ganze klingt, als wäre es ein Riesenwettkampf, aber in Wahrheit dauere das «Eierputschen» gerade mal zwischen 15 und 20 Minuten.

Auch für den Spass der kleineren Gäste ist gesorgt: Sie können auf Ponys oder Eseln reiten und Spiele spielen.
Auch für den Spass der kleineren Gäste ist gesorgt: Sie können auf Ponys oder Eseln reiten und Spiele spielen.
Armin Pleisch

«Heerox»

Das Siegerei wird «Heerox» genannt. Doch was bedeutet das überhaupt? «Das weiss ich jetzt auch nicht so genau», lautet Armin Pleischs Antwort und er zuckt entschuldigend mit den Schultern. Es heisse einfach immer schon so. «Das steht bestimmt irgendwo in einem Prättigauer-Buch», murmelt er, dreht sich um und macht sich dran, in einem Bücherregal zu suchen. Ehe er kurz darauf die Hände verwirft und meint: «Vermutlich hat es etwas mit der ‹Heerchua› zu tun. So nennt man bei uns die stärkste Kuh der Herde.» Ein wenig später findet er dann die Bedeutung. Und es ist so, wie er es gesagt hat: Heerox bedeutet der Sieger oder die Siegerin in einem Gebiet zu sein. Wie zum Beispiel beim «Eierputschen». Aber wie dem auch sei. «Heerox» hin oder her. Das Osterfest auf der Burg Castels in Putz ist und bleibt aussergewöhnlich. Hoch oben im Prättigau, inmitten alter Gemäuer. Da, wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen und wo «Füdli» auf «Füdli» Eier geputscht werden. Und so lange es diese Tradition schon gibt, soll es sie auch noch weiterhin geben.

Inhalt von buew logo
Kommentieren
Wir bitten um euer Verständnis, dass der Zugang zu den Kommentaren unseren Abonnenten vorbehalten ist. Registriere dich und erhalte Zugriff auf mehr Artikel oder erhalte unlimitierter Zugang zu allen Inhalten, indem du dich für eines unserer digitalen Abos entscheidest.
Mehr zu Leben & Freizeit MEHR