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Da ist kein Haken dran: In Zizers stehen Fischerinnen und Fischer Schlange

Ein Fischer-Lädali kann erfolgreich sein? Koni und Gerda Battaglia beweisen dies seit einem Jahrzehnt in Zizers. Ein Gespräch in einem spezielle Geschäft, das sich laufend den Trends anpasst.

Bündner Woche
01.05.25 - 15:00 Uhr
Leben & Freizeit
Das stolze Verkaufsduo: Gerda und Koni Battaglia.
Das stolze Verkaufsduo: Gerda und Koni Battaglia.
Lara Buchli

Von Lara Buchli

Wenn man in Zizers die Kantonsstrasse Richtung Igis entlangläuft, kommt man früher oder später an einer Tafel vorbei, auf der es heisst: «Fishing Products Battaglia». Fischereiartikel. Der kleine Laden befindet sich direkt im Untergeschoss des Zuhauses von Koni Battaglia – dem Besitzer des Fischereigeschäfts – und seiner Frau Gerda. Sobald man den kleinen Laden betritt, kündigt ein fröhliches Gebimmel den Besuch an. Sogleich hat man das Gefühl, eine andere Welt zu betreten. Man wird von Ködern und kleinen Gummifischchen in den Bann gezogen und weiss vor lauter Farben und Löffeln gar nicht mehr, wo man hinschauen soll. Sogleich eilen Battaglias zur Hilfe. Seit zehn Jahren macht das Paar auch beruflich gemeinsame Sache und führt den Fischereiartikel-Laden. Die beiden setzen sich der «Büwo»-Schreibenden gegenüber und beginnen zu erzählen.

Vor dem Laden steht ein Automat. In diesem befinden sich unzählige Köder, kleine Würmer und Haken – alles, was das Fischerherz begehrt.
Vor dem Laden steht ein Automat. In diesem befinden sich unzählige Köder, kleine Würmer und Haken – alles, was das Fischerherz begehrt.
Lara Buchli

Gute Zeiten

«Ich fische seit nunmehr 46 Jahren», beginnt Koni Battaglia. Er freue sich sehr, dass die Fischereisaison bald wieder anfange. Am 1. Mai ist es nämlich wieder so weit. Doch wie kam der 62-Jährige überhaupt zu diesem Hobby? Und was hat es mit dem Laden in Zizers auf sich?

«Angefangen hat alles mit 16, als ich meinen ersten Fisch gefangen habe ...», blickt der Ladeninhaber zurück und lächelt verträumt. «Das war in Reichenau am Rhein. Dort hat mich mein älterer Bruder aus dem Auto rausgelassen, mir eine Rute in die eine und einen Mepps – das ist die Herstellermarke eines Spinners – in die andere Hand gedrückt. Nach drei Stunden im Wasser hat dann einer angebissen und ich war überglücklich.» Ob er sich denn noch daran erinnern könne, was genau das für ein Fisch gewesen war? «Ein Regenbögler mit einer Länge von 32 Zentimetern», kommt seine Antwort wie aus der Pistole geschossen. Den ersten Fang vergesse man nie, unterstreicht Koni Battaglia und lacht. Seine Partnerin nickt und stimmt in sein Lachen ein. Sie selbst ist keine Fischerin. Aber sie unterstützt ihren Mann, wo immer sie kann. «Wenn Koni gerade mal mit der Reparatur einer Angel beschäftigt ist, empfange ich die Kundschaft und berate sie. So gut es eben geht», fügt sie an und grinst schief.

Ein Blick hinter die Kulisse: Koni Battaglia bindet innert Sekunden eine Fliege.
Ein Blick hinter die Kulisse: Koni Battaglia bindet innert Sekunden eine Fliege.
Lara Buchli

Filigranes Handwerk

«Die Fliegen hier binde ich selbst», fährt er fort und deutet auf eine Wand voller weisser Zettel mit kleinen bunten Knöpfen darauf (erstes Bild unten). Löffel und Spinner mache er ebenfalls eigenhändig. Zur Erklärung: Fliegen werden beim Fliegenfischen benutzt. Dabei handelt es sich nicht um echte Fliegen, sondern um künstliche Köder, die wie kleine Insekten aussehen. Sie bestehen zum Beispiel aus Federn, Fäden und anderen Materialien. Löffel hingegen werden beim Aktivfischen benutzt. Ein Spinner (zweites Bild unten) besteht aus einer stabilen Achse aus rostfreiem Stahl. An dieser befinden sich ein gebogenes, ovales Spinnerblatt, ein Körper sowie ein Haken. Die Oberfläche des Spinnerblatts kann unterschiedlich gestaltet sein – wie zum Beispiel mit Silber- oder Goldbeschichtung.

Koni Battaglia ist längst kein Anfänger mehr, sondern ein Profi, was das Binden einer Fliege angeht. Ein Stück bindet er in einer bis zweieinhalb Minuten und für die Beschichtung eines Löffels benötigt er ungefähr fünf Minuten. «Vor einigen Jahren habe ich zudem eine eigene Maschine erfunden, die die einzelnen Knöpfe der Fliegen binden kann. Und so eine Maschine hat es bis heute kein zweites Mal gegeben», erzählt der 62-Jährige stolz.

Seit 15 Jahren führt Koni Battaglia neben dem physischen Laden auch noch einen Onlineshop. Mittlerweile stehen dort über 4000 Produkte zum Verkauf bereit. Der Online-Shop ist nicht mehr wegzudenken, meint der Fischer fest überzeugt. Seine Ehefrau nickt zustimmend. «Ausserdem bieten wir eine extrem schnelle Zustellung der Bestellungen an», wirft Gerda Battaglia dazwischen und Koni ergänzt: «Das stimmt! Wer heute eine Bestellung tätigt, bekommt morgen schon ein Päckchen und kann direkt ‹go fischa›.»

Die Aufgabe der Battaglias besteht jedoch nicht nur aus Verkauf und Beratung. Koni Battaglia steht von seinem Stuhl auf und führt durch den Laden in den hinteren Bereich. Dort befindet sich eine kleine Reparaturstation mit dem nötigen Werkzeug und einigen Ersatzteilen. «Das Reparieren von kaputten Fischerruten ist ebenfalls ein grosser Teil von unserem Job.»

Lara Buchli
Lara Buchli

Als das Paar von der Kundschaft zu sprechen beginnt, leuchten ihre Augen. Man spürt, dass die Leute nicht einfach nur Geld bei ihnen lassen, sondern noch vieles mehr. Battaglias werden mit Dankbarkeit belohnt. Wärme. Verständnis und Geborgenheit. Es laufe deshalb folgendermassen ab: «Man muss einfach einen super Service bieten, weil man heutzutage einfach alles auch online bestellen kann. Mit nur ein paar wenigen Klicks. Dazu braucht es keinen Laden mehr. Umso wichtiger ist daher die Beratung von Kundinnen und Kunden.»

Und genau aus diesem Grund sind die beiden auch so froh, dass der Laden an der Kantonsstrasse so gut läuft. «Die Kundschaft möchte in den Laden hereinkommen, die Sachen anschauen, in die Hände nehmen und vor allem wollen sie eine persönliche Beratung», sagt Koni Battaglia. «Und das bekommt man eben nur vor Ort.» Unter den Kunden und Kundinnen würden sich auch viele Anfänger und Anfängerinnen befinden, die lieber vorbeikommen und sich Face-to-Face beraten lassen würden, als sich online durchzulesen. Darunter würden sich auch viele junge Leute befinden. «Es kommt oft vor, dass ein junges Mädchen mit ihren Eltern hereinspaziert kommt oder ein junger ‹Burscht›, der mit seinem Papa fischen gehen möchte. Solche Begegnungen sind immer etwas ganz besonderes», verrät der Inhaber und lächelt. Oft passiere es auch, dass sich jemand bereits über ihren Online-Shop informiert hat und dann mit einer Liste vorbeikommt. «Manche mögens eben noch altmodisch», scherzt Koni Battaglia.

«Die Kundschaft möchte in den Laden hereinkommen, die Sachen anschauen, in die Hände nehmen und vor allem wollen sie eine persönliche Beratung», sagt Koni Battaglia.
«Die Kundschaft möchte in den Laden hereinkommen, die Sachen anschauen, in die Hände nehmen und vor allem wollen sie eine persönliche Beratung», sagt Koni Battaglia.
Lara Buchli

Köderautomat

Ganz im Gegenteil zum Stichwort «altmodisch» kommt die nächste Errungenschaft eher modern daher. Vor dem Laden steht nämlich ein Automat. Doch die Snacks darin sind nicht für den Verzehr gedacht. Zumindest nicht für Menschen. In diesem Automaten befinden sich unzählige Wobbler, also kleine Kunstfische. Aber auch Würmer und Haken – alles, was das Fischerherz begehrt. Wenn man also etwas brauchen sollte, und der Laden gerade geschlossen hat, kann man sich einfach am Automaten bedienen. Da «Fishing Products Battaglia» dieses Jahr sein 10-jähriges Bestehen feiert, kommt die Frage nicht überraschend, was sich denn im Bereich Fischen in den letzten Jahren verändert hat. Koni Battaglia bläst die Backen auf und stösst beim Nachdenken langsam wieder die Luft raus. «Wir lernen immer wieder von unseren Kunden und Kundinnen und bekommen so mit, was gerade angesagt ist. Besonders Kunstköder wie Wobbler oder Ersatzprodukte für Bienenmaden und Würmer sind in den letzten Jahren aufgekommen.» Mittlerweile würden gar nicht mehr alle Fischer und Fischerinnen echte Würmer benutzen, meint Koni Battaglia zum Abschluss. Doch eines ist klar: Egal, wie sehr sich das Fischen noch verändern wird – Koni und Gerda Battaglia bleiben dem Hobby treu.

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