Theater-Brüder wollen Brücken schlagen
Beni und Christian Hunziker aus Hätzingen machen seit rund einem halben Jahr professionell Theater. In ihrem neuen Stück «Die Brücke» wollen die Brüder das Publikum nicht nur mit ihrem Humor unterhalten, sondern auch zum Nachdenken anregen.
Beni und Christian Hunziker aus Hätzingen machen seit rund einem halben Jahr professionell Theater. In ihrem neuen Stück «Die Brücke» wollen die Brüder das Publikum nicht nur mit ihrem Humor unterhalten, sondern auch zum Nachdenken anregen.
Beni und Christian Hunziker machen Theater, um das Publikum mit ihrem subtilen Humor zu unterhalten. Aber nicht nur: «Wir wollen die Leute auch anregen, Sachen zu hinterfragen und nachzudenken. Keinesfalls wollen wir aber belehrend sein», sagt der Schauspieler Christian. Die in Hätzingen wohnhaften Brüder machen unter dem Namen Bruderboot seit August des letzten Jahres professionelles Theater und leben davon. «Uns selbstständig zu machen, war ein Herzenswunsch», sagt Christian, «gespickt mit einer Prise Naivität und Gottvertrauen», ergänzt Beni mit einem Augenzwinkern.
Letztlich sei das Ganze ein Experiment, denn am Ende des Monats würden die beiden Familienväter Geld benötigen, um die Rechnungen zu bezahlen. «Wir schauen Monat für Monat. Was in einem halben Jahr sein wird, wissen wir selber nicht. Wir haben zwar schon viel zusammen gearbeitet, dieses Projekt ist ein anderes Kaliber und nicht einfach», sagt der 37-jährige Christian. Falls es nicht funktionieren sollte, würde die Welt laut Beni nicht untergehen. «Ich könnte wieder als Primarlehrer arbeiten. Auf der Strasse leben müssten wir nicht.»
Nicht sonderlich romantisch
Im letzten halben Jahr haben die beiden ihre Firma aufgebaut, mit administrativem Papierkram und allem, was dazugehört, wie etwa die Website. «Eine Fleissarbeit, nicht wirklich romantisch», blickt der 38-jährige Beni zurück. Sie waren aber auch kreativ tätig. Speziell Christian, der an ihrem neuen Theaterstück «Die Brücke» gearbeitet hat (siehe Box). Schreiben, auch Theater für Kinder, tut in erster Linie der gelernte Schauspieler, der Theaterpädagoge Beni gibt Inputs.
Am Theatermachen fasziniert die Brüder, dass sie mit Menschen zusammenarbeiten können. «Es ist auch eine Brücke zu unterschiedlichen Menschen zu schlagen», so Christian. Mit viel Humor gespickt, was im Gespräch heraussticht. Die beiden Lachen oft, «denn Lachen hat etwas Heilendes und Befreiendes.» Wichtig ist ihnen, nicht einfach zu blödeln oder auf der Bühne den «Löli» zu spielen. «Wir wollen Humor mit Tiefgang machen, nicht oberflächlichen», erklärt Christian. Situationskomik. Wenn es eigentlich nicht angebracht ist, zu lachen, aber dennoch lustig ist. «Wir haben aber Werte, und für diese stehen wir ein. Keine Witze auf Kosten anderer, dies ist eine Grundregel.» Sie würden sich nur gegenseitig auf die Schippe nehmen, ergänzt Beni seinen Bruder mit einem Schmunzeln.
Manchmal reichts auch
Die beiden harmonieren im Gespräch, beenden dann und wann den Satz des anderen. «Manchmal reicht es aber auch, da brauchen wir jeweils etwas Abstand vom anderen», sagen die Gebrüder Hunziker unisono. Denn sie machen nicht nur gemeinsam Theater, sie wohnen auch unter einem Dach. «Selbst wenn wir früher schon viel zusammen machten und unsere Leidenschaft fürs Theater teilen, diese Situation ist neu für uns. Es ist eine neue Rolle und ein Prozess, dies mussten wir erst lernen.»
Zu diesem Prozess gehört ebenfalls, dass sie sich und ihr Stück ständig verändern. «Die erste Aufführung ist nicht gleich wie die 20. Wir glauben an stete Veränderung, es gibt nichts anderes. Es verändert uns, nichts funktioniert bei Stillstand, man muss sich ständig verändern», so Beni. Und wenn es die falsche Richtung sei, müsse man einfach korrigieren, ergänzt er mit einem Lachen.
Am Samstag, 24. Februar, kann man sich in der Aula der Kantonsschule in Glarus vom Schaffensprozess der beiden Brüder überzeugen. Dann findet die Premiere ihres neuen Stücks «Die Brücke» statt. «Es ist nicht autobiografisch, dennoch kommt viel aus unserem Leben rein. Dinge, die uns beschäftigen», erklärt Christian. Im Stück geht es um die Schuld. «Dies ist ein grosses Thema in der Gesellschaft. Dinge, die man nicht ungeschehen machen kann, aber damit leben muss.» Beni führt fort: «Man kann sich entscheiden, etwas zu unternehmen, mit dem Bewusstsein, vieles falsch zu machen. Keine Entscheidung ist auch eine Entscheidung.»
Kann es nicht allen recht machen
Die Entscheidung, sich selbstständig zu machen, ist für sie jedenfalls die Richtige. Auf den ersten Auftritt freuen sich die Brüder, und sie hoffen auf viele Besucher. Die grösste Angst, welche die beiden haben? Dass die Leute ihr Stück nicht mögen. «Man gibt etwas Persönliches aus den Händen, man wirft es quasi den Leuten vor die Füsse. Dies kann durchaus schmerzlich sein», erklärt Christian Hunziker. Aber Beni weiss, dass man es sowieso nicht allen recht machen kann und dies sowieso nicht der richtige Weg sei, «davon muss man ausgehen.»
«Die Brücke», Samstag, 24. Februar, Aula, Kantonsschule Glarus, 20 Uhr. www.bruderboot.ch
«Die Brücke»
Der Zufall lässt zwei Männer aufeinanderprallen, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Gustave, einen aufstrebenden Architekten, und Jack, einen Clochard mit gebrochenem Lebenslauf. Sie können sich weder ausstehen noch ausweichen, und doch nähern sie sich einander an. Dabei entdecken sie eine bis anhin gut verborgene Gemeinschaft, welche das Leben beider in neuem Licht erscheinen lässt. Sie werden ungefragt in die Vergangenheit katapultiert. Wird es den beiden gelingen, einen Umgang mit eigener und fremder Schuld zu finden?
Paul Hösli ist Leiter Sport bei den «Glarner Nachrichten» in Ennenda. Er ist seit 1997 bei der «Südostschweiz», im Jahr 2013 wechselte er intern von der Druckvorstufe in die Redaktion. Zuerst in einem 40-Prozent-Pensum und seit 2016 zu 100 Prozent.
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