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Der Preisträger ist ein Poet des Alltäglichen

Der nächste Somedia-Kunstpreis geht an Chris Hunter. Gleichzeitig erhielt seine Vorgängerin Miguela Tamò im Bündner Kunstmuseum ihr Buch überreicht.

Ruth
Spitzenpfeil
12.12.17 - 04:30 Uhr
Kultur
Preisträger: Somedia-CEO Andrea Masüger (oben links) gratuliert dem Preisträger 2018, Chris Hunter.
Preisträger: Somedia-CEO Andrea Masüger (oben links) gratuliert dem Preisträger 2018, Chris Hunter.
YANIK BÜRKLI

And the winner is …» – dieser Satz darf an der der Feier des Kunstpreises der Somedia im Bündner Kunstmuseum sogar zweimal fallen. Weil dies auch nach fünf Jahren, in denen der Preis vom Medienhaus vergeben wird, immer noch für Verwirrung sorgt, sah sich Hausherr Stephan Kunz gestern Abend veranlasst, zu Beginn das Prozedere dieser besonderen Auszeichnung abermals zu erklären.

Ausgangspunkt ist immer die im Dezember und Januar stattfindende Jahresausstellung des Kunstmuseums, in dem das aktuelle Schaffen der Bündner Künstler eine Plattform erhält. Unter den Werken, die es in diesen Kreis schaffen, wählt eine Jury den Somedia-Preisträger aus, der im Laufe des folgenden Jahres dann ein exklusives Kunstbuch im Gegenwert von 30 000 Franken mit dem Verlag verwirklichen darf.

Dieses wird präsentiert, während gleichzeitig der nächste Glückliche bekannt gegeben wird. Der Anlass ist also immer beides: Buchvernissage und Preisverkündigung.

Die Linien von Miguela Tamò

Der jetzt vorliegende sechste Band in der Reihe «Kunst in der Südostschweiz», in dem die aus Poschiavo stammende Miguela Tamò ihr vielgestaltiges Werk ausbreitet, sei eine besonders nachhaltige Art der Künstlerförderung, so Museumsdirektor Kunz. Ein Beispiel der für Tamò typischen rhythmisierenden Linienstrukturen ziert den Einband, sodass das Buch fast wirkt wie von einem grobmaschigen Schal eingewickelt.

In der Laudatio führte Andrea Meuli, Chefredaktor der Kulturzeitschrift «Musik & Theater», feinfühlig in den Kosmos der Künstlerin ein. Er verdeutlichte die Bedeutung der Handarbeit für sie, die sich sowohl in grossformatigen Plastiken wie im «Tanz» auf ihren Zeichenblättern ausdrückt.

Im Buch sind Tamòs Werke in randlosen Fotografien abgebildet, und es gilt, was Meuli für die Wirkung ihrer Kunst allgemein festhält: «Unser Blick wird in Schwingungen gebracht, zu visuellen Reisen über die Bildfläche verführt – und immer in Bewegung gehalten.»

Während Tamò nun also die Ernte in Form ihrer gedruckten Werkschau einfahren durfte, war man gespannt, wo nun der nächste Samen gelegt wird. Somedia-CEO Andrea Masüger freute sich, als Höhepunkt und Abschluss der gestrigen Veranstaltung den Gewinner 2018 zu verkünden.

Es ist der 34-jährige Chris Hunter, der als Sohn eines Neuseeländers und einer Bündnerin in Flims aufgewachsen ist und heute in Basel arbeitet. Er hat viele Ausdrucksformen: von der Zeichnung bis zur Performance.

Lebensspuren auf Liegestühlen

Überzeugt hat die Jury die aktuelle Arbeit Hunters mit dem Titel «25 Grad», an der wohl auch kaum einer der Besucher der Jahresausstellung im Kunstmuseum vorbeigehen dürfte. Er erweist sich damit als «Poet des Alltäglichen», heisst es in der Würdigung des Preisträgers, der Lebensspuren in vergänglichen Materialien sammle, um sie zu Trägern von Geschichten zu machen. Konkret sieht man in dem ausgewählten Werk zwei rote verwitterte Liegestühlbezüge eingerahmt hinter Glas.

«Es sind Fundstücke, wie ich sie immer wieder auflese. Besonders faszinierte mich, wie die Sonne sie ausgebleicht hat und die Plastizität auch nach dem Herauslösen des Polsters erhalten blieb», erzählt Hunter.

Sein trotz der jungen Jahre schon recht umfangreiches Œuvre nun zwischen Buchdeckel bannen zu können sieht er als grosse Chance. «Ich freue mich auf die Arbeit, werde aber auch kritisch mit mir selber sein. Immerhin ist es ja etwas Bleibendes», sagt Hunter.

Ruth Spitzenpfeil ist Kulturredaktorin der «Südostschweiz» und betreut mit einem kleinen Pensum auch regionale Themen, die sich nicht selten um historische Bauten drehen. Die Wahl-St.-Moritzerin entschloss sich nach einer langen Karriere in der Zürcher Medienwelt 2017, ihr Tätigkeitsfeld ganz nach Graubünden zu verlegen.

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