Die Kämpfe sind schon lange vorbei
Vor 490 Jahren konnte Landammann Aebli einen Bürgerkrieg zwischen Reformierten und Katholiken nur knapp verhindern. Das ist zum Glück schon lange vorbei: An einer Konferenz diskutierten die beiden Konfessionen über Gemeinsamkeiten und Unterschiede.
Vor 490 Jahren konnte Landammann Aebli einen Bürgerkrieg zwischen Reformierten und Katholiken nur knapp verhindern. Das ist zum Glück schon lange vorbei: An einer Konferenz diskutierten die beiden Konfessionen über Gemeinsamkeiten und Unterschiede.
Von Madeleine Kuhn-Baer
Spannend war schon der Einstieg an der Konferenz für Ökumene, Mission und Entwicklungszusammenarbeit (Oeme). Josef Schwitter aus Näfels referierte über die Geschichte der Ökumene im Kanton Glarus. Er schilderte eindrücklich das ständige Auf und Ab: Man rieb sich aneinander, feierte aber auch miteinander und versuchte, zueinander zu stehen. «Für die Ökumene ist das Glarnerland wahrscheinlich eine Fundgrube», betonte er. Oft ging es dabei allerdings weniger um Glaubensfragen als um Macht, Einfluss und Geld – vor allem bei der Obrigkeit.
Und es ging wild zu und her. 1530 wurde der Pfarrer von Niederurnen von den katholischen Oberurnern erschlagen. Landammann Hans Aebli – «einer der ökumenisch Gesinnten» – konnte knapp einen Bürgerkrieg verhindern. 1623 wurde die politische Macht zwischen den Konfessionen geregelt: Ein Reformierter war drei Jahre lang Landammann und ein Katholischer Landesstatthalter, anschliessend war es zwei Jahre lang umgekehrt. Dies führte zu drei verschiedenen Landsgemeinden, weil die Wahlen nur konfessionsgetrennt vorgenommen werden konnten.
Der Bau des Klosters Mariaburg in Näfels führte ebenso zu Irritationen – der reformierte Molliser Pfarrer taufte sein neues Haus gar Mariatrutz. Alt- und Neugläubige verfügten zudem über unterschiedliche Kalender: «Wenn die Evangelischen Weihnachten feierten, waren die Katholiken schon im neuen Jahr», so Josef Schwitter.
Der gemeinsame Bau der Stadtkirche nach dem Brand von Glarus von 1861 war hingegen ein schönes Zeichen der Ökumene. Und im 20. Jahrhundert brachte die Industrialisierung die Durchmischung der Konfessionen.
«Ich bin mit euch Reformierten sehr zufrieden. Von Mensch zu Mensch haben wir ein sehr gutes Verhältnis.»
«Nach dem Konzil kam beim Übergang in die 1970er Jahre die Ökumene auf. Man betete und feierte miteinander und hoffte auf Umwälzungen. Aber vor allem wir Katholiken mussten unterdessen erfahren, dass die Hoffnungen im besten Fall verfrüht waren», meinte Josef Schwitter. Auf einer Glocke der Stadtkirche steht: «Ein Herr/Ein Glaube/Eine Taufe.» Er hoffe sehr, dass es dazu kommen werde.
«Gemeinsam zur Mitte»
Nach einem Imbiss zeigte Pfarrer Ulrich Knoepfel, kantonaler Kirchenratspräsident und Oeme-Beauftragter der Reformierten Landeskirche, den Kurzfilm «Gemeinsam zur Mitte» über den nationalen ökumenischen Gedenk- und Feiertag vom 1. April dieses Jahres zu «500 Jahre Reformation, 600 Jahre Niklaus von Flüe».
Der Film bildete einen Übergang zum Gespräch mit Harald Eichhorn, Dekan und katholischer Pfarrer in Näfels. «Wie bist du zufrieden mit uns Reformierten?», fragte Ulrich Knoepfel gleich zu Beginn sehr direkt. «Ich bin mit euch Reformierten, wie ich sie vor mir habe, sehr zufrieden. Von Mensch zu Mensch haben wir ein sehr gutes Verhältnis. Das Wichtige, Menschliche ist bei uns auf einem guten Boden. Auf anderen Ebenen gibt es schon Fragezeichen und Bedarf zur Diskussion», so die Antwort von Harald Eichhorn. Der reformierte Kirchenratspräsident teilte diese Einschätzung: «Auf vielen Gebieten können wir gut miteinander zusammenarbeiten. Wir haben ein vertrauensvolles Klima und können einander in die Augen schauen.»
Bekenntnis zum Christentum
Aber: Beide Kirchen kämpften heute mit dem Problem der Gleichgültigkeit, seien nicht mehr die prägenden Institutionen. «Wir müssen viel mehr schauen, was wir gemeinsam haben und dies miteinander verteidigen», betonte Harald Eichhorn. «Wir müssen mehr und klarer sagen, wofür wir stehen, bekennender werden», so Ulrich Knoepfel. Und zwar miteinander: Nicht in konfessionellem Sinn, sondern «zeigen, dass wir zum Christentum stehen». Die längere Diskussion – auch mit dem ökumenischen Publikum – brachte viele erhellende Aspekte und war ein hoffnungsvolles Zeichen für die Ökumene im Kanton Glarus. «Wir sind auf gutem Weg», sagte Andrea Trümpy, Präsidentin der Oeme-Kommission der Reformierten Landeskirche, denn auch zum Schluss des interessanten Abends in Ennenda.
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