×

80 Sängerinnen und Sänger proben Brahms’ Requiem

Der Glarner Kammerchor und der Glarner Madrigalchor bereiten sich auf ihr gemeinsames Konzert mit Werken von Johannes Brahms und Frank Martin vor.

Südostschweiz
17.10.17 - 04:30 Uhr
Kultur
Eine grosse Herausforderung: Katharina Jud probt mit den beiden Chören.
Eine grosse Herausforderung: Katharina Jud probt mit den beiden Chören.
SWANTJE KAMMERECKER

Von Swantje Kammerecker

Aufwendig ist die Probenarbeit für das ehrgeizige Grossprojekt, das sie sich vorgenommen haben: Fast 80 Sängerinnen und Sänger aus dem Glarner Kammerchor und dem Glarner Madrigalchor werden Johannes Brahms‘ berühmtes Deutsches Requiem aufführen. Unterstützt werden sie dabei durch die Südwestdeutsche Philharmonie Konstanz und die Solisten Noëmi Sohn Nad, Anja Powischer und Samuel Zünd. Vorgängig lässt der Glarner Madrigalchor die Kantate «Et la vie l’emportera» des Schweizer Komponisten Frank Martin erklingen.

Niklaus Meyer und Katharina Jud verlangen den Chören viel ab. Während des Probenwochenendes werden die schwierigen Stellen intensiv trainiert, Intonation, Aussprache, Ausdruck, Dynamik, und vor allem immer wieder Präsenz. Mal im einzelnen Register, dann wieder im Tutti. Und es gibt Hausaufgaben: «Stelle einkreisen und daheim üben!», heisst es etwa.

Der Singsaal im Erlenschulhaus kann die vielen Chorleute gerade fassen, im Foyer steht für die Pause ein riesiges Kuchenbuffet bereit. Der Übersicht halber sind sogar die Kaffeetassen nach Registern farblich geordnet. Aber noch ist man voll in der Arbeit.

Musikalisches Schlüsselerlebnis

Dorothea Jakober (Sopran) und Hans Brupbacher (Bass) vom Kammerchor erklären, was sie an dieser Musik fasziniert. Brupbacher meint zu seiner Beziehung zum Hauptwerk des Abends, Brahms’ Requiem: «Es war ein musikalisches Schlüsselerlebnis in meiner Jugend.» Er hat das Requiem 19-jährig unter Leitung von Peter Eidenbenz singen dürfen. Für den damals jungen Dirigenten sei es eine gewaltige Herausforderung gewesen, zumal auch noch der Solosänger kurz vor der Aufführung erkrankte und ein Profi aus dem Publikum spontan einsprang.

Die späteren Aufführungen des Werkes 1984 in Glarus und Winterthur und 1998 in Glarus und Zürich sowie 2001 im Dom von Aachen unter Kurt Müller Klusman haben beide, Brupbacher und Jakober, ebenfalls eindrucksvoll in Erinnerung. «Damals bei der Aufführung in Aachen war ich mit meinem Sohn schwanger und erlebte die Musik ganz anders als heute, jetzt nehme ich wieder Neues daran wahr», erzählt Jakober. Sie bezeichnet Brahms als ihren Lieblingskomponisten, dessen spezielle Tiefe sie berühre.

Die beiden Dirigenten Niklaus Meyer und Katharina Jud verlangen den Chören viel ab.

Beide Sänger erwähnen Stellen, deren Schönheit sie frieren lasse: «Wenn sich die grossartige Fuge ‘Der Gerechten Seelen sind in Gottes Hand’ zum überwältigenden D-Dur-Forteschluss steigert», beginnt Brupbacher, und Jakober ergänzt: «Und darauf die nächste Nummer ‘Wie lieblich sind Deine Wohnungen’ so dramatisch und lieblich erklingt.» Beide schätzen es, mit den zwei Dirigenten zu proben, die sich gut ergänzten: grosse Erfahrung und ruhige Übersicht bei Niklaus Meyer, hartnäckige und straffe Detailarbeit bei Katharina Jud.

Der Madrigalchor löst sich auf

Elisabeth Leuzinger (Sopran) und Peter Gysin (Bass) sind wie die meisten Sänger im Madrigalchor langjährige Mitglieder. Ihr Chor, der sich 2018 auflöst, hat sich mit neueren Werken wie dem von Frank Martin profiliert. Nach den bereits früher aufgeführten Martin-Kompositionen «Le vin herbé» und «In terra pax» tragen die Madrigalisten jetzt seine Kantate «Et la vie l’emportera» vor. «Ungewohnte Akkorde, Halbtonschritte, Taktwechsel», beschreibt Leuzinger die Herausforderungen. Die harmonischen Reibungen auszuhalten, bis sie wieder in reine Dreiklänge mündeten, sei eine der schönen aber schwierigen Aufgaben.

Ausser in den Chorproben übt Leuzinger zu Hause am Klavier und bildet ihre Stimme im Gesangsunterricht aus. Auch das Hören einer Aufnahme sei hilfreich, wobei Gysin einschränkt: «Unser Dirigent will es oft anders als auf der CD.»

Der Madrigalchor löst sich auf

Beide wollen sich in ihrer Stimme ganz sicher fühlen, sich die Musik tief erschliessen und dies an die Zuhörer weitergeben. Zu seiner Lieblingsstelle sagt Gysin: «Im zweiten Teil, ‘Combat’ , das wunderbare Baritonsolo, dann nach einem Orchesterzwischenspiel der ergreifende Einsatz der Männerstimmen.» Leuzinger findet das Ende des Werkes etwas vom Schönsten, das mit zwei Oboen und einem feinen Violinsolo instrumentiert ist, und «das berührende Altsolo, welches der Chor mit liegenden Akkorden übermalt».

Samstag, 4. November, 17 Uhr, Stadtkirche Glarus; Sonntag, 5. November, 17 Uhr, Pfarrkirche Heiligkreuz Lachen.

Kommentieren
Wir bitten um euer Verständnis, dass der Zugang zu den Kommentaren unseren Abonnenten vorbehalten ist. Registriere dich und erhalte Zugriff auf mehr Artikel oder erhalte unlimitierter Zugang zu allen Inhalten, indem du dich für eines unserer digitalen Abos entscheidest.
Könnte euch auch interessieren
Mehr zu Kultur MEHR