Diese Glarnerin spielt bei Gotthard die erste Geige
Barbara Kubli gibt bei der legendären Schweizer Rockband Gotthard den Ton an. Sie hat das auch schon bei Gölä, Rod Stewart oder Robbie Williams gemacht. Der «Südostschweiz» hat sie ihren Traum verraten.
Barbara Kubli gibt bei der legendären Schweizer Rockband Gotthard den Ton an. Sie hat das auch schon bei Gölä, Rod Stewart oder Robbie Williams gemacht. Der «Südostschweiz» hat sie ihren Traum verraten.
Neben der alten Mühle parkt ein neuer Lamborghini. Ihm zur Seite glänzt ein Maserati. Porsches gibts wie Sand am Meer. Dazu Tessiner Palmen. Wasser plätschert durch den Park im Bachlauf. Was für ein lauschiges Plätzchen, im festlich aufgedeckten Mühle-Garten, in dem ein paar Handvoll Gäste Platz genommen haben. Was für ein Kerzenleuchten zu Beginn der «blauen Stunde», der Zeit der Dämmerung nach Sonnenuntergang vor den Eintritt der nächtlichen Dunkelheit. Kuschel-Zeit – Romantik pur.
Es ist früher Abend: Eine offene Tür in der ansonsten geschlossenen Gesellschaft erhält die «Südostschweiz». Der Anlass ist nur Insidern bekannt. Kein Aussenstehender soll wissen, wer hier bald auftritt und gewaltig abrockt, Musik-Geschichte aufrollt. Noch erhellen allerdings die letzten Sonnenstrahlen den lauschigen Openair-Ort.
«Komm mit auf die Bühne», bringt Barbara Kubli ihre Bitte auf den Punkt. Ihr Haar strahlt im Himmelsglanz. «Schau dir mal das an.» Die Glarnerin zeigt auf ein Notenblatt, als ob sie sagen möchte: «Fühle, was ich fühle.» «Feel what I feel» heisst der Song.
Willkommen in der «Qn World» – in Reto Kuhns Reich im zürcherischen Effretikon. In der Welt des Unternehmers, der im «Schweizerhof», in St. Moritz, gleichfalls ein «Qn», ausgesprochen Kuhn, hat.
«Wir verkaufen dieses Foto und uns als neues Paar dem ‘Blick’»
In den tiefen, bequemen Schwarz- und Braun-Leder-Sesseln der Smoking-Lounge: «Ist alles in Ordnung?», fragt Gastgeber Kuhn in die Runde. «Bestens», antwortet Barbara Kubli, die hier von allen liebevoll Babs genannt wird. Zufrieden zeigt sich auch der langhaarige Typ neben ihr: kein Dahergelaufener, vielmehr Leo Leoni, ein Urgestein der Rockmusik, Mister Gotthard in Person. Der Mann, der die Kultband mit hochgebracht hat, zur erfolgreichsten der Schweiz. Der Gitarrist ist kurz vor seinem Auftritt zum Scherzen aufgelegt. Er schnappt sich Babs: «Jetzt mach eine Foto! Dann verkaufen wir uns als neues Paar dem ‘Blick’.»
So ausgelassen, wie Babs am Sound of Glarus und der Sommerbühne abgetanzt hat, ist sie jetzt nicht mehr: Die Geigerin ist nervös. «Das bin ich vor jedem Gig.» Geschminkt ist sie bereits: Doch ihr Instrument muss noch gestimmt werden. Und: «Wo ist der Sender? Die Batterien fehlen noch.»
«Ich möchte als Highlight mit Gotthard einmal im Glarnerland auftreten.»
Der nahende Auftritt – er schlägt der Meistergeigerin auf den Magen. Sie mag kaum essen. Dafür schmeckt das Kalb dem Meistergitarristen umso mehr: «Buono», sagt der, welcher in Oggio, in einem Seitental von Tesserete, selber ein Restaurant hat. «Grotthard» heisst das Grotto, das Leoni mit Sänger Steve Lee ins Leben gerufen hat, der vor sieben Jahren in Nevada auf tragische Weise ums Leben gekommen ist.
Leoni kann mehr, als «nur» Gitarre spielen und Hits schreiben. Der Mann schafft es auch, Babs zu beruhigen. Diese kommt ins Schwärmen: «Ich bin Bürgerin von Glarus. Meine Eltern sind in Engi aufgewachsen. Ich besuche den Kanton praktisch heute noch jedes Wochenende. Ich liebe die Berge und die Menschen. Und weisst du, warum ich jetzt in Wald wohne? Weil ich von dort aus auf die Glarner Alpen sehen kann. Das ist kein Witz.»
Babs zeigt auf ihren Gurt: «Schau dir mal den an.» Ein Chüeligurt? «Ja – aber da ist doch noch der Fridolin drauf», sagt die Frau, die stolz darauf ist, «fadägrad Glarnertüütsch» zu sprechen. Wie heisst dann auf Dialekt Sommervogel? «Pfiffolterä!»
Die Nervösität scheint zu weichen. Schliesslich hat Babs schon vor weitaus grösserem Publikum aufgespielt: wie mit Gölä zwei Mal im ausverkauften Hallenstadion oder mit Gotthard vor 13 000 Fans am Ex Campo militare in Bellinzona. Die Glarnerin spielte aber auch schon für Baschi, Rod Stewart und Robbie Williams. Oder für US-Rapper Kanye West. Und Babs schmunzelt: «Als Glarnerin spielte ich natürlich auch schon für die Rämlers.» Mit fünf hat sie mit dem Musikmachen angefangen. «Ich war mit keinem Menschen so lange zusammen wie mit meiner Geige. Die Musik ist mein Leben.» Wie lange sie schon lebt? «47 Jahre.»
«Ich möchte mit Gotthard im Glarnerland auftreten»
Die blaue Stunde ist es, die das Rockkonzert auf Grün stellt. Scheinwerfer kegel durchbrechen die Dunkelheit. Und mitten im Publikum Babs Kubli. «Wo ist nur Barbara», fragt von der Bühne aus Sänger Nic Maeder. «D Barbarella isch na bim Apéröli», scherzt Leoni. Und dann, dann streicht Kubli mit ihrem Geigenbogen über die Saiten. Was für Streicheleinheiten für die Ohren! Was ertönt ist «Lift U up». Und das Publikum erhebt sich, ja reisst sich aus den Sitzen, tobt. Ein Hit folgt dem andern:
Als Zugabe gibts den Nummer-1-Hit «Heaven». Der Himmel hängt voller Geigen. Das Publikum ist im siebten Himmel. Das Konzert von Gotthard lässt keine Wünsche offen. Ein Wunsch hat Kubli aber noch: «Als Highlight einmal mit Gotthard im Glarnerland aufzutreten.» Mit Nahblick auf die Berge, die sie so liebt und von zu Hause aus sieht.
Mister Gotthard, Leo Leoni, wäre dabei: «Ich kenne Glarus. Da habe ich einmal für meinen Freund Steve Lee eine Hellebarde gekauft.» Und wer weiss: Vielleicht bricht einmal ein Glarner Veranstalter für Gotthard eine Lanze – oder aber umgekehrt: Gotthard für das Glarnerland. Das wäre dann wirklich Sound in den Ohren!
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