Jubiläums-Groove unterm Kronleuchter
Das Festival da Jazz St. Moritz feiert sein 10-Jahr-Jubiläum. Die Party zum Start im «Kronenhof» Pontresina hatte es in sich.
Das Festival da Jazz St. Moritz feiert sein 10-Jahr-Jubiläum. Die Party zum Start im «Kronenhof» Pontresina hatte es in sich.
Das Festival da Jazz in und um St. Moritz jubiliert. Zum zehnten Wiegenfeste gönnte man sich nicht nur das dichteste Konzertprogramm, das es hier je gab, sondern auch ein Eröffnungsfest, welches Nostalgie und Aufbruch in einem groovenden, swingenden Abend voller Esprit verband.
Erfinder Christian Jott Jenny hatte zum feierlichen Start der Jubiläumssaison gestern jedoch nicht in den sagenumwobenen Dracula Club von St. Moritz geladen, sondern war dahin zurückgekehrt, wo im Jahr 2005 alles begonnen hatte, nämlich in das Hotel «Kronenhof» in Pontresina.
Damit ist es zwar mehr als zehn Jahre her, seit der Tenor und Entertainer die Idee zu einem kleinen, feinen Jazzanlass im Weinkeller des Hotels hatte. Aber die Zeitrechnung Jennys beginnt mit dem Jahr, als man sich erstmals romanisch «Festival da Jazz» nannte, und auch von da an, als Rolf Sachs den Musikern in seinem Klubheim Asyl gewährte.
Politik, Show und Geld
Nun also für die 10-Jahr-Feier die Rückkehr in das fabelhafte Ambiente des für viele schönsten Hotels des Oberengadins. Weil sich aus den bescheidenen Anfängen inzwischen ein fettes Festival mit enormer Ausstrahlung entwickelt hat, machte sich auch ein gewichtiger Teil der Kantonsregierung auf ins Engadin, um zu gratulieren. Regierungspräsidentin Barbara Janom Steiner und Wirtschaftsminister Jon Domenic Parolini mischten sich an ihrem ersten Ferientag gestern Abend unter die mehr als 300 Geburtstagsgäste.
Des Weiteren sichtete man bei Cüpli und exquisiten Häppchen diverse Schweizer Showprominenz wie Viktor Giacobbo, Fabian Unteregger, Pepe Lienhard und Birgit Steinegger; die Wirtschaft war mit Carolina Müller-Möhl und diversen Verlegern vertreten, und sie wiederum trafen auf die komplette Hoteliersliga des Engadins.
Quicklebendige Legende
Wie immer tiefenentspannt trotz all der organisatorischen Herkulesaufgaben begrüsste Jenny seine treue Jazz-Gemeinde. «Jazz ist ein wunderbarer Ausdruck für Freiheit. Und genau so wollen wir dieses Jubiläum gestalten», sagte er an der Seite von Rolf Sachs, dessen Dracula Club trotz vieler anderer Spielorte in diesem Jahr weiterhin das Herz des Festivals bleibt. Dann war genug geredet, und die extra für diesen Abend gebildete All-Star-Formation «The Party» machte ihrem Namen alle Ehre. Den fetzigen Grundton gab die Jazzrausch Bigband aus München an; die finnische Timo Lassy Band steuerte die Coolness der klassischen Grooves bei. Doch war das im Grunde nur der musikalische rote Teppich für die Grand Old Lady des Festival da Jazz. Auch mit ihren 92 Jahren zeigte sich Othella Dallas, die schon beim allerersten Mal dabei war, so quicklebendig wie eh und je.
Und damit war der Startschuss gegeben für eine Jubiläumsausgabe, die allerhand zu bieten hat. In den nächsten Wochen kann man gereifte Weltstars wie Herbie Hancock, Chick Corea, Paolo Conte, Michel Legrand und Nigel Kennedy in intimem Rahmen erleben, aber auch aufregende Talente entdecken. Diesmal gibt es mehr Gratiskonzerte denn je, etwa mit Jamie Cullum auf Muottas Muragl oder dem Pianisten Fazil Say im Tais-Wald.
Ruth Spitzenpfeil ist Kulturredaktorin der «Südostschweiz» und betreut mit einem kleinen Pensum auch regionale Themen, die sich nicht selten um historische Bauten drehen. Die Wahl-St.-Moritzerin entschloss sich nach einer langen Karriere in der Zürcher Medienwelt 2017, ihr Tätigkeitsfeld ganz nach Graubünden zu verlegen.
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