Wie die Flüchtlingskrise in den Schlosshof schwappt
«Die Entführung aus dem Serail» von Wolfgang Amadeus Mozart steht diesen Sommer bei der Schlossoper Haldenstein auf dem Programm. Die Bühnen- und Kostümbildnerin will Parallelen herstellen zu Menschen, die heute ihre Heimat verlieren.
«Die Entführung aus dem Serail» von Wolfgang Amadeus Mozart steht diesen Sommer bei der Schlossoper Haldenstein auf dem Programm. Die Bühnen- und Kostümbildnerin will Parallelen herstellen zu Menschen, die heute ihre Heimat verlieren.
Tatjana Ivschina gehört zum Team um Anthony Pilavachi, der von der Kammerphilharmonie Graubünden geholt wurde, um die diesjährige Ausgabe der Schlossoper Haldenstein zu inszenieren. Deren Chefdirigent, Philippe Bach, zeigt sich immer noch begeistert davon, dass er für sein schwergewichtiges Projekt den Opernregisseur gewinnen konnte, der sich vor allem in Deutschland mit zahlreichen viel beachteten Produktionen hervorgetan hat. Pilavachi hat nun mit Ivschina, seiner Kostüm und Bühnenbildnerin, ein Konzept für die diesjährige Oper entwickelt, das viel zu reden geben dürfte.
Am Mittwoch hat Ivschina an einer Medienkonferenz in Chur gezeigt, was ab dem 4. August im Schlosshof von Haldenstein so alles passieren soll bei Mozarts «Entführung aus dem Serail». Schon ein erster Blick auf die Zeichnungen der Kostüme macht deutlich, dass wir hier nicht in den Orient des 18. Jahrhunderts zurückversetzt werden. Ivschina sieht die Geschichte um Konstanze, die zusammen mit zwei Bediensteten an den Hof des Salim Bassa in die Türkei verschleppt wird, als sehr aktuell an. Sie stellt neben ihre Entwürfe Bilder vom heutigen Flüchtlingselend und möchte den Bezug auch in der Inszenierung sichtbar werden lassen.
Denn so wie Konstanze entwurzelt worden sei und sich in der Fremde bewähren müsse, ergehe es heute ebenfalls Millionen von Menschen. Und so kleidet sie alle Protagonisten in Kleider, die von Zalando stammen könnten, und lässt den Orient allenfalls in Form von Burkas auftauchen, die sich als besonders praktisch für die Verkleidungsszenen erweisen.
Nun soll in den Sommernächten im Schloss vor den Toren Churs aber durchaus auch etwas Romantik geboten werden. Die Bühne gestaltet Ivschina auf mehreren Ebenen, die sie grosszügig mit Perserteppichen auslegt. Es soll viele orientalische Lampen geben und üppige Blumen in dicken Vasen. «Es wird schon eine sehr stimmungsvolle und poetische Atmosphäre geben» verspricht Ivschina. Und die unsterbliche Musik von Wolfgang Amadeus Mozart wird ihr Übriges tun.
Schlossoper Haldenstein: «Die Entführung aus dem Serail» Termine und Tickets.
Ruth Spitzenpfeil ist Kulturredaktorin der «Südostschweiz» und betreut mit einem kleinen Pensum auch regionale Themen, die sich nicht selten um historische Bauten drehen. Die Wahl-St.-Moritzerin entschloss sich nach einer langen Karriere in der Zürcher Medienwelt 2017, ihr Tätigkeitsfeld ganz nach Graubünden zu verlegen.
Wir bitten um euer Verständnis, dass der Zugang zu den Kommentaren unseren Abonnenten vorbehalten ist. Registriere dich und erhalte Zugriff auf mehr Artikel oder erhalte unlimitierter Zugang zu allen Inhalten, indem du dich für eines unserer digitalen Abos entscheidest.
Bereits Abonnent? Dann schnell einloggen.