Die Musik als Eldorado
Heute Abend kommt der Schweizer Rapper Manillio aka Manuel Liniger mit Band in den Holästei Glarus. In der «Südostschweiz» spricht er über seine Musik, das Älterwerden und seinen neusten Videoclip.
Heute Abend kommt der Schweizer Rapper Manillio aka Manuel Liniger mit Band in den Holästei Glarus. In der «Südostschweiz» spricht er über seine Musik, das Älterwerden und seinen neusten Videoclip.
Du wirst heute im Rahmen des 30-Jahr-Jubiläums im Holästei spielen – ein Ort, der sich für viele Glarner Musiker wie ein Zuhause anfühlt. Gibt es für dich eine Bühne, die dir ähnlich vertraut ist?
Ja, sicher das «Kofmehl» in Solothurn, der «Dachstock» und das «Bierhübeli» in Bern.
Was macht diese Bühnen so besonders?
Ich denke, als Musiker gibt es einfach Bühnen, auf denen man sich wohlfühlt. Woran das liegt, ist schwierig zu sagen. An manchen Orten macht sich dieses Gefühl einfach breit.
Vor rund einem Jahr ist dein Album «Kryptonit» rausgekommen. Darin rappst du über Vergänglichkeit, die Zeit und den Tod. Haderst du mit dem Älterwerden?
Ich denke schon in dem Mass, in dem es alle machen, die in meinem Alter sind. Ich wurde ja gerade letztes Wochenende 30-jährig und finde das aber ganz okay. Ich habe keine Krise deswegen. Das Älterwerden hat mich schon länger beschäftigt und schlug sich deshalb auch in meinem letzten Album als Thema nieder.
Wie entstehen deine neuen Alben? Gibst du dir einen Zeitplan vor?
Es gibt natürlich einen Plan oder eine Idee, wann ein Album fertig sein sollte. Ich habe gemerkt, dass mir das auch gut tut. Beim letzten Album habe ich selber einen Masteringtermin gesetzt und wusste so, wann das Ganze spätestens abgegeben sein muss. Das hat mir geholfen. Aber jeden Tag kann ich nicht an meiner Musik arbeiten, da muss ich noch anderes erledigen. Trotzdem versuche ich im Moment, eine Routine zu finden, um produktiv zu sein. Damit probiere ich, es zu vermeiden, gegen Schluss in Stress zu geraten. In einem Modus, in dem ich jede Woche einen Song mache, sammelt sich dann genügend Material, um am Ende aus den besten Tracks ein Album zu machen.
Wenn jeweils einer dieser Song fertig ist, auf wessen Urteil legst du besonders viel Wert?
Natürlich auf das Urteil von den Leuten, mit denen ich zusammenarbeite, auf jenes meiner Produzenten. Deren Meinung ist mir extrem wichtig. Ich spiele meine neuen Lieder aber auch gerne Laien vor – verstanden als Leute, die sich nicht jeden Tag nur mit Musik beschäftigen. Auf die Reaktionen von meinen Brüdern oder meiner Frau bin ich jeweils sehr gespannt. In den letzten Jahren habe ich sowieso gelernt, dass jede Rückmeldung, die ich bekomme, wertvoll sein kann.
Diese Woche ist ein Musikvideo von dir zum Song «+4132 Irgendwo» erschienen. Der in schwarz-weiss aufgenommene Clip wurde in New York und unter anderem in einem ungenutzten Fabrikgebäude aufgenommen. Welche Entstehungsgeschichte gibt es dazu?
Man muss dazu sagen, dass die Fabrik in der Schweiz steht. Wir teilten den Dreh auf. Tim Dürig, der das Video gemacht hat, ging Anfang Jahr nach New York. Einen Teil des Videos hatten wir zu dieser Zeit schon gefilmt. Er arbeitete dann in New York weiter daran, sprach Leute auf der Strasse an und fragte, ob er sie für das Video filmen dürfe. Im April ging ich selber nach New York, und wir drehten den Rest. Alles fügt sich so gut zusammen, dass jetzt viele das Gefühl haben, das Video sei komplett in New York entstanden.
Und was ist die Geschichte hinter den Menschen, die in einer Art Porträtaufnahme zu sehen sind?
Das sind keine Leute, die ich kenne. Tim hat sie einfach angesprochen, erklärt, worum es geht und dann gefilmt. Ich fand die Idee sehr schön, weil man sich zu all diesen Leuten eine Geschichte vorstellen kann. Das macht es spannend.
Nebst deiner Solokarriere bist du auch Teil der Rap-Crew Eldorado FM. Was oder wo ist dein Eldorado?
Ich würde sagen, dass meine Musik mein Eldorado ist. Hier kann ich mich austoben und ausleben. Das geniesse ich sehr.
Was sind deine musikalischen Pläne für die Zukunft – solo oder mit Eldorado?
Im Moment arbeite ich bereits an einem neuen Album. Ich hoffe, dass das im nächsten Jahr dann rauskommt. Bis im Herbst spiele ich zusammen mit der Manillio-Band noch viele Konzerte. Parallel versuche ich aber, weiter am Album zu arbeiten, und nach dem Herbst gibt es eine Konzertpause. Dann werde ich das Album fertigmachen.
Kannst du denn jetzt schon etwas über dieses neue Album verraten?
Momentan entwickelt es sich. Doch das Einzige, was ich jetzt schon sagen kann: Ich finde, dass es sehr anders klingt, was auch immer das dann heisst .
Heute wirst du im Holästei aber Musik präsentieren, welche die Hörer schon kennen. Warst du überhaupt schon einmal in Glarus?
Ich bin mir sicher, dass ich schon einmal hier in einem Club war, ich weiss aber nicht mehr, wie der hiess. Damals gingen wir jeweils mit, wenn Freunde aufgelegt haben. Aber als Manillio mit Band war ich noch nie hier.
Dann wird das dein erster Glarner Auftritt?
Ja, ich freue mich extrem. Ich werde mit meiner Band kommen. Nach ein paar Wochen Pause freue ich mich umso mehr, die Jungs wieder zu sehen und zusammen mit ihnen auf der Bühne zu stehen. Es wird lustig.
Freitag, 19. Mai, im Rahmen des Jubiläumsfestes im Holästei in Glarus: Türöffnung um 21 Uhr; 21.30 Uhr, Heaven in Hell; 22 Uhr, Radical & YT; 22.30 Uhr, Manillio; 24 Uhr, Bandit. Danach Afterparty mit DJ Freedo & DJ O’Lee.
Wir bitten um euer Verständnis, dass der Zugang zu den Kommentaren unseren Abonnenten vorbehalten ist. Registriere dich und erhalte Zugriff auf mehr Artikel oder erhalte unlimitierter Zugang zu allen Inhalten, indem du dich für eines unserer digitalen Abos entscheidest.
Bereits Abonnent? Dann schnell einloggen.