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Die Sache stinkt zum Himmel

Gion-Mattias
Durband
01.05.17 - 19:33 Uhr
Wirtschaft
Kommentar
Dürfte noch länger ungenutzt bleiben: Vom angeblichen grossen Interesse an einem Standplatz auf der Parkfläche des «Derby»-Areal
Dürfte noch länger ungenutzt bleiben: Vom angeblichen grossen Interesse an einem Standplatz auf der Parkfläche des «Derby»-Areal
YANIK BÜRKLI

Wenn man etwas Gutes tun kann – warum nicht?» So lautete Investor Enrico Balestras lakonischer Kommentar in der «Südostschweiz» vom Montag: Schliesslich hatte er soeben die Absicht bekundet, Fahrenden auf dem «Derby»-Areal in Davos einen Standplatz anzubieten. Man weiss es, Standplätze sind Mangelware und ein Daueranliegen der Fahrenden-Organisationen. Da kommt ein Angebot an bester Lage an der Davoser Promenade mehr als gerufen. Zudem denkt der Eigentümer des Areals auch darüber nach, das Hotel «Derby», dessen Pachtvertrag Ende dieses Monats ausläuft, für die Unterbringung von Asylsuchenden zu verwenden. Eine Zwischennutzung des Areals, die zwei Gruppen zugutekommt, die immer noch vielerorts um Akzeptanz kämpfen müssen. Um so nobler das Ansinnen, mag man sich dabei denken. 

Um so schwerer wiegt auch der Vorwurf des Vereins Bewegung Schweizer Reisende, der der Selbstdarstellung des Investors diametral zuwiderläuft: Die Fahrenden würden als Druckmittel missbraucht, eine Grossüberbauung auf dem Areal voranzutreiben; die vier vor Verwaltungsgericht dagegen eingereichten Beschwerden wurden notabene von direkten Nachbarn eingereicht, wie Balestra selbst sagt. «Ob das der Hauptgrund ist, überlasse ich Ihnen», lautet die Antwort auf den Vorwurf. Eine erstaunliche Reaktion, geht es immerhin um den Verdacht, just jene für seine Zwecke zu missbrauchen, die ohnehin vielerorts gegen Misstrauen und Anfeindung ankämpfen müssen. Eine umso stossendere Vorstellung angesichts des unsäglichen Leids, das in unserem Land Roma, Sinti und Jenischen widerfahren ist. 

Es bleibt zu hoffen, dass die Vorwürfe nicht der Wahrheit entsprechen. Das zu beurteilen, «überlasse ich Ihnen».

Gion-Mattias Durband wuchs in Graubünden auf, studierte in Bern und Toulouse Politikwissenschaften und etwas Volkswirtschaft und noch weniger Recht. Mit Unterbruch schreibt er seit 2010 für die «Südostschweiz» und freut sich an jeder Anregung.

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