In Graubünden sind die Meinungen zum Zollhammer von Donald Trump gemacht
39 Prozent Zölle auf Schweizer Exporte empören auch die Menschen in Graubünden. Unsere Leserinnen und Leser äussern sich mit spitzer Feder und teils deutlichen Worten.
39 Prozent Zölle auf Schweizer Exporte empören auch die Menschen in Graubünden. Unsere Leserinnen und Leser äussern sich mit spitzer Feder und teils deutlichen Worten.
Auch in der neuen Woche bleiben die Diskussionen um die Zölle für Schweizer Exporte in die USA ein Thema. Viele Leserinnen und Leser von «suedostschweiz.ch» haben eine Meinung zum Thema. Einige haben sie in unserem Leserforum hinterlassen. Wir haben einzelne davon für euch aufbereitet. So viel vorneweg: Die Meinungen sind gemacht.
Schreibt uns eure Meinung
Wollt auch Ihr Eure Meinung zu einem Thema äussern? Dann schreibt jetzt Euren Leserbrief.
✍🏻 Martin Hofer aus Fuldera:
Der Bundesrat und Donald Trump
Vor einigen Monaten sagte Donald Trump, viele Politiker würden nach Washington reisen, um ihm «den Hintern zu küssen» und um mit ihm einen Deal abzuschliessen. Und genau dies taten zwei Mitglieder des Schweizer Bundesrates am 5. August! Unterwürfig baten sie King Donald um eine Audienz, doch seine Exzellenz hatte für die Bitten der Schweizer wie erwartet kein Gehör. Ich vermute, dass die ergebnislose Bundesratsreise das Mehrfache davon gekostet hat, was ich persönlich in einem ganzen Monat ausgebe. Wäre es nicht sinnvoller, mittelfristig neue Absatzmärkte zu erschliessen, anstatt sich von den USA erpressen zu lassen?
✍🏻 Fritz Schulthess aus Chur:
Die Maga-Methoden sind auch in der Schweiz angekommen
In 2024 haben die SVP und FDP US-Präsident Donald Trump vorgezogen, weil er besser für die Schweizer Wirtschaft gewesen wäre. Um von ihrem Irrtum abzulenken, greift die SVP in typischer Trump-Manier zu den absurdesten Verschwörungstheorien. Die hohen Zölle seien eine Quittung für die verantwortungslose Forderung von Mitte-Links-Bundesrat Martin Pfister, nur noch zehn Prozent der Rüstungsgüter in den USA zu kaufen, und für eine beleidigende Äusserung des SP-Co-Präsident Cédric Wermuth gen Trump auf Twitter. Schuld soll auch die EU sein, weil wir durch Übernahme von EU-Regulierungen indirekte Handelshemmnisse aufgebaut hätten, und nach dem SVP-Nationalrat Franz Grüter haben linke EU-Turbos den USA-Deal sabotiert. Die Maga-Methoden sind nun auch in der Schweiz angekommen.
Wenn ich mit Freunden in den USA kommuniziere, vermeide ich, um sie nicht zu kompromittieren, das Thema Trump. Das hatte ich bisher nur mit China. Nach der SVP müsste man, um Trump nicht zu verärgern, den Linken, denen nach der SVP auch die Mitte angehört, einen Maulkorb verpassen. Big brother is watching you! Die Linken waren hingegen immer gegen eine Bückling-Strategie gegenüber Autokraten. Wer sind nun die besseren Eidgenossen und wer küsst den präsidentiellen Hintern? Wo ist der Gesslerhut hin verschwunden?
Es zeigt sich wieder mal, dass man sich in einer Krise auf die SVP nicht verlassen kann. Statt sich solidarisch zu zeigen, und konstruktiv an Lösungen mitzuarbeiten, nutzt sie die Situation politisch aus, um mit Hassreden gegen links und Brüssel zu hetzen, und versucht zu spalten.
Wir brauchen eine Neuausrichtung der Aussenwirtschaftspolitik, weg von den USA und eine Annäherung an die EU, welche unsere verlässlichste Partnerin ist, statt sich auf Freihandelsabkommen mit Unrechtsregimen zu fokussieren. Statt zu kuschen, sollte das Schweizer Volk US-Reisen und Produkte boykottieren. Kanada zeigt es vor. Für ein kleines Land hätte dies vielleicht nur Symbolcharakter, aber es zeugt von Zusammenhalt und Integrität, Tugenden, die die SVP sonst immer als typisch schweizerisch hochhält. Es wäre ein Land, auf das ich stolz wäre.
✍🏻 Theo Hess aus Landquart:
Krisenmanagement
Als ich noch arbeitete habe ich mehrere kritische Wirtschaftssituationen erlebt. Zum Beispiel die Ölkrise anfangs der 70er Jahre. Wir produzierten davor mehrere Tausend Quadratmeter isolierte Wandelemente im Jahr. Von einem Tag auf den anderen, war der Isolationswert unseres Produktes Makulatur. Schlagartig wurde die Produktion eingestellt. Was nun? Zum Glück hatten wir einen hartnäckigen Chef, der im Handumdrehen neue Produkte aus dem Ärmel zu zaubern wusste.
Ich habe in meiner ganzen Arbeitszeit gerade mal 11/2 Tage Kurzarbeit geleistet.
Heute ist das ganz anders. Die allermeisten Chefs haben keine Ahnung, was ihr Betrieb und ihre Belegschaft eigentlich zu leisten vermag. Sie kommen aus St. Gallen von der HSG, haben deshalb einen Chefposten angeboten bekommen, in der Meinung, das Bildungsinstitut wäre in der Lage, Führungspersönlichkeiten für jede Lebenslage (Situation) auszubilden.
Jetzt zeigt sich, sie haben keine Ahnung, wie es jetzt weitergehen soll. Sie haben keinen Plan B, C, D. Sie wissen von Kurzarbeit, von Firmenverlegungen ins Ausland, sie wissen nichts von Verantwortung ihrer Belegschaft gegenüber, sie sind nur im Speseneinheimsen durch und durch geschult.
Schämt euch Ihr aufgeblasenen Geschäftsführer. Wer jetzt nicht zeigt was er drauf hat, dem Amerikaner die Stirne zu bieten, der soll seinen Sessel räumen.
Schämt euch Ihr aufgeblasenen Geschäftsführer. Wer jetzt nicht zeigt was er drauf hat, dem Amerikaner die Stirne zu bieten, der soll seinen Sessel räumen.
✍🏻Bruno Wehrle aus Jenins:
Unfaire Vergleiche und einseitige Urteile
Im «Was Karin Keller-Sutter von Mexikos Präsidentin lernen kann» vergleicht Natasha Hähni die Schweizer Präsidentin Karin Keller-Sutter mit der mexikanischen Präsidentin Claudia Sheinbaum – und stellt Keller-Sutter in ein ungünstiges Licht. Dieser Vergleich hinkt jedoch gewaltig.
Die Ausgangslagen der beiden Länder könnten kaum unterschiedlicher sein: Mexiko ist direkter Nachbar der USA, hat mit Grenzfragen, Migration und der Rolle als Produktionsstandort für den US-Markt zu tun. Die Schweiz, ein global vernetzter Kleinstaat, hingegen pflegt wirtschaftlich hochkomplexe Beziehungen zu den USA: Wir exportieren Gold, Kapital, Präzisionsgüter wie Uhren und Maschinen, pharmazeutische und chemische Produkte sowie landwirtschaftliche Qualitätsgüter wie Schokolade und Käse. Entsprechend unterscheiden sich auch die Themen, Strategien und diplomatischen Spielregeln in Verhandlungen.
Keller-Sutter quasi zur «Debütantin» abzustempeln, verkennt ihre politische Erfahrung und die Erfolge in schwierigen Dossiers – etwa ihre souveräne Rolle in der Credit-Suisse-/UBS-Krise. Zudem ist es journalistisch fragwürdig, eine Politikerin hart zu kritisieren, ohne selbst bei den Gesprächen mitgehört zu haben. Steckt hier etwa ein «geschlechtsspezifisches Vorurteil»? Männer in vergleichbaren Positionen würden kaum derart pauschal diskreditiert.
Erschwerend kommt hinzu: Der Hauptfaktor im aktuellen Fall ist nicht Keller-Sutter, sondern Donald Trump – ein unberechenbarer, launischer und von Eigeninteressen geprägter Verhandlungspartner. Ihn lediglich als «harte Nuss» zu bezeichnen, wird der Komplexität und den Herausforderungen, die er darstellt, nicht gerecht.
Kritik an Politikerinnen und Politikern ist wichtig – aber sie sollte fair, fundiert und im richtigen Kontext erfolgen. Alles andere ist schlechter Journalismus.
✍🏻 Bernhard Stoll aus Chur:
USA kein verlässlicher Partner mehr
Eigentlich stellt sich jetzt eine zentrale Frage: Welches sind die wirklich verlässlichen Handelspartner der Schweiz? Meine Antwort vorab: Länder in Europa, auch Japan, Südkorea und Indien. Die USA waren das auch mal. Früher! Aber, seit der kindlich zwängelnde Präsident die USA und die Welt autokratisch beherrschen will, leider nicht mehr.
Diese Frage sollten sich auch die SVP-Mitglieder und andere Europakritiker stellen. Das «Monster von Brüssel» (wie die SVP-Granden die EU nennen) ist der grösste, zuverlässigste Partner der Schweiz geworden. Vertrauenswürdig. Durchschaubar.
✍🏻 Peter Thommen aus Andeer:
Liebe Schweiz: Nicht träumen
Nach dem Verhängen von massiven Zöllen an die Schweiz gibt es jetzt klar ein kleines Gegenmittel: F-35-Flieger in der Werkstatt von Lockheed Martin belassen. Haben und nicht haben. Sechs Milliarden Franken haben und nicht haben, ergibt zwölf Milliarden Franken. Diesen Betrag für die Exportgeschädigten Firmen bereithalten. Erwachen!
✍🏻 Andrea Hämmerle, alt Nationalrat, Pratval/Domleschg:
Krasse Fehleinschätzung von Magdalena Martullo-Blocher
«Die Ausgangslage ist sehr gut. Trump liebt die Schweiz … Trump mag uns auch genau deshalb, weil wir nicht in der EU sind … Wir von der SVP haben sehr gute Beziehungen zu den Republikanern und zu Trump … Wir haben vor, noch dieses Jahr ein Freihandelsabkommen mit den Amerikanern zu verhandeln». Dies ist die Erzählung von Frau Martullo-Blocher (Interview im «Tages-Anzeiger» vom 7. Februar).
Eine krassere Fehleinschätzung ist kaum möglich. Trump will der Schweiz, die er liebt (?) mit 39 Prozent die weitaus höchsten Zölle aller europäischen Länder aufbrummen. Die EU hingegen, die er verachtet (?), kommt mit 15 Prozent sehr viel besser weg. Üblicherweise gibt Frau Martullo-Blocher den Linken und Grünen in der Schweiz und der Welt, vor allem aber der EU die Schuld an allem, was aus ihrer Sicht schiefläuft. Diesmal wird das schwierig sein. Für die Schweiz waren die rechtesten Bundesratsmitglieder Karin Keller-Sutter und Guy Parmelin für die Verhandlungen verantwortlich.
Die verhasste EU hat das offensichtlich besser gemacht. Und kein demokratischer US-Präsident hat die Schweiz je in ein derartiges Schlamassel geritten wie der geliebte Donald Trump. Wie würde Frau Martullo-Blocher wohl tönen, wenn die EU mit der Schweiz so verfahren würde wie Donald Trump?
Fazit: Die Schweiz ist gut beraten, das Verhältnis zur EU baldmöglichst zu stabilisieren, weltweit mit liberalen Demokratien zusammenzuarbeiten statt sich den Autokraten in Russland, China und den USA anzubiedern. Die Erzählungen von Frau Martullo-Blocher aber sind als das zu nehmen, was sie sind – ideologisch verblendetes Geschwätz.
✍🏻 Walter Lichtenberger aus Landquart:
Karin Keller-Sutters Fiasko mit Donald Trump
Bundesrätin Karin Keller-Sutter hat so ziemlich alles falsch gemacht beim Versuch den von Donald Trump angekündigten Zoll für die Schweiz von 39 Prozent herunterzubringen:
Das kann nicht am Telefon gemacht werden. Trump hatte schon nach der 1. Zollrunde angekündigt, dass nun die Staatschefs reihenweise bei ihm antraben werden und in den Hintern küssen. Die Schweiz schickte zu Beginn lediglich die Seco-Chefin nach Washington und KKS telefonierte mit dem US-Finanzminister, ein völliger Nonsens und Affront für Trump! Auch Keller-Sutters Aussage, dass der Zoll-Entscheid von Trump «absurd» sei (was auf Englisch als «lächerlich» auslegbar ist). Diese Aussage ist sicher auch bei Trump gelandet ebenso wie viele negative Aussagen zu Trump in Schweizer sozialen Medien), ist für Trump eine Beleidigung, was eine «Strafe» erfordert.
Trump will direkt mit den höchsten Chefs der einzelnen Länder verhandeln, er will von diesen, dass sie Ergebenheit oder gar Unterwürfigkeit zeigen (und absolut keine «Oberlehrerhaftigkeit» die Keller-Sutter beim letzten Telefonat zeigte). Trump will dabei seine weltumfassende Macht zeigen. Er will auch von ihnen Zugeständnisse zu künftig hohen Investitionen und Schaffung von vielen Arbeitsplätzen in den USA. Dann ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass von Trumps Gnaden eine Zollermässigung erfolgen wird. Ein Beispiel für ein korrektes Vorgehen: EU-von der Leyen ist extra zu Trump nach Schottland gereist und hat mit viel Wohlwollen und Zugeständnissen für grosse Investitionen in den USA eine Zollreduktion erreicht.
Was muss die Schweiz nun machen: raschest Zusammentreten des Bundesrates (viel zu spät erst für Montag geplant) und einen gut Englisch sprechenden Bundesrat (sicher nicht Karin Keller-Sutter, aber vielleicht Bundesrat Iganzio Cassis?) nach Washington zu Trump schicken. Rollenspiel vorbereiten, auch mit Plan B, mögliche Grossinvestitionen anbieten. Und keine der bisherigen Fehler wiederholen. Viel Erfolg.
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Philipp Wyss ist Wirtschaftsredaktor der gemeinsamen Redaktion der Zeitung «Südostschweiz» und der Internetseite «suedostschweiz.ch».



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