Meinungsvielfalt – jetzt erst recht!
Es waren fast schon dramatische Szenen am Donnerstagvormittag im Medienhaus in Chur. Die beiden altgedienten Radiomitarbeitenden Markus Seifert, Leiter Qualitätssicherung, und Katharina Balzer, Moderatorin, standen vor den Studios: «Wir haben die Konzession», jubelte Katharina so laut, dass es auch im Newsroom alle hörten. «Die spinnen. Jetzt sind sie völlig durchgedreht», dachte ich für mich.
Dann kam Reto Brüesch, der Controller, und freute sich ebenfalls: «Grossartig, wir haben die Konzession». Viele Radiokollegen und auch ich brachen gar in Tränen aus. Ich schämte mich ein bisschen dafür, drehte mich weg, lief ins Büro. «Tief durchatmen», sagte ich mir.
Unser kühner, unerschrockener CEO Thomas Kundert, brachte Licht ins Dunkel: «Ja, das Bundesverwaltungsgericht in St. Gallen hat entschieden: Wir haben die Konzession.» Ein veritabler positiver Schockzustand für uns alle. Sehr unsicher waren die vergangenen Monate. Jetzt erst wurde mir bewusst, was das vergangene Jahr für uns, für das gesamte Team bedeutet hatte.
Im Januar 2024 hatte das Bakom überraschend die Radiolizenz Graubünden/Glarus/Sarganserland an unsere Mitbewerber vergeben. Auch wenn immer klar war, dass wir auch ohne Konzession weitersenden würden, hatte das lange Warten auf ein Urteil natürlich Folgen, zum Beispiel auf neue Arbeitsverträge: Die Unsicherheit war einfach zu gross, um sie unbefristet auszustellen.
Trotz alledem hat die Radiocrew alles gegeben. Jeden Tag standen die Kolleginnen und Kollegen am Mikrofon und berichteten, als ob nichts wäre, über den Bergsturz von Brienz, die mögliche oder dann doch unmögliche Bundesratskandidatur von Martin Candinas, über die Wohnungsnot, über Abstimmungen und vieles mehr. Dem gesamten Team gilt unser grosser Dank.
Trotz Rückschlägen und grosser Unsicherheiten haben sie für Radio Grischa gekämpft. Radio Grischa sind sie alle: Radio Grischa sind Katharina Balzer, Armena Küchler, Markus Seifert, Charlotte Koesling, Jessica Müller, Christoph Benz, Noa Bühler, Livio Biondini, Stefan Nägeli, Luciano Cherry, This Fritschi, Immanuel Giger, Pascal Grimm, Ruëtsch Menzi, Sara Marti, Sarina von Weissenfluh, Annatina Schlegel, Jasmin Schnider, Selina Rettich, Sabine-Claudia Nold, René Lenherr, Thomas Kind, Patrick Sertore, Freddy Eggenberger, Livia Jungo, Martin Deplazes, Jessica Caprez, Daniel Bischof, Lucas Batista, Francesca Albertini, Hanna Ambühl, Marion Mullis, David Raggl und Sofia De Anta.
Das Konzessionsverfahren hat uns als Verlegerfamilie und als Medienschaffende aber auch zum Nachdenken gebracht. Gerade in Zeiten wie diesen, mit Kriegsherden, umstrittenen Wahlen und verschiedensten politischen Erschütterungen werden die Rolle der Medien und die Bedeutung der Meinungsfreiheit breit diskutiert. Auch wir müssen uns als Verlegerin, als Verleger immer wieder an den Auftrag erinnern, den wir für unsere Region zu erfüllen haben.
Die Südostschweiz und insbesondere der Kanton Graubünden stehen mit ihrer Dreisprachigkeit, mit den unterschiedlichen Traditionen exemplarisch für die Schweiz. So sind die Menschen aus dem Engadin, der Surselva oder dem Surses nicht einfach Bündnerinnen und Bündner.
Sie sind eben Engadinerinnen und Engadiner, Surselverinnen und Surselver, Sursetterinnen und Sursetter – und doch sind wir bei all diesen grossen Differenzen und Unterschieden ein Volk, ein Volk von Minderheiten. Deshalb gilt es in diesem Volk von Minderheiten einerseits gewisse Unterschiede aufzunehmen und zu respektieren, andererseits in diesen Differenzen aber auch das Gemeinsame zu finden und den Konsens zu fördern.
Als Medienschaffende wollen wir weiterhin unsere Mitverantwortung für die Meinungsvielfalt wahrnehmen. Wir wollen einen Beitrag leisten, damit es unserer dreisprachigen, facettenreichen Bevölkerung weiterhin gelingt, Meinungsunterschiede zu thematisieren, zu debattieren, sich auseinanderzusetzen, den Konsens zu finden, sich zu einen, mit Anstand und gegenseitigem Respekt. Die Werte, auf denen unser Beitrag zur Meinungsbildung basiert, sind klar. Wir bekennen uns zu den Richtlinien des Schweizer Presserats, die da sind: Faktentreue, Informationsfreiheit, Meinungspluralismus und konsequente Trennung von Fakten und Kommentaren, um nur einige zu nennen.
Oder wie es Roger de Weck so schön in seinem unlängst erschienenen Buch «Das Prinzip Trotzdem» formuliert: «Wie die Demokratie ist Journalismus der vorweggenommene Verzicht auf Perfektion, zugunsten von Versuch und Irrtum, Lernfähigkeit und kleinen Schritten nach vorn.»
Jene, die nun behaupten, dass Medien beziehungsweise starke Verlagshäuser die Meinungsfreiheit beschränken, verkennen, dass nur der Staat die Meinungsfreiheit beschneiden kann. Davon sind wir in der Schweiz (meistens) glücklicherweise weit entfernt. Solange wir eine vielfältige Medienlandschaft haben, miteinander streiten, diskutieren und argumentieren können, aber auch miteinander lachen und weinen, eben in Beziehung stehen können, sind wir informiert und damit auch erfolgreich.
Dann schützt unsere Demokratie auch die Menschen aus der Surselva, dem Surses oder dem Bergell als Bewohnerinnen und Bewohner der Südostschweiz. Denn alle haben wir eine Stimme, und wir schützen unser höchstes Gut: die freie Meinungsvielfalt. Dazu braucht es unabhängige Medien, aber auch mutige Unternehmerfamilien, die ihre Firmen auf die Zukunft ausrichten.
Dafür, dass Sie uns in unserer Region immer wieder Ihr Vertrauen schenken und uns im vergangenen Jahr unterstützt haben, danken wir Ihnen herzlich.
Susanne Lebrument ist Delegierte des Verwaltungsrats von Somedia.
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Ach, klingt das schön, zu schön, um wahr zu sein.
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Kleines Beispiel über die von den Eignern "hochgehaltene" Meinungsfreiheit:
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