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Das Beste aus 50 Jahren: Die kultigsten Schweizer Lebensmittel in Retrospektive

«Waisch no früahner...?» – ein Satz, der sofort alte Erinnerungen hervorruft. Da wird einem plötzlich ganz wohlig und eine gewisse Wehmut nach den «guten alten Zeiten» macht sich breit.

Nicolas
Boschung
20.09.24 - 11:00 Uhr
Graubünden
Vier Schweizer Lebensmittel, die alle Schweizerinnen und Schweizer kennen: Kägi fret, Rivella, Ovomaltine und Toblerone.
Vier Schweizer Lebensmittel, die alle Schweizerinnen und Schweizer kennen: Kägi fret, Rivella, Ovomaltine und Toblerone.
Grafik «Südostschweiz»/med

Die sozialen Medien machen es vor und werfen mit «#Throwback» einen Blick in die Vergangenheit. Davon liessen wir uns inspirieren und starteten unsere Serie «Waisch no früahner...?». Diese Woche geht um das Thema Schweizer Snacks. Wir starten eine Zeitreise durch die letzten 50 Jahre und machen Halt bei so manchen Werbespots und Produkten der beliebtesten Schweizer Snack- und Getränkehersteller.

Kägi fret

Ein Bild aus dem Jahr 2009: Zumindest ein bisschen Retro, präsentierte sich das Logo damals mit Drei-D-Effekt.
Ein Bild aus dem Jahr 2009: Zumindest ein bisschen Retro, präsentierte sich das Logo damals mit Drei-D-Effekt.
Bild Marco Hartmann

Heute finden ihn Hungrige in Selecta-Automaten, Kiosken und jedem erdenklichen Supermarkt. Der Thurgauer Waffelriegel mit Schoggi-Mantel ist sicher jedem und jeder bekannt.

Die beiden Schoggistängel stecken nach wie vor in einer weissen Verpackung mit roter Wortmarke obendrauf. Wer genau hinsieht, erkennt, dass Kägi fret für ihr Logo lange Zeit die klassische 3-D-Schrift verwendet hat. Diese ist heute einem reduzierten Design gewichen. Aber geschmacklich bleibt alles beim Alten. Und das freut alle, die nach einem langen Arbeitstag der Heisshunger packt, oder auch die Nachtschwärmer, die in den frühen Morgenstunden nur noch in einem Selecta-Automaten etwas Essbares finden.

Ein bisschen Retro: die alte Logoschrift des Kägi frets mit Glanzeffekt.

Das aktuellste Kägi-fret-Logo: Der Schriftzug präsentiert sich reduzierter und mit kleiner Schweizer Fahne im Logo.

Rivella

Rivella ist das Schweizer Kultgetränk schlechthin. Das Getränk wird von manchen geliebt und von manchen weniger. Zum Beispiel auf der Skipiste oder in der Badi verleiht das kohlensäurehaltige Getränk einen gewissen prickelnden Zuckerschub. Rivella machte in den Siebzigerjahren mit einer kultigen TV-Werbung auf sich aufmerksam. Dabei besang die schweizerische Skimannschaft das Erfrischungsgetränk im Chor.

Es gibt drei Rivellasorten: das zuckerfreie Rivella-blau-, das normale Rivella-rot und das Rivella-grün. Es ist laut Rivella die erfrischende Grüntee-Alternative. Das mit künstlichem Zucker gesüsste blaue Rivella ist ebenfalls noch erhältlich. Hinzugekommen ist kürzlich die vegane gelbe Version. Ganz «ohne Milchzügs», wie der Hersteller schreibt.

Logotechnisch hat sich Rivella über die Jahre mehrmals neu erfunden. Es gab gestalterisch keine Tabus. Mitte des 20. Jahrhunderts erinnerte die Rivella-Flasche mit Bügelverschluss eher an eine Bierflasche. Mit grün-gelbem an Yin und Yang erinnerndem «Sonnengesicht» startete unser Nationalgetränk dann ins aktuelle Millennium. Die Sonne blieb ab 2007 auch der nächsten Logogeneration erhalten. Diesmal kam sie aber ohne menschliche Gesichtszüge wie ein leuchtender Stern daher. 

Blicken wir auf die Geschichte von Rivella, dürfen wir die Flaschenform nicht vergessen. Ganz früher war die Rivellaflasche aus Glas mit geradem Hals. Ende der Nullerjahre füllte der Hersteller Rivella seine Getränke aus Milchsäure und Karamellzucker in nach oben gebauchte Flaschen ab. 

Eine alte Rivella-Flasche

Eine noch ältere Rivella-Flasche

Ovomaltine

Ein Bild, das an die Vergangenheit erinnert: Wer sich diese Ovomaltine-Büchse ansieht, kann sich schnell vorstellen, wie ein Kind anno 1950 im besten Sonntagsgewand auf Zehenspitzen stehend versucht, an die köstliche Ovi-Büchse auf der obersten Ablage des Vorratsschranks zu gelangen. Es ist ein Produkt, das Generationen von Kindern geprägt hat.

Früher brauchte es zwingend die Milch zum Pulver, ausser für Hartgesottene, die das Pulver zum Beispiel auf einer Scheibe Brot konsumierten. Heute gibt es zum Glück eine breite Produktpalette an Ovi-Snacks. Die Nummer eins ist vermutlich der Brotaufstrich «Ovomaltine Crunchy Cream», welcher Nutella so was von Konkurrenz macht! Aber auch mit einem Bissen von der Ovo-Schokotafel «kannst du’s nicht besser, aber länger», wie der alte Werbespot beweist.

Eine ganz alte Ovomaltine-Dose

Zweifel Chips

Ein Mann steigt mit Skiern zu einem entlegenen Kiosk auf einem Gletscher. Im Gepäck hat er vier Kisten Zweifel-Chips. Oben angekommen, füllt er die leeren Vorräte auf. Die Botschaft der Werbung ist simpel, aber genial: «Egal, wo dein Laden ist, die Zweifel-Chips verkaufen sich wie warme Semmeln.» Denkt man zurück an die zuletzt verzehrte Chipstüte, merkt man sofort, dass etwas dran ist. Schliesslich kann kaum jemand, der die erste Handvoll Paprika-Chips gegessen hat, so schnell wieder damit aufhören.

Eine alte Zweifel-Werbung mit Serviervorschlag: Hier zielt die Werbung auf den Verzehr zu Tisch ab und weniger auf das möglicherweise zeitgenössischere «Snacken». 

Ricola

Die Alpenkräuterbonbons bestechen nicht nur durch intensives Aroma, sondern auch durch das gekonnte Marketing. Den Slogan «Wer hats erfunden? Die Schweizer» kennt wohl jeder und jede. Dass man diesen Spruch noch bis heute zu hören bekommt, ist kein Zufall. Denn der TV-Spot ist provokant, einprägsam und widerspiegelt das hiesige Bünzlitum. Ricola zeigt sich in der alten TV-Werbung der Neunzigerjahre wehrhaft. Egal ob finnische Sauna-Enthusiasten oder australische Surfer: Alle geben vor, die Ricola-Erfinder zu sein. Schlussendlich müssen sie sich aber vor der omnipräsenten Bünzli-Polizei geschlagen geben. Schliesslich haben es die Schweizer erfunden.

Nicht nur die TV-Werbung fällt seit jeher auf. Auch die Verpackung der Bonbons ist bunt und einprägsam. Das heutige Klappschachtel-Modell fängt die Bonbons geschickt auf und lädt zum Teilen ein. Laut «logolook», dem Portal für Markengeschichte, ist die Ricola-Wortmarke seit 1957 mehr oder weniger gleich geblieben. Einziger Unterschied ist der poppige weisse Rand, der den Schriftzug umfasst. Swissness bleibt sich eben selbst treu. So findet das Bonbon in allen neuen Geschmacksrichtungen auch heute noch zuverlässig in die Hände der Kundinnen und Kunden. 

Eine alte Ricola-Büchse

Hier ein Bild von 1983

Toblerone

Zum Anbeissen: ein dunkler Tobleroneriegel im Fokus.
Zum Anbeissen: ein dunkler Tobleroneriegel im Fokus.
Bild Unsplash

Die Toblerone ist vielleicht so etwas wie der Goldbarren unter den Schokoriegel. Warum? Er hebt sich ab von seiner Konkurrenz durch Form, Schrift und Geschmack. Und er ist – anders als das Getränk Rivella – auch im Ausland der Renner. Laut dem Magazin «Forbes» wurde der Schoggi-Stängel aus Mandeln, Honig und Nougat seit der Gründung der Marke im Jahr 1908 ausschliesslich in der Schweiz hergestellt. Im Jahr 2023 hat Toblerone-Besitzerin Mondelez aber aufgrund der starken Nachfrage auch eine Produktion in der Slowakei gestartet. Deshalb musste das Schweizer Wappen von der Verpackung verschwinden, weil nicht mehr einzig und allein in der Schweiz produziert wird.

Eine englische Toblerone-Werbung aus dem Jahr 1959

Beiss mich, ich bin die Neue: eine klare Handlungsaufforderung.

Aromat

Aromat ist das Schweizer Gewürz schlechthin. Wie das Onlineportal «swissinfo.ch» schreibt, hat sich dieses Produkt seit seiner Markteinführung 1952 durch die Firma Knorr optisch wie geschmacklich nicht gross verändert. Ebenso wenig die Diskussionen über den Geschmack des Produkts: Die einen lieben es, die anderen hassen es. Fakt ist: Seit Jahren hat dieser Klassiker der Schweizer Küche das Potenzial, den Geschmack jedes Gerichts vollständig zu dominieren. Egal ob Eier, Lasagne, Salat, Grillgüter oder Capuns, nichts ist sicher davor: Sobald das gelbe Pulver gestreut ist, schmeckt sofort jedes Essen nur noch danach: ganz nach dem Motto «Warum auch nicht, es ist Aromat, der Alleskönner». Ob ihr nun ein Fan von Aromat seid oder nicht, eines steht fest: Dieses legendäre Gewürz hat sich in vielen Schweizer Küchen etabliert und wird weiterhin die Geschmäcker vieler Gerichte prägen.

Gelegentlich wagen wir uns noch weiter in die Tiefen des 20. Jahrhunderts. Eine Retro-Aromat-Werbung, die vermutlich aus den Fünfziger- bis Sechzigerjahren stammt. Schon damals waren die Farben dieselben, nur das Knorr-Männchen fehlte. 

Nicolas Boschung ist in der Nähe des Greifensees im Zürcher Oberland aufgewachsen. Der gelernte Verpackungstechnologe hat in Chur Multimedia Production studiert. Seit 2023 arbeitet er als Produzent Online für «suedostschweiz.ch».

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Lieber Nicolas,
vorweg danke für den abwechslungsreichen Artikel. Dass du allerdings das kultige Kägi-fret aus dem toggenburgischen Lichtensteig SG den Thurgauern zuschreibst, geht so nicht und bedarf hier einer unmittelbaren Richtigstellung. Als im besagten Ort (notabene einen Steinwurf neben der Kägifabrik) aufgewachsener Zeitgenosse, mittlerweile in Ems lebend, offeriere ich dir gerne eine Kurpackung "Frettli" - sie wird dir bei der Recherche zum nächsten Beitrag eine nicht grad kalorienarme, hoffentlich jedoch willkommene Begleitung sein. Melde dich bei Andreas Stump, Via Marchesa 2, Domat Ems

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