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Ostertraditionen, die in Graubünden geblieben sind

Bunt bemalt, versteckt oder verschenkt – Ostereier sind mehr als Deko. Wir haben recherchiert, welche Bräuche es rund ums Ei heute noch gibt und wo sie besonders liebevoll gepflegt werden.

Romina
Kranz
05.04.26 - 10:00 Uhr
Graubünden
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Das Gelbe vom Ei: Graubünden hat rund um Ostern ganz unterschiedliche Bräuche.
Bild: Pixabay

Rund um Ostern gibt es eine Vielzahl an Bräuchen – viele sind längst verschwunden, einige jedoch haben bis heute überlebt. Im Engadin etwa bestehen nach wie vor sogenannte «Eierbahnen», im Bündner Oberland werden Ostereier durch die Luft geworfen. Und in einzelnen Prättigauer Dörfern trifft sich die Dorfbevölkerung auch heute noch am Ostermontag zum traditionellen Eierputschen.

Eierputschen in Grüsch: Ein Brauch mit Geschichte

Seit Jahrhunderten trifft sich die Bevölkerung von Grüsch am Ostermontag zum traditionellen Eierputschen. Jede und jeder bringt einige gefärbte Eier mit, dann beginnt der Wettkampf: Gepuscht wird auf «gältä», was bedeutet, dass der Besitzer des stärkeren Eis das beschädigte Ei seines Gegenübers erhält.

Damit faire Bedingungen herrschen, schlägt man zunächst Spitze auf Spitze, danach «Füdli» auf «Füdli». Das Ei, das auf beiden Seiten beschädigt wird, geht an den Kontrahenten. Früher fand das Eierputschen im Ortsteil «Pra» statt – der Ausdruck «Putschä uf Pra» ist daher bis heute eng mit dem Osterfest verbunden. Aber auch auf der Burg Castels in Putz wird der Brauch bis heute gepflegt – ganz im Sinne der gelebten Ostertradition im Prättigau.

Mit dem Ei auf der Bahn: Osterbrauch in Bever

Einen weiteren überlieferten Osterbrauch findet man im Engadiner Dorf Bever. Was auf den ersten Blick wie eine Miniatur-Bobbahn wirkt, dient seit Jahrhunderten einem ganz besonderen Zweck: dem Rollen bemalter Ostereier.

Die Bevölkerung nutzt dafür einen leicht abschüssigen Graben an einer Halde. Die Eier werden einzeln hinuntergerollt – mit ungewissem Ausgang. Manchmal fliegen sie aus der Bahn und zerbrechen, manchmal bleiben sie heil und dürfen erneut ins Rennen geschickt werden. Das Ei, das am längsten in der Bahn und unbeschadet bleibt, wird zum «Siegerei» gekürt.

Eierwerfen in Castrisch: Ein fast vergessener Brauch

Auch im Bündner Oberland wurde über viele Jahre ein besonderer Osterbrauch gepflegt. In Castrisch traf sich die Dorfbevölkerung jeweils am Ostermontag auf einer Wiese ausserhalb des Dorfes zum traditionellen Eierwerfen.

Während die Erwachsenen beisammenstanden und sich über die neuesten Geschehnisse austauschten, warfen die Kinder ihre Ostereier im hohen Bogen durch die Luft. Dabei wurde ein Ei so lange geschleudert, bis es zerbrach.

Wer glaubt, dass jedes durch die Luft geschleuderte Osterei sofort zerbricht, irrt sich. Mit etwas Glück und einer robusten Schale können bemalte Eier bis zu 15 oder gar 20 Würfe überstehen. In Castrisch war das Eierwerfen am Ostermontag über Jahre hinweg ein fester Bestandteil des Dorflebens. Heute ist der Brauch fast verschwunden – nur noch einzelne Familien pflegen die Tradition im kleinen Rahmen.

Eiertrölen in Trin

Anders sieht es im nahegelegenen Trin aus: Dort trifft sich die Dorfbevölkerung auch heute noch am Ostermontag zum sogenannten Eiertrölen. Auf einem Hang lassen die Teilnehmenden ihre hart gekochten, bunt verzierten Eier hinunterrollen. Geht ein Ei zu Bruch, scheidet es aus. Die drei Eier, die am weitesten rollen oder springen und dabei heil bleiben, sichern ihren Besitzerinnen und Besitzern nicht nur Ruhm und Ehre, sondern auch eine kleine Überraschung.

Praktische Tipps zur Vorbereitung liefert die Website des Feriendorfs Trin gleich mit: So soll es helfen, das Ei vor dem Wettbewerb in einen Ameisenhaufen zu legen, um die Schale zu härten. Auch kleinere Eier seien oft widerstandsfähiger. Und wer eigene Hühner hält, kann mit einem altbewährten Trick nachhelfen: Zerriebene Eierschalen im Futter sollen für extra feste Schalen sorgen.

Dieser Artikel ist in abgeänderter Form bereits am 20. April 2025 erschienen.

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