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Treffpunkte wie Dorfläden fehlen, Schulen gehen zu: Ist das Dorfleben im Glarnerland am Aussterben?

Einkaufszentren statt Dorflädeli: Schleichend verschwinden wichtige Treffpunkte in den Dörfern. In einer neuen Serie greifen wir das Problem auf und stellen Menschen vor, die das Dorfleben erhalten.

Sara
Good
27.11.24 - 16:03 Uhr
Glarus
Zeit für einen Schwatz an der Kasse: Karin Winteler (rechts) bedient eine Kundin im Dorfladen in Riedern, der im April 2025 geschlossen wird.
Zeit für einen Schwatz an der Kasse: Karin Winteler (rechts) bedient eine Kundin im Dorfladen in Riedern, der im April 2025 geschlossen wird.
Bild Sasi Subramaniam

Die Kinder gehen ab dem nächsten Schuljahr nicht mehr in Braunwald zur Schule, und der Dorfladen in Riedern schliesst im April. Arbeitsplätze verschwinden, wie zuletzt in der Wäscherei im Kantonsspital Glarus oder in der Seidendruckerei in Mitlödi.

Besonders emotional wurde im Vorfeld der Gemeindeversammlung in Glarus Süd diskutiert, bei der es um die Zukunft der Schule in Braunwald ging. «Eine Schule belebt das Dorf, zieht junge Familien an und fördert eine nachhaltige Entwicklung», schrieb zum Beispiel Thomas Gilgen im Vorfeld. Er ist selber Familienvater, wohnt in Braunwald und ist Mitglied der IG Zukunft Schulen Glarus Süd. Gilgens Argumente vermochten die Stimmberechtigten nicht umzustimmen.

«Entdörflichung des Dorfes»

Das Dorfleben gerät unter Druck. Auch der renommierte Politgeograf Michael Hermann beobachtet eine «Entdörflichung des Dorfes». Bei einem Vortrag im August sagte er: Menschen «ziehen nicht in eine Gemeinde, weil sie sich dort engagieren wollen oder Teil der Gemeinschaft sein möchten, sondern weil die Wohnung ideal gelegen ist.»

Diesen Vortrag hielt er an der Generalversammlung des Gemeindeverbands, wo Ständerat Mathias Zopfi zum Präsidenten, also zum obersten Dörfler der Schweiz, gewählt wurde. «Die Vereine, die Dorfmusik, das ist es, was die Dörfer nach wie vor ausmacht», wurde er von verschiedenen Zeitungen zitiert.

Zudem schreitet die Verstädterung fort: Im Frühling meldete das Bundesamt für Statistik, dass Glarus und Glarus Nord jetzt eine eigene Agglo bilden. Glarus Süd gehört nach den Daten nicht zur Agglomeration dazu, sondern wird als «Ländliche periphere Gemeinde» bewertet.

Neue Serie beleuchtet das Dorfleben

In einer neuen Artikelserie beleuchten wir das Spannungsfeld rund um die Glarner Dörfer: Wir möchten aufzeigen, welche Probleme die Glarnerinnen und Glarner beschäftigt und welche kreativen Ansätze es gibt, das Dorfleben zu erhalten.

Die Serie starten wir mit einem Artikel über das Schulhaus im Schwändital, wo seit 2021 die Schulglocke verstummt ist und die Kinder im Tal zur Schule gehen. Die Gemeinde Glarus Nord ist als Eigentümerin momentan noch ziemlich ratlos, was sie mit dem Gebäude anfangen soll.

Themenideen gesucht

Gibt es in eurem Dorf ein spezielles Projekt oder engagierte Personen, die die Menschen zusammenbringt? Coole Anlässe organisiert oder gleich in mehreren Vereinen aktiv ist? Oder habt ihr sonst eine Idee für einen Artikel, die in die Serie rund ums Dorfleben passt?Schreibt uns doch euren Input an [email protected]. Wir sind gespannt auf eure Geschichten!

Sara Good verantwortet die Glarner Inhalte auf «suedostschweiz.ch». Zudem kreiert sie multimediale Inhalte und schreibt Artikel für die «Glarner Nachrichten». Sie hat den Diplomlehrgang am MAZ absolviert und Multimedia Production in Chur studiert.

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