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Wasserpest im Obersee schwindet massiv

Mehrere Jahre lang hat Nuttalls Wasserpest den Obersee verpestet. Nun ist sie überraschend fast verschwunden. Nach den genauen Gründen wird noch gesucht.

Fridolin
Rast
24.07.18 - 04:30 Uhr
Ereignisse
Glarner Alpziger.Familie Fischli.Glarner Alpen.
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Den neusten Stand hat Jakob Marti, Leiter Umwelt und Energie beim Kanton, nach Tauchgängen im Näfelser Obersee letzte Woche erfahren: «Die Nuttalls Wasserpest hat zwar im Laufe des Frühlings wieder etwas zugenommen, hat aber einen deutlich tieferen Bestand als im Vorjahr.» Nachdem sich damals ein Rückgang abzeichnete.

Nach der massiven Ausbreitung von 2014 bis 2016 ist das eine gute Nachricht: «2016 war der Seeboden fast lückenlos mit der Wasserpest bewachsen.» Damals habe man den Eindruck gehabt, der Bewuchs sei katastrophal, und sich Massnahmen überlegt. Ein Eindruck auch, der damals Landrat Martin Landolt zu einer Interpellation animierte.

Eine eigentliche Trendwende

Doch schon bei Mähversuchen in einer Bucht im Mai 2017 habe sich damals ein gewisser Rückgang gezeigt. Die Untersuchungen 2017 gingen dann laut Marti in die gleiche Richtung: «Was die Experten mit dem Wintereis und der Trübung des Wassers erklärten.» Die Trendwende sei erkannt, aber noch nicht ganz verstanden. So- dass 2018 weiter untersucht wird. Ein erster Tauchgang im Frühjahr ergab: «Praktisch keine Wasserpest mehr.» Was sich allerdings leicht wieder ändern könne, bleibt Marti zurückhaltend.

Für den Moment sieht aber alles relativ gut aus am Obersee. Die heimische Armleuchteralge habe wieder überhandgenommen und grosse Flächen bewachsen. Blaualgen, die letztes Jahr stark vertreten waren, gebe es ebenfalls heuer nicht viele.

Sich selber den Boden entzogen?

Möglicherweise gebe es einen sogenannten internen Grund für den massiven Rückgang von Nuttalls Wasserpest, so Marti: «Sie könnte es mit dem Wachstum übertrieben haben.» Was zu Licht- und Nährstoffmangel, aber auch zu beispielsweise von Viren ausgelösten Krankheiten führen könne.

Dass Arten so nach einem massiven Überhandnehmen wieder zurückgehen, sei bekannt, aber nicht immer ganz verstanden. Und oft von mehreren, zusammenwirkenden Faktoren ausgelöst. Wofür auch Fressfeinde wie Schnecken in Frage kämen, solche habe man allerdings im Obersee nicht gefunden. Oder die winterliche Eisdecke.

Denn oft sei Licht der entscheidende Faktor, aber auch der Mangel an Nährsalzen, Stickstoff oder Schwefel komme in Frage.

Dass man nun weiter untersucht, hat vor allem einen Grund, wie Marti erklärt: «Wir möchten wissen, wie wir gegen ähnliche Probleme vorbeugen können.» Auch die Fachberater – die den Rückgang übrigens vorausgesagt hätten – möchten es wissen. Denn auch sie sind von der Geschwindigkeit des Rückgangs überrascht. Und sie schliessen so wenig wie Marti aus, dass das Ganze zyklisch abläuft. Sprich: die Algen sich immer wieder mal vermehren und wieder zurückgehen.

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