Von den Heiligen Sant Fridli und Sepp
Feiertage sind ihre Namenstage nicht mehr. 13 Tage und eine Portion Skepsis trennen die Seppen und die Fridlenen.
Feiertage sind ihre Namenstage nicht mehr. 13 Tage und eine Portion Skepsis trennen die Seppen und die Fridlenen.
Die Glarner und ihre Industrie. Sie sind so fleissig, dass sie nur wenige Feiertage über das gesetzliche Minimum hinaus haben.
Industria heisst ja lateinisch «Fleiss», und so gibt es für den Landespatron Fridolin seit Jahrzehnten keinen Feiertag mehr. Die Glarner haben den freien Tag zugunsten eines weiteren Arbeitstages damals an einer Landsgemeinde abgeschafft. Sie waren (und sind) lieber fleissig bei der Arbeit, als dass sie den Tag des heiligen Fridolin begehen. Und anders als zum Beispiel im Nachbarkanton Schwyz auch keinen freien Josefstag. Ausser denn, der 6. März (der Fridolinstag) oder der 19. März (der Seppentag) würden aufs Wochenende fallen, im besten Fall der 6. auf einen Sonntag und der 19. auf einen Samstag. Womit dann die Seppen und die Fridlenen frei hätten, auch ohne dass die Landsgemeinde auf ihren Entscheid zurückkommen muss.
Industria oder in der zweiten Bedeutung «Eifer» zeigen die Fridolini und die Josephi aber durchaus, wenn es ihre Namenstage zu feiern gibt. Oder mehr, erfahren wir doch gerade, dass der älteste Sepp (ein Gallati aus Leuggelbach) auch mit 87 Jahren immer noch auch die Fahrtsprozession von Glarus bis Näfels unter die Füsse nehme.
Doch ihre Namen sind aus der Mode gekommen. Fridolina ist ein sowieso auch im Lande Fridolins sehr selten gehörter Frauenname. Josefinen gibt es immerhin einige, vier von ihnen haben sich mit einer roten Rose beschenken lassen können, so steht es in einer Mitteilung der Glarner Seppenvereinigung. Es fehlt aber nicht nur der weibliche Nachwuchs. Die Seppen inklusive die Josefinen sind so selten geworden, dass sie sich an der Feier zum Josefstag eine Verstärkung überlegt haben. Einen Zusammenschluss mit den Fridlenen hätten die Seppen überlegt, berichtet Korrespondent Sepp: «Aber man spürte eher Zurückhaltung.» Und so feiern Seppen und Fridlenen weiterhin getrennt.
Bleibt die Frage: Wäre die Zurückhaltung etwas kleiner, wenn der weibliche Vorname Fridolina nicht so selten wäre? Was mir dann aber doch verständlich scheint. Bei den Heiligen Fridolin und Josef: Joséphine tönt einfach eleganter.
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